Archiv für November, 2007

Unsere besten Musikstars

Posted in Beschallungsabhängigkeit, Glotzophonie with tags , , , , , on Sonntag, 25. November 2007 by mediensucht

Am Freitagabend zeigte das ZDF eine der vielen Listenshows, die momentan so beliebt sind. Da das ZDF ja etwas Besseres sein will, als so ein Privatsender, versuchte man das Format damit in die Seriosität zu heben, indem man dem Ganzen einen Hauch von offizieller Wahl verpasste: „Unsere (damit ist jeder in Deutschland gemeint) Besten (die tatsächlich besten Vertreter der Zunft)“ war der Name zum entsprechend beworbenen Programm. Dass sich diese Sendung des ZDF nicht viel von denen der Privaten unterschied, war schnell klar. Es gab einen Moderator (Allzweckwaffe Johannes Babtist Kerner), der auf einer Couch eine Reihe Prominenter um sich scharte und die entsprechende TopIrgendwas abarbeitete. Zwischendurch gab es ein paar Showacts aus dieser Liste.

Ich weiß auch nicht so genau, warum ich mir die Sendung antat. Vielleicht, um etwas in Erinnerungen zu schwelgen. Solche Listenshows sind nämlich recht clever aufgebaut. Die rückwärts abgespulte Top50 erzeugt Spannung. Wer wird denn nun „Der beste Musikstar Deutschlands“? Die Einspieler zu den Platzierten sind tatsächlich recht informativ und interessant. Auf das Gelaber der Gäste kann man gern verzichten, die live-Musik ist Geschmackssache. So habe ich am Freitag das erste Mal Tokio Hotel ihr Werk verrichten sehen. Die können schon Musik machen, wenngleich sie nicht wirklich besser ist, als die Musik vieler anderer talentierter Bands. Mit ihrem Auftreten sprechen sie aber gerade viele Teenies an. Es wäre interessant, die Herrschaften in 20 Jahren zu sehen.

Die eigentliche Top50 ist ohne wirkliche Aussagekraft für die Musik im deutschsprachigen Raum, vielmehr sagt sie etwas über das Publikum des ZDF aus. Überraschend dabei, dass jene Tokio Hotel-Jungs auf einem 23. Platz landeten. Gibt es tatsächlich junge Zuschauer beim ZDF? Oder haben die Enkel der Zuschauer, die den Alten bei der Internetwahl halfen, bei der Gelegenheit gleich ihre eigene Stimme abgegeben? Den hohen Altersschnitt der Zuschauer findet man wunderbar in der Liste präsentiert. Da ist Roy Black auf 7, André Rieu auf 10, die Schürzenjäger auf 14 oder PUR auf Platz 16. Ebenfalls erstaunlich sind die Böhsen Onkelz auf Nummero 25. Diese Platzierung zu interpretieren, wage ich mich nicht.

Würde man tatsächlich eine reelle Wahl durchführen und das Können der Musikstars beurteilen, müssten auf den ersten Plätzen die klassischen Komponisten liegen. So kommt es aber zu seltsamen Konstellationen: So liegt beim ZDF DJ Bobo vor Bach, Nena vor Beethoven und Udo Jürgens vor Mozart. Seltsam muten auch Namen wie DJ Ötzi (42) und Howard Carpendale (19) an, die sich eigentlich nur im Covern von Songs verstehen. Witzig dagegen sind die Platzierungen von BAP (22) und de Höhner (11) in der Top50. Kölner schauen gerne ZDF! Gewonnen hat übrigens Herbert Grönemeyer. Angesichts seiner jahrelangen Präsenz, den vielen Hits und der großen Fangemeinde ist dieses Ergebnis sogar vertretbar.

Über bloßen Unterhaltungswert kommt auch diese Listenshow nicht hinaus. Manchmal reicht das aber schon für einen angenehmen Abend aus …

Einmal TV und zurück

Posted in Geschwätzigkeit, Glotzophonie with tags , , , , , , on Sonntag, 25. November 2007 by mediensucht

Da habe ich mich doch in letzter Zeit einige Male über das TV-Programm brüskiert (ein paar Serien einmal ausgeschlossen), dabei aber keine konkreten Bezüge hergestellt. Wie ist denn nun das deutsche TV-Programm? Was macht es so schlecht (oder so gut?) oder so nichtssagend? Um diese Fragen zumindest versuchsweise zu beantworten, folgt ein kleiner Blick auf das TV-Programm der letzen Tage:

Werktags kommt immer das Gleiche im Flimmerkasten. Die Schemata ähneln sich dabei stark. Wirkliche Unterschiede zwischen den Öffentlichen und den Privaten gibt es erst in den Abendstunden. Vormittags laufen Morgenmagazine und Wiederholungen. Mittags folgen Mittagsmagazine, dann Talk- bzw. Gerichtsshows oder Telenovelas. Der Vorabend besteht fast nur aus Daily Soaps oder Boulevardmagazinen. Der Abend wird meist nach einem Motto gestaltet. Da gibt es bei den Privaten den Comedy-Freitag, den Mystery-Montag oder den Crime-Donnerstag. Entweder laufen dort wöchentliche Serien oder spezielle Filme. Die Öffentlichen versuchen am Abend zumindest entfernt ihrem Sendeauftrag nachzukommen und strahlen vereinzelt Politmagazine oder Wissenssendungen aus. Ältere Zuschauer bedient man mit Volksmusikshows und „Schmalzfilmen“, ob sie es wollen oder nicht.

Überraschend ist für mich, dass dieses hauptsächlich seichte Geflimmer immer noch so viele Zuschauer findet. Ich denke, dass sich die Fernsehkultur in den letzten Jahren verändert hat. Früher saß noch die ganze Familie vor dem Fernseher, die Auswahl an Programmen bzw. Sendungen war noch gering. Man sah konzentriert und interessiert in die Röhre. Heute läuft das TV-Gerät oft nebenbei zur Berieselung (ähnlich dem Radio). Programm, dass man intensiv verfolgen müsste, stört dabei nur. Am Abend wollen die Menschen geistig abschalten, was laut Wissenschaft auch prima funktionieren soll (Lahmlegen einzelner Hirnregionen).

Wie sieht das Programm am Wochenende aus? Am Samstagabend setzten erstaunlich viele Sender auf Show, wie es schon vor 30 Jahren der Fall war. Die Showkonzepte folgen gewissen Trends. So gab es am gestrigen Abend gleich drei Wissensshows zu bewundern. Die Sender wollen sich nicht voneinander absetzen und einen neuen innovativen Kuchen backen, sondern ein Stück vom Vorhandenen abhaben, der immer kleiner wird. Ein seltsames Konzept! Pro7 setzte auch auf Show, ließ mit Stefan Raab aber einen Chaoten ans Werk, der das Talent hat, auf niedrigem Niveau gut zu unterhalten. Er bedient die „niederen“ Instinkte und macht auch keinen Hehl daraus. Man sieht den B-Promis gern beim peinlichen Getue zu. Die auf sportlichen Wettkampf getrimmten Showkämpfe unterschiedlicher Art bieten tatsächlich Stoff für eine sinnfreie Samstagabendunterhaltung. Über Raabs wochentägliches TV-Total verliere ich lieber kein Wort.

Ich sah mir aber dennoch erst mal den Krimi im ZDF an. Handwerklich ordentlich umgesetzt, fehlte es an Spannung, die dem Film durch eine vorhersehbare Geschichte genommen wurde. Schauspielerisch kann man zumindest den öffentlich-rechtlich produzierten Krimis nichts vorwerfen. Auch eine Anke Engelke glänzt in einer ernsteren Rolle. Man merkte dem Krimi seine Bemühungen um Relevanz stark an. Das Thema Altenpflege und Sterbehilfe war doch ziemlich gewollt inszeniert. Insgesamt war der Film aber solide Krimikost.

Dann ging es doch zu Raab. Neben der „niederen“ Faszination, der man auch mal freien Lauf lassen kann und darf, gab es noch echte Abscheu. Die Kommerzialisierung eines solchen Events ist schon penetrant. Selbst auf den halbnackten Körpern wird noch Werbung gemacht. An dämliche Gewinnspiele hat man sich ja leider gewöhnt. Perfekte Abendunterhaltung sieht für mich anders aus. Raabs Shows sind aber ein schönes Abbild der Zeit. Jedem Publikum das, was es verdient.

Ich bleibe lieber bei Filmen im Kino oder auf DVD. Ab und zu eine Serie oder eine interessante Dokumentation im TV dürfen schon mal sein, ansonsten ist TV für mich verzichtbar. Da es heutzutage aber auf Marktanteil und nicht auf absolute Zahlen ankommt, brauchen die Sender solche Menschen wie mich nicht zu fürchten. Die Erziehung eines für Trash und Werbung empfänglichen Publikums läuft … mit Erfolg!

Der aktuelle Wetterbericht

Posted in Sucht des Tages with tags , , on Freitag, 23. November 2007 by mediensucht

Ein herzliches Willkommen zum aktuellen Wetterbericht auf dem Mediensucht WebLog. Heute gab es in ganz Deutschland wieder Wetter. Im Norden hatten wir Wind mit unbekannter Stärke. Im Süden des Landes war es für Saharabewohner zu kalt und für Eskimos zu warm.

Die allgemeine Wetterlage: Über Europa liegt ein Luftdruckgebiet, das in Richtung dort zieht und sich dabei im Kreis dreht. Damit liegen über Deutschland Luftmassen, die für Wetter sorgen. Der Kollege an unserer Messstation in Deutschland hat letzte Woche eine Wolke gesehen.

Die Vorhersage für morgen: In der Nacht wird es besonders in den Lagen kälter. Am Morgen ist dann eine bestimmte Temperatur, die im Tagesverlauf wahrscheinlich steigt. Die Höchstwerte liegen zwischen –20 und +45 °C. Ab und zu ist irgendwo die Sonne zu sehen. Wenn die Sonne mal nicht scheint, gibt es Wolken, aus denen es regnen bzw. schneien kann, aber nicht muss. In den Großstädten gibt es Ozonwerte, auf dem Land auch. In der Nord- bzw. Ostsee und den Binnenseen wird vor Nässe gewarnt. Vorsicht Autofahrer: Aquaplaning!

Langzeitprognose: Auch in den nächsten Tagen gibt es wieder Wetter. Wenn es sich nicht bald ändert, macht es das bestimmt früher oder später. Allergiker sollten sich möglichst in einem Plastiksack im Keller einschließen und erst in einem Jahr wieder heraus kommen.

Damit verabschiede ich mich für heute. Als Nächstes folgt hier: … ähm über … nun ja! Auf Wiedertschüss!

Welttag des Fernsehens

Posted in Glotzophonie with tags , , on Mittwoch, 21. November 2007 by mediensucht

Heute ist der Welttag des Fernsehens! Was macht man einem solchen Tag? Fernsehen? Das praktiziert man doch fast jeden Tag. Zumindest benutzt man den Fernseher, um darauf DVDs zu schauen. Obwohl es ja Menschen geben soll, die sich Filme und Serien am Computer oder Notebook ansehen. Laut Statistik sehen aber die Deutschen pro Tag im Schnitt 4 Stunden in die Röhre. Da nicht jeder Deutsche einen Fernseher besitzt, ist die Zahl pro wirklichem Zuschauer noch höher. Eigentlich erschreckend! Wenn man bedenkt, dass beim Fernsehen wichtige Hirnregionen quasi ausgeschaltet werden und die Einschaltquoten von Bildungssendungen sehr gering sind … nein, nein, nein, ich mache jetzt keinen naiven Film mit dem Namen Free Mediensucht, in dem ein Mediensüchtiger mittels Einschaltquotenmanipulation sein Wunschprogramm bekommt. Ich sehe mir stattdessen heute Abend die neue Folge Heroes im TV an. Und das, ganz ohne Feier! Das Fernsehen ist Alltag bzw. Normalität. Irgendwann wird es wahrscheinlich vom Internet abgelöst. Vielleicht sollte man deshalb dessen Erfindung und Entwicklung gedenken: Prost, Fernsehen!

Bahn-Streik als Mittel zum Zweck

Posted in Geschwätzigkeit with tags , , , on Mittwoch, 21. November 2007 by mediensucht

Die in der Gewerkschaft GDL organisierten Lokführer wollen mehr Gehalt und die Führung der Deutschen Bahn stellt sich quer. Es gibt Streik. Aber was sind die Gründe? Ich denke, hinter dieser Aktion versteckt sich die Autoindustrie. Dafür gibt es gleich mehrere Hinweise.

Die von der Autoindustrie gesteuerte Bahn hat einen Plan. Durch schlechten Service und überteuerte Fahrpreise versucht sie ihre Kunden zum Umstieg auf das Auto zu zwingen. Da aber immer noch zu viele Menschen mit der Bahn fahren, müssen drastischere Maßnahmen gestartet werden. Das Umfeld macht mit. Der Lokführergewerkschaft fällt urplötzlich ein, dass sie in den vergangenen Jahren gepennt hat. Nun muss die Lohnerhöhung auf einen Schlag her. In geheimer Absprache mit der Bahnführung wurde ein wochenlanges Hin und Her vereinbart. Durch Streiks sollen die Kunden nun endgültig ins Auto gezwungen werden.

Nun könnte man behaupten, dass die Autoindustrie auch Schaden durch die Streiks nimmt. Die kleinen Produktionsausfälle muten jedoch wie Kollateralschäden an. Der Zugewinn beim Autoverkauf wird ein wesentlich höherer sein. Zudem kann man das Rückfahren der momentanen Überproduktion bequem auf den Streik schieben.

Die Aktionen der Bahn vor dem Streik waren auch schon beeindruckend. Ein beliebtes Mittel schienen Baumaßnahmen zu sein, die sich ewig hinzogen. Es wurden Ersatzfahrpläne konstruiert, die garantiert nicht eingehalten werden konnten. Die Menschen, die in gutem Glauben an den Fahrplan eine Bahnfahrt riskierten, mussten auf kalten Bahnsteigen warten. So sollte jedem Kunden klar gemacht werden, dass es im Auto zwar auch Wartezeiten im Stau geben konnte, diese im Schnitt aber kürzer wären und weit weniger gesundheitsgefährdend.

Nachdem ich vor einigen Wochen das Glück hatte, an solch einer Aktion teilzunehmen, musste ich meiner Freude Ausdruck verleihen und mich bei der Bahn (hier: Berliner S-Bahn) bedanken:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihre Aktion „Runter von der Schiene, rein ins Auto“ ist ein voller Erfolg. Ich habe es gestern (…) selbst erfahren dürfen. Sie haben zwischen Greifswalder Straße und Treptower Park Pendelverkehr eingerichtet, der sich dank brillanter Planung auf das ganze Berliner S-Bahn-Netz auszuwirken scheint. Ich wollte eigentlich nur von Pankow-Heinersdorf ab 22:07 Uhr zur Greifswalder Straße fahren, wäre also vom Pendelverkehr gar nicht betroffen, kam dort aber mit einer knappen halben Stunde Verspätung an. Die nur bis zur Schönhauser Allee fahrende S8 wartete ersatzplanmäßig Bornholmer Straße 4 Minuten länger, damit der Fahrgast auf dem Bahnhof Schönhauser Allee die maximale Wartezeit von 9 Minuten hat, um weiter zu fahren. Glücklicherweise sind S-Bahnen ja selten pünktlich, so dass die S8 schon vor dem Bahnhof 10 Minuten auf den Gegenverkehr warten musste. Der geplante Zug S41 zur Greifswalder Straße hatte dann ebenfalls Verspätung, so dass er schon ab Schönhauser Allee zurück in Richtung Gesundbrunnen geschickt wurde. Damit kamen nochmals 10 Minuten Wartezeit dazu. So habe ich meine Anschluss-Tram auch noch verpasst. Sensationell! Dass nenne ich doch „flexibel“, so aus dem Nichts Wartezeit zu zaubern! In anderen service-orientierten Unternehmen würden solche brillanten kundenfeindlichen Organisationstalente sofort entlassen, die S-Bahn GmbH gibt ihnen aber eine Chance. Das ist sehr sozial! Da Lebenszeit nicht mit Spritkosten aufzuwiegen ist, werde ich zukünftig das Auto benutzen. Freuen Sie sich, dass sie wieder einen Kunden auf die Straße gebracht haben. Noch einen Tipp: Im kalten Winter oder nassen Herbst holen sich die Kunden gern eine Erkältung, wenn sie auf Bahnsteigen warten müssen, anstatt im warmen Auto zu sitzen: Das ist Ihre Chance! Nochmals Gratulation zur Aktion! Mit freundlichen Grüßen

Mediensucht Weblog

Der Erfolg der Aktion schien enorm gewesen zu sein, so dass sie letzte Woche wiederholt wurde. Dieses Mal waren die enormen Wartezeiten schon im Ersatzfahrplan einberechnet, um nochmals durch die Realität übertroffen zu werden.

Ich bin gespannt, was sich die Autoindustrie und ihre Untertanen (DB, GDL, Politiker) demnächst noch einfallen lassen. Es wird eine ereignisreiche Zeit: „Fahre Bahn und Du erlebst etwas!“. Wenn das mal nicht nach hinten losgeht und zu Streiktourismus führt. Arme Autoindustrie! 😉

Battlestar Galactica

Posted in Glotzophonie, Serienjunkietum with tags , , on Dienstag, 20. November 2007 by mediensucht

Im Folgenden geht es mal um eine Serie, mit er ich eine Art Hassliebe verbinde: Battlestar Galactica. Nein, das ist nicht der tausendste Aufguss von Stargate Irgendwas und auch kein Ableger von Star Trek. Battlestar Galactica (BG) basiert auf Kampfstern Galactica aus dem Jahr 1978, hat damit aber nur den inhaltlichen Hintergrund gemeinsam. Ansonsten ist BG völlig neu entwickelt und setzt weniger auf Schauwerte als auf Psychologie und Handlung.

Es herrscht Krieg. Die Zylonen (hochentwickelte Roboter mit teilweise menschlichem Äußeren) wenden sich gegen ihre Erbauer und wollen die Menschheit vernichten. Den Erstschlag überleben nur etwa 50 000 Menschen, die auf der Suche nach einer neuen Heimat sind.

Für mich immer wieder erschreckend sind die Parallelen zur heutigen amerikanischen Gesellschaft. Nicht nur das Militärgehabe, dass sich bis in die Zukunft nicht geändert zu haben scheint, auch die religiösen Momente erzeugen bei mir Skepsis. Ich rechne BG aber hoch an, dass die Serie bis jetzt noch keine eindeutige Stellung zur Religion bezogen hat. Der Mensch neigt ja in Krisenzeiten zu Extremen. Einige Menschen werden tief religiös, während andere ihren Glauben verlieren. Beide Aspekte werden angesprochen, aber nicht wirklich gewertet. Vielmehr kommt es zu interessanten Konstellationen. Ähnlich verhält es sich mit dem Militär. Auch hier kann man argumentieren, dass extreme Situationen besondere Maßnahmen und Disziplin erfordern. Manchmal läuft mir dennoch ein Schauer über den Rücken, wenn ich das übertriebene Militärgehabe sehe.

Großer Pluspunkt der Serie ist die brillante, moderne Machart. Neben der ungewöhnlichen Farbgebung sticht die „Handkamera“ im Weltraum ins Auge. Der Zuschauer wird durch geschickte Schärfeverlagerungen, schnelle Kamerabewegungen und subjektive Sicht in das Geschehen gezogen. Die eigentlichen Effekte (z.B. Explosionen) treten in den Hintergrund. Zudem wird höchsten Wert auf psychologische Tiefe gelegt. Beweggründe für die Handlungen der Figuren und charakterliche Eigenschaften stehen im Vordergrund. Dieses Konzept funktioniert nicht immer. Wenn es aber funktioniert, sieht man das Beste, was Science Fiction momentan sein kann. Erwähnenswert ist auch der Einsatz von Musik. Es dominieren ethnische Klänge von afrikanischen Trommeln oder asiatischen Zupfinstrumenten.

Summa summarum eine äußerst interessante und sehenswerte Serie, der man die ein oder andere Schwäche gern verzeiht. Da RTL2 die Serie aus unerfindlichen Gründen in 4:3 ausstrahlt, sollte man besser auf die DVDs zurückgreifen. Da gibt es auch keine nervige Werbung. Empfehlung für alle SciFi-Fans!

Lesetipp: Der Vorleser

Posted in Lesewut with tags , , , , on Dienstag, 20. November 2007 by mediensucht

Eigentlich verbietet es sich, bei einer Buch- oder auch Filmempfehlung etwas über den Inhalt des Werkes zu offenbaren. Man empfiehlt das Buch, um dem zukünftigen Leser gleich das Lesevergnügen durch übertriebene Inhaltsangaben zu trüben, ihm wunderbare Überraschungsmomente zu nehmen. Andererseits könnte man argumentieren, dass ohne einen kleinen Anreiz der Leser nicht zu seinem Buch gekommen wäre und ihm quasi das komplette Lesevergnügen genommen würde. Schön ist es also, wenn man ohne Inhaltskenntnis zu einem Buch kommt und damit jede Komponente des Buches genießen kann.

So erging es mir mit Der Vorleser von Bernhard Schlink. Sein Werk wurde in 39 Sprachen übersetzt und war in den USA sehr erfolgreich. In Berlin wurde das Buch gerade durch Stephen Daldry (The Hours) und Roger Deakins hinter der Kamera mit Starbesetzung (Nicole Kidman, Ralph Fiennes) verfilmt. Dies nahm ich zum Anlass, mir das nur ca. 200 Seiten starke Buch ohne die Kenntnis jeglichen Inhalts zu Gemüte zu führen. Ich wurde gleich mehrmals überrascht.

Nein, ich werde meinen Anfangsgedanken nicht verwerfen und hier Inhaltliches preisgeben. Es sei aber soviel gesagt: Das Buch ist inhaltlich sehr komplex. Schlink spricht viele Themen auf nicht alltägliche Art und Weise an. Es geht um Liebe, um psychologische Abgründe und Vergangenheitsbewältigung. Schlink benutzt dabei eine einfache, aber präzise Sprache. Wenn es allerdings um Gefühle geht, wird Schlink wunderbar bildlich. Seine philosophischen Betrachtungen sind erstaunlich und interessant. Der Vorleser ist 200 Seiten intensive Literatur, die an Herz und Nieren geht. Deshalb: Lesen!