Archiv für Juli, 2008

Kurzkommentare – Juli 2008

Posted in Cinemanie with tags , , on Mittwoch, 30. Juli 2008 by mediensucht

Wegen meiner Kurzzeitdroge Prison Break nicht wirklich zum Filmeschauen gekommen, folgende Welche sind aber trotzdem an meinen Augen im Monat Juli vorüber geschwirrt:

Mini’s First Time
Ziemlich böse Gesellschaftssatire mit Staraufgebot, die es nur in die DVD-Verwertung schaffte. Teils witzig und spannend, insgesamt zu oberflächlich. 6/10

Die Vorahnung
Der Mystery-Thriller mit Sandra Bullock hatte so seine Momente, „glänzt“ aber mit einer so saudämlichen und vorhersehbaren Auflösung, dass es einem schlecht wird. 3/10

1 Mord für 2
Schönes, intensives Kammerspiel mit Michael Caine und Jude Law, das es allerdings einige Male zu weit treibt. Hat mir insgesamt aber Spaß gemacht. 7/10

So ist Paris (Sneak)
Leider ziemlich langweiliger Episodenfilm von Cedric Klapisch, der eigentlich überall hätte spielen können. Bis auf wenige intensive Momente verschwendete Zeit. 3/10

Hancock
Da hat man doch mal wieder am Schluss herumgedoktort! Das kann doch nicht das ursprüngliche Ende gewesen sein! Bis dahin war der Film nämlich gut! 7/10

Selbstgespräche (Sneak)
Gute deutsche Beziehungskomödie mit unaufdringlichem Humor. Die Probleme der Mitarbeiter eines Callcenters werden in kleinen Episoden thematisiert. Dabei geht es leicht überspitzt und amüsant zu. Muss man aber nicht im Kino gesehen haben. So 7/10

Across The Universe
Ist mir weiterhin äußerst sympathisch! 9/10

10’000 B.C.
Inhaltlich und auch optisch weit hinter Gibsons Apocalypto zurück. Ziemlich langweiliges Frühzeitfilmchen! 2/10

The Darjeeling Limited
Ein wunderbar gemachter Film mit toller Atmosphäre. Die DVD verrät zudem, welch immense Arbeit in dem an Originalschauplätzen (echter Zug) gedrehten Film steckt. 9/10

Aktuell/demnächst: UMZUG!

Prison Break

Posted in Serienjunkietum with tags , , , , , , , , , , on Samstag, 19. Juli 2008 by mediensucht

Wie bereits bekannt gegeben, war der Grund meiner „Schreibfaulheit“ in letzter Zeit eine Serie, deren Hype ich zunächst nicht mitgemacht habe bzw. deren Ausstrahlung auf RTL ich an mir vorüber gehen ließ. Das Positive daran ist, dass ich nun die zwei in Deutschland auf DVD erhältlichen Staffeln am Stück verfolgen konnte – ohne dämliche Werbeunterbrechungen und genau dann, wenn es mir passte (also so ziemlich jeden Tag der letzten zwei Wochen). Die Rede ist von Prison Break, eine von Paul T. Scheuring konzipierte Serie des US-Networks Fox.

Wie der Titel schon verrät, geht es in Prison Break primär um einen Gefängnisausbruch. Der intelligente Statiker Michael Scofield (Wentworth Miller) lässt sich bei einem Banküberfall festnehmen und genau in das Gefängnis einliefern, in dem sein Bruder Lincoln Burrows (Dominic Purcell) als Todeskandidat sitzt. Burrows wird des Mordes am Bruder der Vizepräsidentin beschuldigt und erwartet in drei Wochen den elektrischen Stuhl. Rein zufällig hatte Scofield als Statiker Zugang zu den Bauplänen des Fox River State-Gefängnisses. Diese lässt er sich gleich zu Anfang der Serie mit allerlei Kunst verschleiert auf den Körper tätowieren. Während Scofield im Gefängnis die Flucht vorantreibt, versucht außerhalb die engagierte Anwältin Veronica Donovan (Robin Tunney) Beweise für Burrows Unschuld zu finden und ist dabei einer großen Verschwörung auf der Spur.

Das relativ begrenzte Setting der Serie (große Teile der Handlung spielen logischerweise im Gefängnis) und die drängende Zeit bis zur Hinrichtung von Burrows machen die Serie zumindest in der ersten Staffel zu einem sauspannenden Kammerspiel. Dem kleinen Genie Scofield stellen sich so einige interessante Gestalten (großartig beispielsweise Robert Knepper als T-Bag) in den Weg, die immer wieder eine Abänderung seines Plans erfordern. Die Schlagzahl ist erstaunlich hoch. Es gibt wohl kaum eine aktuelle Serie, die spannender ist. Um einige Logiklöcher und andere Ungereimtheiten kommt die Serie selbstverständlich nicht herum, sie fallen teils aber gar nicht richtig auf, da das Tempo so außerordentlich hoch ist. Wie viele neuere Serien aus den USA profitiert auch Prison Break vom Konzept der fortlaufenden Handlung. In Deutschland war man zunächst skeptisch, ob man dem Soap-Knast-versauten RTL-Publikum (Hinter Gittern) eine solch komplexe Serie überhaupt zumuten konnte. Der Sicherheitsstart in der Sommerurlaubssaison schadete aber unerwartet wenig. Der Hype erreichte Deutschland.

Zu meiner Freude ist Prison Break nicht nur extrem spannend sondern auch für US-Verhältnisse erstaunlich provokant. Möglich politische Verschwörungen bis in die Spitze der US-Regierung werden überraschend offen angerissen und ausgeführt. Das Rechtssystem steht in keinem guten Licht. Auch die Verhältnisse in den Gefängnissen beäugen die Macher kritisch. Das geheiligte Land als Sündenpfuhl. Parallelen zur realen Welt sind selbstverständlich rein zufällig!

Um hier nicht zu viel Inhaltliches preiszugeben, sei zum Fortgang der Serie nur Folgendes gesagt. In der zweiten Staffel erfolgt ein erster Schnitt. Das Setting wird variiert, was dem Kammerspielcharakter etwas schadet, der Spannung aber keinen Abbruch tut. Dieser Schnitt war notwendig und auch logisch. Am Ende der zweiten Staffel sieht man aber erste Abnutzungserscheinungen. Die Handlung wirkt zunehmend konstruiert und in die Länge gezogen. Bei mir regte sich leichter Unmut, auch wenn die Serie weiterhin äußerst spannend bleibt. Einen weiteren Schnitt gibt es zur dritten Staffel, die ich mir aber noch nicht zu Gemüte geführt habe. Mir stellt sich aber langsam die Frage, ob ein solch langes Ausdehnen des Konzepts Prison Break nicht eher schadet. Die Quoten der dritten Staffel in den USA ließen zumindest merklich nach und einiger Unmut war zu vernehmen. Ich bleibe Prison Break zunächst aber treu.

für Staffel 1

für Staffel 2

Update (13.10.08):
RTL zeigt die dritte Staffel ab Januar 2009. Die vierte Staffel wird direkt im Anschluss ausgestrahlt.

für Staffel 3

TV-Tipp: My Name Is Earl auf RTL

Posted in Glotzophonie with tags , , , on Freitag, 18. Juli 2008 by mediensucht

Ab heute abend sendet RTL (hoffentlich) jeden Freitag um 23:30 Uhr die US-Serie My Name Is Earl, die ich hier bereits ausführlich gewürdigt habe.

Wer mich gerade vom Bloggen abhält …

Posted in Sucht des Tages with tags , on Montag, 14. Juli 2008 by mediensucht

S C O F I E L D ! ! !

Staatsbürgerschaftstest sorgt für Aufruhr

Posted in Geschwätzigkeit with tags , , , , , , , on Donnerstag, 10. Juli 2008 by mediensucht

Berlin. Die Gesetzesvorlage für den neuen, gern als „Auswanderungstest“ bezeichneten Staatsbürgerschaftstest sorgt für Unruhe in der Bevölkerung und den politischen Parteien. Der Test ist ähnlich angelegt wie der vor einiger Zeit beschlossene Einbürgerungstest für Immigranten. Er beinhaltet 33 Fragen, die ein deutscher Staatsbürger ab dem 20. Lebensjahr alle 10 Jahre weitestgehend richtig beantworten sollte. Macht er mehr als 5 Fehler, wird er des Landes verwiesen und muss sich eine neue Heimat suchen.

Die Fragen des Tests orientieren sich dabei ebenfalls an dem Test für Einwanderer. Wer also die Frage nach der Einwohnerzahl von Deutschland mit „50`000“ beantwortet, wie kürzlich eine junge Deutsche aus der Zielgruppe von „RTL aktuell“ oder nicht weiß, wofür die Abkürzungen SPD oder DDR stehen, muss Angst um sein Bleiberecht haben. Heute kam es deswegen zu einer Großdemonstration mit ca. 2 Millionen Bundesbürgern in Berlin vor dem Bundeskanzleramt, bei der die Teilnehmer mit Plakaten wie „Nieder mit der erigierenden Oprigkeit“, „Weck mit dem Sheiss“ oder „Deutschlant für ale“ gegen die Gesetzesvorlage protestierten. Der Sprecher der Bewegung Mario Barth sagte zur aktuellen Lage: „Datt jeht doch nich! Die können mir doch nich alle meene Fans wegnehmen!“.

Auch in den Parteien regt sich die Angst, bei der nächsten Wahl für die Entscheidungen abgestraft zu werden. Auch die Kanzlerin und weithin als Mutter von Bastian „Schweini“ Schweinsteiger bekannte Angela „Angie“ Merkel fürchtet um ihre große Beliebtheit. Wenn es nur noch mündige und informierte Staatsbürger gäbe, müsse man das Wahlrecht ändern und nur noch die Industriebosse wählen lassen. Ein Reporter der BLÖD-Zeitung erkundigte sich bei Merkel, welche Auswirkungen das Gesetz auf den FC Bayern München hätte und ob ihr Sohn nicht um seinen Stammplatz fürchten müsse. Franz Beckenbauer äußerte sich in einem Fax mit „Jagut, äh!“. Es erwarten uns spannende politische Tage …

Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , , , , , , on Mittwoch, 9. Juli 2008 by mediensucht

Das filmgewordene Gemälde für alle Sinne

Zur Unterstützung ihrer Familie arbeitet die 17-jährige Griet (Scarlett Johansson) als Magd im kindereichen Haushalt des sensiblen, perfektionistischen Malers Johannes Vermeer (Colin Firth). Dessen Bilder lösen bei Griet Faszination aus. Vermeer ist von Griets nach außen schüchternen, aber aufgeschlossenen Wesen fasziniert. Aus dieser Beziehung entsteht nicht nur das berühmte Gemälde, sie führt auch zu Spannungen im Hause Vermeer …

Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ zählt neben „Ansicht von Delft“ oder „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ zu den bedeutendsten Werken von Jan (Johannes) Vermeer. Der am 31.10.1632 in Delft geborene Maler prägte das Goldene Zeitalter der Niederländischen Malerei entscheidend mit, auch wenn er, wie so viele, erst nach seinem Tod am 15.12.1675 gebührende Anerkennung fand. Über das Leben Vermeers ist wenig bekannt. So gut wie nichts weiß man über das Mädchen mit dem Perlenohrring, was Spekulationen freien Lauf lässt.

Das Drehbuch für den Film stammt von Olivia Hetreed, die den Roman von Tracy Chevalier adaptierte. Die Geschichte ist rein fiktiv (bis auf Grundbausteine wie Familienverhältnisse, historisches Umfeld usw.), könnte aber durchaus so stattgefunden haben. Chevalier hatte ein Poster vom Bild in ihrem Schlafzimmer hängen: Ich lag eines Morgens in meinem Bett, betrachtete das Gesicht des Mädchens und dachte plötzlich: „Was hat Vermeer nur getan, um sie zur selben Zeit so glücklich und traurig aussehen zu lassen?“ Innerhalb von drei Tagen hatte ich die gesamte Story ausgearbeitet. Es war gar nicht anstrengend, ich konnte alles in ihrem Gesicht sehen. Vermeer hatte die ganze Arbeit bereits für mich gemacht. (aus dem Film-Flyer)

Wie schon die Schriftstellerin sich nach dem Bild richtete, benutzten auch die Filmemacher Details dieses Bildes sowie auch andere Bilder von Vermeer als Grundlage für diesen Film. So ist der Film ein einziges „animiertes“ Gemälde Vermeers. Er ist detailgetreu ausgestattet und von Regie-Debütant Peter Webber und Kameramann Eduardo Serra so ausgeleuchtet und in Szene gesetzt, als würde man bei jeder Aufnahme ein Bild von Vermeer betrachten.

Die Handlung und Charakterisierung der Personen wirken oberflächlich betrachtet etwas seicht. Hier liegt die Faszination aber (und das ist das Schöne) im Detail. Die Beziehung zwischen Vermeer und Griet bleibt bis auf einige Berührungen zwar zurückhaltend, es ist aber in jedem Aufeinandertreffen durch die geschickte Inszenierung ein Knistern zu verspüren. Beide Charaktere wachsen durch diese Beziehung. Zu jedem Detail des Bildes wird eine Entstehungsgeschichte erzählt, was keine plumpe Abarbeitung ist, die Bilddetails ergeben sich vielmehr eher zufällig aus der Geschichte heraus. Die Geschichte lebt von den positiven wie auch negativen Spannungen aller handelnden Personen.

Die Charaktere sind ausgezeichnet besetzt, wobei natürlich Fräulein Johannson hervorzuheben ist, die nicht nur durch verblüffende Ähnlichkeit zum Mädchen auf dem Gemälde auffällt, sondern auch durch dezentes, aber tiefgründiges Spiel. Die Lebensumstände des 17. Jahrhunderts werden zwar dargestellt, das Allerübelste aber weggelassen, da es den malerischen Gesamteindruck nur trüben würde. Die anfänglich sehr schöne Musik von Alexander Desplat wirkt gegen Ende hin etwas eindimensional (Kleinigkeit!).

Am Schluss wird ausführlich das Originalgemälde von Vermeer gezeigt. Dies steht nicht im Widerspruch zum Film (man weiß ja, dass es zuvor ein Film war!), sondern ist nochmals, wie schon der Film, eine Hommage an das Können Vermeers und die Schönheit des Bildes. Man spart sich quasi den Museumsbesuch. Der Film ist wunderschönes Kino fürs Auge, besticht durch großen Detailreichtum und schöne Bilder, bietet durch spannende Charaktere und schöne Musik aber auch den anderen Sinnen etwas.

The Middleman

Posted in Serienjunkietum with tags , , , , , , , , , , , , , , on Sonntag, 6. Juli 2008 by mediensucht

Heute mache ich mal etwas, was ich sonst eigentlich nie mache, nämlich über eine Serie schreiben, die gerade einmal 3 Folgen vorweisen kann, weil sie ganz frisch angelaufen ist. Die Rede ist (nach dieser Überschrift völlig überraschend) von The Middleman, einer Comedyshow des US-Familiensenders ABC Family. Grundlage sind die Gaphic Novels (Viper Comics) gleichen Titels von Serien-Autor Javier Grillo-Marxuach (Lost, Medium, Charmed), der auch die Serie konzipierte. The Middleman ist eine wilde Mischung aus Men In Black, Austin Powers und Pushing Daisies, erstaunlich komplex und frech, die man auf einem solchen Sender eigentlich gar nicht erwartet.

Die wenig erfolgreiche Künstlerin Wendy Watson (Natalie Morales bekannt aus CSI: Miami) hangelt sich von einem miesen Job zum nächsten. Als sie bei einer Begegnung mit einem riesigen Schwabbelmonster erstaunlich cool bleibt, wird sie von einem mysteriösen Mann (Matt Keeslar), der sich nur „The Middleman“ nennt, als Spezialagentin rekrutiert. Als Team jagen sie fortan Bösewichter, Monster und durchgeknallte Wissenschaftler, die die Welt bedrohen. Das Ganze klingt nicht nur zufällig nach James Bond und Men in Black, die Referenzen sind klar. Matt Keeslar sieht aus wie eine Mischung aus Superman und dem berühmten Agenten der britischen Krone. Auch einen Q gibt es. „Er“ (Mary Pat Gleason) ist allerdings einer strickenden Hausfrau nicht unähnlich, ist mit allerlei Technik vollgestopft und hört auf den Namen „Ida“. Zu den festen Seriencharakteren gesellen sich noch Wendys umweltschützende Mitbewohnerin Lacey (Brit Morgan), Wendys nervende Mutter am Telefon, die ständig fragt, warum sie denn nichts aus ihrem Leben mache, Wendys Freund von der Filmhochschule, der wahrscheinlich nicht schwul ist, und der philosophierende Musiker Noser (Jake Smollet) im Flur vor der illegal untervermieteten Wohnung.

The Middleman ist ein Fest für den TV-verseuchten Serienfan. Nicht nur die oben genannten Filme werden zitiert, es gibt Unmengen von Referenzen an alte Serien und die gute alte Fernsehzeit. Wie schon bei Pushing Daisies gibt es auch hier technisch lang Vergessenes zu sehen. Beispielsweise fahren Wendy und der Middleman in alten Sportwagen vor einer Projektionswand (siehe die alten Bond-Filme oder die Batman-Serie). Das Ganze sieht dabei keineswegs billig aus. Man produziert mit viel Liebe zum Detail. Es wird Wert auf die handgemachte Ausstattung gelegt. Ein wichtiger Bestandteil einer Comedy-Serie ist natürlich der Humor. The Middleman kommt erstaunlich wortlastig daher. Dabei reiht sich ein Screwball-Dialog an den nächsten. Besonders witzig ist die altmodische und zynische Art des Middleman (Austin Powers lässt grüßen), aber auch Wendy gibt sich wunderbar sarkastisch. Für ausreichend skurrile Situationen wird selbstverständlich auch gesorgt (z.B. Affen mit Waffen).

Das vorliegende Konzept bietet also genügend Stoff für schräge Geschichten und einen unterhaltsamen Fortgang der Serie. Die Fragen sind natürlich, ob die Autoren das hohe Spaßniveau halten können und ob die Serie beim Zuschauer ankommt, von einer Chance auf eine deutsche Ausstrahlung mal ganz abgesehen. Ich zumindest war von den ersten drei Folgen äußerst positiv überrascht und wurde großartig unterhalten. The Middleman macht richtig Spaß! Deshalb, aber zunächst „vorerst“:

Update: Nach Ende von Staffel 1 klare