Cloverfield

Überraschungsparty

cloverfield.jpgWenn irgendwo ein Unglück passiert, stehen schon Augenblicke danach die Schaulustigen darum, um mit ihren Mobiltelefonen oder Videokameras das Geschehen zu dokumentieren. Vielleicht kann man mit den Aufnahmen etwas Geld „verdienen“. Nachdem einige Zeitungen und Fernsehsender sogar dazu aufrufen, lieber zu filmen als zu helfen und mit dem Offerieren von Geldbeträgen für die Filme eine neue Paparazzi-Generation fördern, braucht man sich nicht zu wundern, wenn plötzlich eine gute Aufzeichnung das eigene Überleben vergessen lässt. Diesen Gedanken im Hinterkopf zu behalten, hilft ungemein beim Verständnis von Cloverfield, basiert er doch auf dem imaginären Fund einer Videokassette, die Zeugnis einer Katastrophe ist.

In einer Zeit, in der wenig neu erfunden, aber viel aus alten Zeiten kopiert wird, setzt auch die Filmindustrie auf Altbewährtes. Produzent J.J. Abrams nahm sich mit Regiedebütant Matt Reeves des klassischen Monsterfilms an. Glücklicherweise beging er nicht den gleichen Fehler wie Roland Emmerich, der vor einigen Jahren mit Godzilla einen viel zu konventionellen und „klinisch sauberen“ Monsterfilm produzierte, dem es an jeglichem Reiz fehlte. Schon die Werbekampagne zu Cloverfield war interessant, wurden doch zunächst nur der Trailer und ein paar Videoschnipsel veröffentlicht, die Spekulationen und Diskussionen anheizten und das Projekt relativ schnell bekannt machten. Ein kleiner Hype entstand, der natürlich auch die Erwartungen wachsen ließ.

Das Konzept von Cloverfield ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Grundgedanke ist, dem Publikum das komplette, ungeschnittene Augenzeugenvideo eines Monsterangriffs vorzuspielen. Das enthält dann logischer Weise einiges Belangloses, dummes Herumgealbere, Langweiliges und Uninteressantes, aber eben auch die Aufzeichnung einer Katastrophe. Die Macher ziehen das Konzept klar durch. Das Video beginnt mit einer alten Aufzeichnung eines Liebespaares. Diese Aufzeichnung wird mit der Dokumentation einer Abschiedsparty für einen jungen Mann, der nach Japan verreist, überspielt. Die Anfangsminuten versuchen so etwas wie eine Realität zu schaffen, die dann jäh unterbrochen wird. Man gewöhnt sich an die Charaktere. Das Yuppiemilieu zielt sicher auf die Zielgruppe ab. Zudem ist es auch die Gruppe von Menschen, denen man das folgende, teils unverantwortliche Handeln am ehesten abnimmt. Auf wirkliche Sympathie kommt es hier nicht an.

Nach etwa 20 Minuten geht es dann richtig zur Sache. Das hohe Tempo wird bis auf kurze Verschnaufpausen bis zum Ende durchgehalten. Technisch ist Cloverfield perfekt in Szene gesetzt. Es wackelt zwar ungemein, die Effekte sind aber auf sehr hohem Niveau. Sitzt man in gutem Abstand zur Leinwand, ist man mitten im Geschehen. Sitz man zu nah an der Leinwand, ist mit Übelkeit zu rechnen.

Um seine Geliebte zu retten, versucht Rob (Michael Stahl-David) mit ein paar Freunden durch das Katastrophengebiet zu kommen. Immer mit dabei: Die Kamera … und das Monster! Hud (T.J. Miller), der eigentlich beauftragt wurde, die Abschiedsparty zu dokumentieren, sieht sich als wichtiger Augenzeuge und will das Geschehen unbedingt verewigen. Dass es dabei nicht immer mit der vermeintlichen Realität zugeht, ist fast zwangsläufig. Hier werden des Öfteren Spannung und Action über die Logik gestellt. Das ist manchmal sehr schade, weil es dem Fluss schadet.

Über den Titel Cloverfield gibt es viele Spekulationen. Einige behaupten, der Fußabdruck des Monsters sähe einem Kleeblatt ähnlich. Andere sagen, der Fundort (ein Kleefeld im Central Park) wäre namensgebend. Auch der Straßenname des Firmensitzes von Bad Robot (Produktionsfirma) in LA wurde als Erklärung genannt. Vielleicht war es auch der Name der Militäroperation gegen das Monster. Die Hauptsache ist aber, es wird über den Film geredet.

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Das Ende des Filmes ist relativ vorhersehbar – es ist nämlich offen. Das liegt zum einen daran, dass man so einen zweiten Teil drehen kann (die Verhandlungen laufen wohl schon), zum anderen bestimmt das Konzept einen gewissen Schluss. Das Videotape wurde gefunden, den Rest kann sich jeder Zuschauer selbst zusammenreimen.

Das Konzept des Monsterfilms als Augenzeugenvideo geht weitestgehend auf. Der Film ist spannend und unterhaltsam. Cloverfield spricht dabei eher Gefühle als Geist an. Eine tiefere Botschaft sucht man vergebens, sie ist aber auch kaum gewollt. Der Zweck heiligt oft die Mittel, so dass es doch einige Logikfehler zu bemängeln gibt, die den Filmgenuss etwas trüben. Insgesamt lohnt aber eine Sichtung. Genrefans dürften ihre Freude haben.

7/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)

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5 Antworten to “Cloverfield”

  1. […] Cloverfield Interessantes Konzept, dass m.E. auch recht ordentlich umgesetzt wurde. Ziemlich unterhaltsam, auch wenn einige Logikfehler schwer im Magen liegen. So 7/10. Siehe Kritik! […]

  2. was hat aladygma mit J.J. abrams zu tun und das befreiphone ????

  3. Keine Ahnung! Die Werbekampagne erinnert zumindest an der zu CLOVERFIELD. Vielleicht hilft das weiter. Dann gibt es noch so eine tolle neue Suchmaschine namens GOOGLE! 😉

  4. […] umgesetzt wurde. Ziemlich unterhaltsam, auch wenn einige Logikfehler schwer im Magen liegen. Siehe Kritik! So […]

  5. […] geschafft, hält sich aber für eine Hollywoodinsiderin. Die hübsche Casey (Lizzy Caplan – Cloverfield) hat Probleme mit ihrem Mann und neigt zu köstlichem Sarkasmus. Dann gibt es noch den Macho Kyle […]

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