Archiv für Cate Blanchett

The Aviator

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , , , , , , , , , on Freitag, 6. Juni 2008 by mediensucht

Howard Hughes – Hollywoodgröße, Flugpionier und … psychisch Kranker. Eigentlich ein typischer Amerikaner. Wieder ist es Martin Scorsese, der sich eines Teils der amerikanischen Geschichte annimmt, wie er es schon in GOODFELLAS, CASINO oder GANGS OF NEW YORK machte. Und wieder kämpft sein Held nicht nur gegen die Institutionen und die Konkurrenz, sondern auch gegen sich selbst. Die Geschichte von Hughes ist nicht die eines Tellerwäschers zum Millionär. Hughes erbte mit 18 Jahren die Firma seines Vaters. Doch war er in dem, was er seither anfasste, immer Visionär. Seine Interessen galten dem Film und dem Fliegen. Er drehte ungeheuer aufwändige Filme, aber auch (sexuell) provokante Streifen und machte so von sich reden. Auch beim Flugzeugbau war er an der Entwicklung neuer Techniken und dem Brechen von Rekorden beteiligt. Doch Genie und Wahnsinn liegen, wie auch in diesem Fall, nah beieinander. Hughes wird immer mehr von Phobien (Reinheitsfimmel, …) heimgesucht und schattet sich zunehmend von der Umwelt ab.

Einem Amerikaner wird der Name Howard Hughes ein Begriff sein, dem gewöhnlichen Europäer ist er wohl weniger geläufig. Gut, dass Hollywood in letzter Zeit auf einem Biopic-Trip ist und uns einige interessante Persönlichkeiten näher bringt. Im Speziellen sind die Initiatoren eben jener Scorsese, Drehbuchautor John Logan (GLADIATOR, LAST SAMURAI) und die Produzenten Leonardo DiCaprio und Michael Mann, der wegen seiner Biopic-Vergangenheit (ALI) den Regiestuhl weitergab. Als Howard Hughes erleben wir dann auch Leonardo DiCaprio in einer seiner besten Rollen. Er war es, der vor acht Jahren die Idee zum Film hatte und hat sich dementsprechend gut auf die Rolle vorbereitet. Dennoch ließ er sich von Scorsese, sozusagen seinem Hauslehrer, führen, um eine zurecht bepreiste Glanzleistung zu vollbringen. Einen (für mich) großartigen Part hat Cate Blanchett als Katharine Hepburn. Nicht auszudenken, wenn doch die vorgesehene Nicole Kidman die Rolle genommen und sich nicht für DIE FRAUEN VON STEPFORD entschieden hätte. Für Kidman im Nachhinein natürlich dumm, m.E. passt Cate als Kate hier aber wesentlich besser. Und sie wird auch sensationell von Scorsese mit einem Golfspiel eingeführt. Nun kenne ich die private Hepburn nicht und manche werfen Blanchett auch Overacting vor. Mir hat ihr Auftritt glänzend gefallen! Kleine amüsante Nebenrollen haben Gwen Stefani als Jean Harlow und Jude Law als Errol Flynn, in denen sie auf Grund der Kürze der Zeit aber nicht herausstechen können.

Handwerklich ist der Film, wie nicht anders zu erwarteten, Kino vom Feinsten. Nicht nur die beeindruckende Optik besticht. Dante Ferretti (GANGS OF NEW YORK, COLD MOUNTAIN) durch seine imposanten Bauten und Sandy Powell (SHAKESPEARE IN LOVE) mit den zeitnahen Kostümen machen Eindruck. Auch Scorsese weiß seine Protagonisten und deren Umfeld in „endlosen“ Einstellungen (ohne Schnitt) wunderbar ins Bild zu setzen. Dieses Mal arbeitete das „Regie-Wunderkind“ nicht mit Stamm-DOP Michael Ballhaus zusammen, sondern mit Robert Richardson (KILL BILL). Geschadet hat es nicht – im Gegenteil. Neben den logistisch schwierigen langen Einstellungen sind auch die Flugszenen sehr gut gelungen und beeindrucken, wie damals wahrscheinlich „Hells Angels“, der erste Howard Hughes-Film. Auch Actionfans wird etwas geboten. Ein Flugzeugabsturz wurde imposant durch die Special-Effect-Abteilung (Sony) verarbeitet. Interessant ist die Farbgebung des Films, die sich der realen Entwicklung des Farbfilms zu der Zeit anpasst.

Der Film beginnt mit einem Bad des kleinen Howard, dem Waschen durch seine Mutter und ihrem Gespräch dabei. Es ist allerdings die einzige Szene, in der Scorsese etwas Psychoanalyse betreibt. Sonst beschränkt er sich mehr auf das Zeigen von Ereignissen und der Auswirkungen der Krankheit von Hughes. So erfährt der Zuschauer leider kaum etwas über die Hintergründe der Krankheit und auch wenig über den Charakter von Howard Hughes. Das, was allerdings gezeigt wird, ist erstklassig umgesetzt. Ob es die schon erwähnten Flugszenen, das Ausleben der Neurosen von Hughes (sehr nahe gehend ist beispielsweise die Wirkung von Blitzlichtgewitter) oder die Anhörung vor dem Senat. Bestes Kino! Das weniger interessante Ende vom Helden bleibt uns übrigens wie schon in RAY verborgen.

Mir hat der Film bis auf Kleinigkeiten sehr gut gefallen. Es handelt sich um einen ausgezeichnet gemachten, typischen Scorsese-Film mit interessanter Handlung und gut aufgelegten Darstellern, was ihn äußerst kurzweilig und faszinierend macht. Deshalb fast perfekte

9/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)

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Elizabeth – The Golden Age

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , , , on Dienstag, 11. Dezember 2007 by mediensucht

Lizbeth – The Show

Elizabeth – Das goldene Königreich ist die Fortsetzung des Films Elizabeth aus dem Jahr 1998. Es lohnt durchaus, diesen Fakt im Hinterkopf zu behalten. Nicht nur thematisch wurde der Film fortgeführt, ein Großteil der Crew war auch wieder beteiligt. Michael Hirst werkelte am Drehbuch und Shekhar Kapur führte erneut Regie. Elizabeth (Teil 1) wurde für die beeindruckende Ausstattung und die großartigen Schauspielleistungen gelobt und ausgezeichnet, für den ungenauen Umgang mit der Vergangenheit aber gescholten. Nimmt man sich nun bei der Fortsetzung der Kritik an und versucht sich an einem genaueren Abbild der Geschichte? Oder greift man die damalige Idee, die Personen mit ihren Motivationen und Gefühlen in den Mittelpunkt zu stellen, wieder auf und baut sie aus? Man hat sich für Letzteres entschieden. Für mich ist dieser Ansatz auch völlig nachvollziehbar. Wer pure Geschichte will, schaue in ein Lexikon. Es kann nicht Aufgabe eines Films sein, das nachzuholen, was Lehranstalten verpassten. Der Film sollte vielmehr seine Eigenheiten nutzen, Interesse wecken, interpretieren und unterhalten.

Man hielt sich also wiederum nur grob an die geschichtlichen Ereignisse. Im Mittelpunkt steht Elizabeth I., die nach gelungener Inthronisierung ihre Macht gegen innere und äußere Feinde erhalten muss. Im Land wird die Königin durch ein Komplott der Katholiken bedroht, die ihre Königin Mary Stuart auf den Thron bringen wollen. Den Spaniern unter König Phillip II. steht der Sinn nach Krieg und Unterwerfung. Zudem ist die „jungfräuliche“ Königin auf der Suche nach einem Mann, um für die Thronfolge zu sorgen und ihr Image aufzubessern. Ihr Augenmerk fällt auf Sir Walter Raleigh, dessen niederer Stand aber eine Beziehung verbietet.

Cate Blanchett ist Elizabeth I.. Ich kann mir nicht vorstellen, das der Film ohne eine so ausdrucksstarke und markante Schauspielerin funktioniert hätte. Blanchetts Elizabeth schwankt in ihren Gefühlen zwischen Selbstmitleid, Trotzigkeit, Zweifel, Ehre, Liebe und Kraft. Es ist eine großartige One-Woman-Show, die selbst gestandene Schauspieler wie Geoffrey Rush (Sir Francis Walsingham) oder Clive Owen verblassen lässt. Letzter mag auf den ersten Blick etwas deplaziert in der Rolle des Seeräubers und Eroberers Raleigh wirken, zeigt aber wiederum die Prioritäten, die die Filmmacher setzten. Es geht eben nicht um ein historisches Abziehbild der Person, sondern um die Wirkung der Person auf die Königin. Und hier passt Owen ausgezeichnet. In Nebenrollen sind Samantha Morton (Mary), Rhys Ifans und Tom Hollander zu sehen. Nur die Rolle des königlichen Verehrers Georg von Helfenstein hätte man mit einen deutschsprachigen Schauspieler besetzen können. Das Deutsch von Robert Cambrinus klingt erbärmlich.

Beim Thema Ausstattung überbietet der Film nochmals seinen Vorgänger. War Teil 1 schon prächtig ausgestattet, handelt es sich nun um eine Ausstattungsorgie. Die Kostüme sind noch prachtvoller und vielseitiger, die Bauten pompöser, die Landschaften fantastischer. Auch die spanische Flotte weiß zu beeindrucken. Ein Großteil wird dabei sicher den Hirnen von CGI-Künstlern entsprungen sein, was aber keineswegs als Negativpunkt zu sehen ist. Technisch ist der Film fast perfekt. Kameramann Remi Adefarasin war wohl früher einmal Bergsteiger. Er setzt sich zumindest gern in luftige Höhe, um einige Aufnahmen zu machen. Insgesamt sind es schöne Einstellungen – eine wunderbar bewegliche Kamera. Die ziemlich dick aufgetragene Musik fügt sich prima ins Gesamtwerk der großen Elizabeth-Show ein.

Im Zentrum stehen immer wieder Szenen, die weniger Geschichte sondern Gefühl und Intention erzählen sollen. Die Hinrichtung Mary Stuarts beispielsweise mag historisch sogar relativ korrekt dargestellt sein, die Kamera interessiert sich aber mehr für das Gesicht von Samantha Morton. Nicht ganz so geschichtlich korrekt sind die Handlungen von Raleigh. Er verleitet aber die Königin zu außergewöhnlichen Gefühlsregungen. Außerdem dient seine Figur als Showelement. Und diese Show steht genau im Mittelpunkt. So mögen einige Szenen vielleicht übertrieben wirken, für mich ging dieses Showkonzept aber auf, denn damit setzt sich der Film wunderbar vom üblichen Einheitsbrei der Historienfilme ab.

Elizabeth – Das goldene Königreich glänzt wiederum mit einem Bombast an Ausstattung und Schauspielkunst. Der Film setzt in seinen historischen Bonbonladen seine Hauptfigur in den Mittelpunkt und unterwirft ihr alles. Wer mal wieder einen großen Kostümschinken sehen will, wird mit dem Film ausgezeichnet bedient. Als historischer Lehrfilm taugt er dagegen nur bedingt.

7/10 Pillen zur Entwöhnung

(Besprechung bezieht sich auf die OV)

(auch auf kino.de)