Von Löwen und Lämmern

Die USA steckt momentan in einer politischen Krise … nein, halt! Ist es eine politische Krise, wenn die Amerikaner wieder über sich selbst reflektieren, das Handeln der herrschenden Kräfte hinterfragen, Interesse an Ihrem wahren Bild nach außen haben? Schnell wird bei Kritik immer nach Anti-Amerikanismus gerufen, doch ist es nicht überaus patriotisch, sich um das eigene Land zu sorgen und die Zustände verbessern zu wollen?

Ernsthafte USA-kritische Filme gab es schon immer. Uns allen sind auch noch die selbstverliebten Filme eines Michael Moore in Erinnerung, der in schöner Schwarz-Weiß-Malerei ein recht eigenartiges Bild der vereinigten Staaten zeichnete. Nun kommen demnächst äußerst kritische Filme von der sogenannten „Intelligenz“ in die Kinos. Ein Erster ist Von Löwen und Lämmern von Robert Redford.

Es mag einfach erscheinen, in Zeiten schlechter Umfragewerte für die aktuelle Regierung einen Film zu drehen, der sich die Probleme selbiger zum Thema nimmt. Recht günstig erweist sich auch der Umstand, dass aktuell anlaufende kritische Filme traditionell besonders gute Chancen bei der Academy (of Motion Picture Arts and Sciences) haben, die Anfang nächsten Jahres die Oscars vergibt. Solche Hintergedanken möchte ich Redford aber nicht vorwerfen, vielmehr meine Anfangsüberlegung fortführen. Redford war schon immer ein zeitkritischer, linksliberaler Geist, der sich auch für die Rechte der Ureinwohner Amerikas und den Umweltschutz stark machte. So ist es nicht erstaunlich, das Redford den Anfang der kritischen Filme (Redacted, Rendition) zur Problematik im nahen Osten macht.

Von Löwen und Lämmern ist kein Reißer, sondern eine präzise Studie der aktuellen politischen Situation in den USA. Man könnte fast von einem Kammerspiel sprechen. Redford erzählt drei Geschichten, die miteinander verbunden sind und zeigt so die Auswirkungen der aktuellen Politik auf verschiedene Bereiche der Bevölkerung. Da ist der Senator (Tom Cruise) und die Reporterin (Meryl Streep): Er versucht die Krise mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln (Militär) zu lösen und es, mit dem Gedanken an die nächste Wahl, über die Presse der Bevölkerung zu verkaufen. Dieser Teil war für mich der interessanteste. Beeindruckend, wie viele Aspekte hier angesprochen werden. Eine Wertung gibt Redford nur dezent. Auch maßt er sich nicht an, die genauen Gründe für die Misere im nahen Osten zu liefern. Das für mich entscheidende Thema Waffenlobby wird erst gar nicht erwähnt. Redford zeigt aber auf faszinierende Weise, wie die Politik und das Zusammenspiel mit den Medien gerade funktionieren (Abhängigkeiten).

Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Soldaten (und damit auf die untere Schicht der Bevölkerung) thematisiert Redford in einem zweiten Erzählstrang. Hier kommt auf recht einfache Weise die Hilflosigkeit bzw. Abhängigkeit des Militärs von der Politik zum Ausdruck. Redford hütet sich auch hier vor klaren Schuldzuweisungen.

Es ist bis dahin ein recht düsteres Bild, das Redford hier malt. Im dritten Erzählstrang gibt er aber Hoffnung. Wie sieht es im Seelenleben der „Intelligenz“ an den Universitäten der USA aus? Redford sieht es als seine Aufgabe an, der Resignation entgegen zu wirken und anzupacken. Und hier sind wir wieder bei einem ur-amerikanischen Thema. Genau diese Einstellung hat Amerika stark gemacht und wird es aus der Krise bringen. So ist Von Löwen und Lämmern ein überaus patriotischer Film – und zwar in positivem Sinne!

8/10 Pillen zur Entwöhnung

(für kino.de)

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5 Antworten to “Von Löwen und Lämmern”

  1. Für mich ist der Film eher ein Zeichen tiefer Hilflosigkeit, wie es in den USA weitergehen soll. Redford zeigt durch Cruise die zynische Machtelite und durch sich selbst den Amerikaner alter schule, der nicht mehr weiter weiß. Und der Tod seiner beiden Studenten im afghanischen Schnee ist ein düsteres Symbol von Hoffnungslosigkeit. Mehr:

    http://www.blogsgesang.de/2007/11/28/hollywood-streikt/

  2. @ blogsgesang

    Klar ist der Film ein Zeichen tiefer Hilflosigkeit, aber wie bereits geschrieben, sehe ich den dritten Erzählstrang um den Proffessor als Hoffnungsschimmer. Am Anfang der Lösung eines Problem steht doch immer die Erkenntnis. Redford zeigt natürlich noch keine fertigen Lösungen, er bietet aber Lösungsansätze. Und das rechne ich ihm schon an!

  3. Fand den Film so lala, Redford erzählt seinem Zuschauer nichts, was dieser nicht bereits wüsste. Zumindest trifft dies auf Europäer zu, und bei Amerikanern bezweifel ich, dass sich die Personen, an die der Film gerichtet ist, sich diesen überhaupt ansehen. In der Schule wäre das „Thema verfehlt“ – naja.

  4. Rudi, was ist denn das Thema? Ich sage ja ausdrücklich am Ende, dass der Film zwar ein düsteres Bild malt, er aber auch Hoffnung gibt. Ich würde zudem nicht behaupten wollen, dass nicht doch einige Amerikaner der „Zielgruppe“ den Film angesichts der Starpower sieht. Mir ist nicht klar, was der Film vür „uns“ Neues erzählen soll. Klar wissen wir etwas über das Thema. Im Kino zählt aber die Aufbereitung eines Themas. Da könnte man sich ja jede Literaturverfilmung sparen, weil man den Inhalt schon kennt. Wenn Dir die Aufbereitung des Themas durch Redford nicht gefällt, bitte. Ich fand’s gut.

  5. Bei einer Literaturverfilmung will ich ja die Umsetzung einer Geschichte sehen, Redford hingegen lässt seine Stars einfach Thesen und Fakten raushausen. „Jeder einzelne kann etwas bewirken“, Kriegspropaganda, Studenten die ihren Teil dazu beitragen wollen. Ich selbst fand das sehr langweilig, bin aber auch die Ausnahme, die Mehrheit hat den Film ja sehr gut aufgenommen.

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