Archiv für Clive Owen

Children Of Men

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , on Mittwoch, 26. März 2008 by mediensucht

Da ich mit King Kong gerade bei Lieblingsfilmen bin, möchte ich allen, die ihn noch nicht gesehen haben, einen Film aus dem Jahr 2006 empfehlen: Children Of Men

Circus Maximus

children_of_men0.jpgAb und zu – und in letzter Zeit leider viel zu selten – passiert es, dass man aus dem Kino kommt und dieses Gefühl hat, das wohl ein Kind nach seinem ersten Zirkusbesuch haben sollte – zumindest in unserer Klischeevorstellung. Es ist ein Gefühl aus Staunen, teils aus Furcht (vor den Raubtieren etwa), teils aus Entzückung, das gerade eben Dargebotene noch nie zuvor so gesehen zu haben. So ein Gefühl ist in der heutigen Zeit mit ihrer Flut an Eindrücken aus den Massenmedien sicherlich nur noch schwer zu erzeugen, doch ab und zu gibt es Lichtblicke und The Children of Men von Alfonso Cuarón ist einer davon.

Cuarón wirft den Zuschauer augenblicklich ins Geschehen, ohne sich mit langen Erklärungen aufzuhalten. Er präsentiert ihm die wissenswerten Einzelheiten über Zeit, Ort und Lebensumstände der Menschen so nebenbei, gewissermaßen im Vorübergehen (und das ist wörtlich zu nehmen). So ist der Zuschauer sofort in der Geschichte involviert, wird gezwungen auf Details am Rande zu achten, um zu verstehen – eigentlich ein einfacher Trick, um die Konzentration des Zuschauers zu fordern.

Schon die erste Szene mit ihrem kleinen Schockmoment macht dem Zuschauer klar, wir befinden uns in naher Zukunft, die Zeiten sind rau geworden. Die Menschheit ist aus ungeklärten Gründen zeugungsunfähig geworden, das Chaos ist ausgebrochen, nur in England herrscht „dank“ rigoroser Einwanderungspolitik eine vage Ordnung. Theo (Clive Owen) versucht dank einigermaßen geregelter Arbeit mit den Umständen zurecht zu kommen, wird aber mehr oder weniger zufällig mit einer Aufgabe betraut, die quasi lebenswichtig ist – für die ganze Menschheit!

Die (zumindest für mich) schon sehr interessante Geschichte ist bei einem guten Film die eine Sache. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die filmische Umsetzung. Hier setzt Cuarón Maßstäbe. Ich muss zugeben, dass ich eine solch brillante Arbeit seit langem nicht gesehen habe. Cuarón bzw. Bildgenie Emmanuel Lubezki ist mit der Kamera hautnah bei den Protagonisten. Es gibt duzende Szenen, die den Zuschauer direkt am Geschehen teilhaben lassen, ihn aufsaugen. Dabei nervt Cuarón nicht etwa mit übermäßig eingesetzter Wackelkamera, seine Kamera ist vielmehr permanent in Bewegung. Die Einstellungen sind teilweise endlos (ohne Schnitt). Oft ist mir der Mund offen geblieben vor Erstaunen, wie eine Szene wohl so umgesetzt werden konnte. Die Action ist teils hart und überraschend, sie macht einem regelrecht Angst. Insgesamt reiht sich fast eine beeindruckende Szene an die andere.

Fast nebensächlich mutet da die Feststellung an, dass sich auch die Schauspielerleistungen sehen und der Soundtrack hören lassen kann. Clive Owen als gehetzter und zweifelnder Held brilliert zum wiederholten Mal. Die Nebenrollen sind hochkarätig besetzt (Julianne Moore, Michael Caine). Der Score ist immer unterstützend und nie nervend, die eingesetzten Songs bieten kleine psychologische Oasen der Erholung.

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In meiner Schwärmerei bin ich geneigt, mehr vom Inhalt preiszugeben, mir juckt es in den Fingern, einzelne brillante Szenen zu beschreiben. Da dies aber eine einigermaßen spoilerfreie Werbung für den Film sein soll, ende ich mit der Aufforderung: Schaut Euch diesen Film (auf DVD) an und verpasst nicht eines der beeindruckendsten Filmerlebnisse des Jahres 2006! Willkommen im Circus Maximus!

10/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)

Elizabeth – The Golden Age

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , , , on Dienstag, 11. Dezember 2007 by mediensucht

Lizbeth – The Show

Elizabeth – Das goldene Königreich ist die Fortsetzung des Films Elizabeth aus dem Jahr 1998. Es lohnt durchaus, diesen Fakt im Hinterkopf zu behalten. Nicht nur thematisch wurde der Film fortgeführt, ein Großteil der Crew war auch wieder beteiligt. Michael Hirst werkelte am Drehbuch und Shekhar Kapur führte erneut Regie. Elizabeth (Teil 1) wurde für die beeindruckende Ausstattung und die großartigen Schauspielleistungen gelobt und ausgezeichnet, für den ungenauen Umgang mit der Vergangenheit aber gescholten. Nimmt man sich nun bei der Fortsetzung der Kritik an und versucht sich an einem genaueren Abbild der Geschichte? Oder greift man die damalige Idee, die Personen mit ihren Motivationen und Gefühlen in den Mittelpunkt zu stellen, wieder auf und baut sie aus? Man hat sich für Letzteres entschieden. Für mich ist dieser Ansatz auch völlig nachvollziehbar. Wer pure Geschichte will, schaue in ein Lexikon. Es kann nicht Aufgabe eines Films sein, das nachzuholen, was Lehranstalten verpassten. Der Film sollte vielmehr seine Eigenheiten nutzen, Interesse wecken, interpretieren und unterhalten.

Man hielt sich also wiederum nur grob an die geschichtlichen Ereignisse. Im Mittelpunkt steht Elizabeth I., die nach gelungener Inthronisierung ihre Macht gegen innere und äußere Feinde erhalten muss. Im Land wird die Königin durch ein Komplott der Katholiken bedroht, die ihre Königin Mary Stuart auf den Thron bringen wollen. Den Spaniern unter König Phillip II. steht der Sinn nach Krieg und Unterwerfung. Zudem ist die „jungfräuliche“ Königin auf der Suche nach einem Mann, um für die Thronfolge zu sorgen und ihr Image aufzubessern. Ihr Augenmerk fällt auf Sir Walter Raleigh, dessen niederer Stand aber eine Beziehung verbietet.

Cate Blanchett ist Elizabeth I.. Ich kann mir nicht vorstellen, das der Film ohne eine so ausdrucksstarke und markante Schauspielerin funktioniert hätte. Blanchetts Elizabeth schwankt in ihren Gefühlen zwischen Selbstmitleid, Trotzigkeit, Zweifel, Ehre, Liebe und Kraft. Es ist eine großartige One-Woman-Show, die selbst gestandene Schauspieler wie Geoffrey Rush (Sir Francis Walsingham) oder Clive Owen verblassen lässt. Letzter mag auf den ersten Blick etwas deplaziert in der Rolle des Seeräubers und Eroberers Raleigh wirken, zeigt aber wiederum die Prioritäten, die die Filmmacher setzten. Es geht eben nicht um ein historisches Abziehbild der Person, sondern um die Wirkung der Person auf die Königin. Und hier passt Owen ausgezeichnet. In Nebenrollen sind Samantha Morton (Mary), Rhys Ifans und Tom Hollander zu sehen. Nur die Rolle des königlichen Verehrers Georg von Helfenstein hätte man mit einen deutschsprachigen Schauspieler besetzen können. Das Deutsch von Robert Cambrinus klingt erbärmlich.

Beim Thema Ausstattung überbietet der Film nochmals seinen Vorgänger. War Teil 1 schon prächtig ausgestattet, handelt es sich nun um eine Ausstattungsorgie. Die Kostüme sind noch prachtvoller und vielseitiger, die Bauten pompöser, die Landschaften fantastischer. Auch die spanische Flotte weiß zu beeindrucken. Ein Großteil wird dabei sicher den Hirnen von CGI-Künstlern entsprungen sein, was aber keineswegs als Negativpunkt zu sehen ist. Technisch ist der Film fast perfekt. Kameramann Remi Adefarasin war wohl früher einmal Bergsteiger. Er setzt sich zumindest gern in luftige Höhe, um einige Aufnahmen zu machen. Insgesamt sind es schöne Einstellungen – eine wunderbar bewegliche Kamera. Die ziemlich dick aufgetragene Musik fügt sich prima ins Gesamtwerk der großen Elizabeth-Show ein.

Im Zentrum stehen immer wieder Szenen, die weniger Geschichte sondern Gefühl und Intention erzählen sollen. Die Hinrichtung Mary Stuarts beispielsweise mag historisch sogar relativ korrekt dargestellt sein, die Kamera interessiert sich aber mehr für das Gesicht von Samantha Morton. Nicht ganz so geschichtlich korrekt sind die Handlungen von Raleigh. Er verleitet aber die Königin zu außergewöhnlichen Gefühlsregungen. Außerdem dient seine Figur als Showelement. Und diese Show steht genau im Mittelpunkt. So mögen einige Szenen vielleicht übertrieben wirken, für mich ging dieses Showkonzept aber auf, denn damit setzt sich der Film wunderbar vom üblichen Einheitsbrei der Historienfilme ab.

Elizabeth – Das goldene Königreich glänzt wiederum mit einem Bombast an Ausstattung und Schauspielkunst. Der Film setzt in seinen historischen Bonbonladen seine Hauptfigur in den Mittelpunkt und unterwirft ihr alles. Wer mal wieder einen großen Kostümschinken sehen will, wird mit dem Film ausgezeichnet bedient. Als historischer Lehrfilm taugt er dagegen nur bedingt.

7/10 Pillen zur Entwöhnung

(Besprechung bezieht sich auf die OV)

(auch auf kino.de)