Bahn-Streik als Mittel zum Zweck

Die in der Gewerkschaft GDL organisierten Lokführer wollen mehr Gehalt und die Führung der Deutschen Bahn stellt sich quer. Es gibt Streik. Aber was sind die Gründe? Ich denke, hinter dieser Aktion versteckt sich die Autoindustrie. Dafür gibt es gleich mehrere Hinweise.

Die von der Autoindustrie gesteuerte Bahn hat einen Plan. Durch schlechten Service und überteuerte Fahrpreise versucht sie ihre Kunden zum Umstieg auf das Auto zu zwingen. Da aber immer noch zu viele Menschen mit der Bahn fahren, müssen drastischere Maßnahmen gestartet werden. Das Umfeld macht mit. Der Lokführergewerkschaft fällt urplötzlich ein, dass sie in den vergangenen Jahren gepennt hat. Nun muss die Lohnerhöhung auf einen Schlag her. In geheimer Absprache mit der Bahnführung wurde ein wochenlanges Hin und Her vereinbart. Durch Streiks sollen die Kunden nun endgültig ins Auto gezwungen werden.

Nun könnte man behaupten, dass die Autoindustrie auch Schaden durch die Streiks nimmt. Die kleinen Produktionsausfälle muten jedoch wie Kollateralschäden an. Der Zugewinn beim Autoverkauf wird ein wesentlich höherer sein. Zudem kann man das Rückfahren der momentanen Überproduktion bequem auf den Streik schieben.

Die Aktionen der Bahn vor dem Streik waren auch schon beeindruckend. Ein beliebtes Mittel schienen Baumaßnahmen zu sein, die sich ewig hinzogen. Es wurden Ersatzfahrpläne konstruiert, die garantiert nicht eingehalten werden konnten. Die Menschen, die in gutem Glauben an den Fahrplan eine Bahnfahrt riskierten, mussten auf kalten Bahnsteigen warten. So sollte jedem Kunden klar gemacht werden, dass es im Auto zwar auch Wartezeiten im Stau geben konnte, diese im Schnitt aber kürzer wären und weit weniger gesundheitsgefährdend.

Nachdem ich vor einigen Wochen das Glück hatte, an solch einer Aktion teilzunehmen, musste ich meiner Freude Ausdruck verleihen und mich bei der Bahn (hier: Berliner S-Bahn) bedanken:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihre Aktion „Runter von der Schiene, rein ins Auto“ ist ein voller Erfolg. Ich habe es gestern (…) selbst erfahren dürfen. Sie haben zwischen Greifswalder Straße und Treptower Park Pendelverkehr eingerichtet, der sich dank brillanter Planung auf das ganze Berliner S-Bahn-Netz auszuwirken scheint. Ich wollte eigentlich nur von Pankow-Heinersdorf ab 22:07 Uhr zur Greifswalder Straße fahren, wäre also vom Pendelverkehr gar nicht betroffen, kam dort aber mit einer knappen halben Stunde Verspätung an. Die nur bis zur Schönhauser Allee fahrende S8 wartete ersatzplanmäßig Bornholmer Straße 4 Minuten länger, damit der Fahrgast auf dem Bahnhof Schönhauser Allee die maximale Wartezeit von 9 Minuten hat, um weiter zu fahren. Glücklicherweise sind S-Bahnen ja selten pünktlich, so dass die S8 schon vor dem Bahnhof 10 Minuten auf den Gegenverkehr warten musste. Der geplante Zug S41 zur Greifswalder Straße hatte dann ebenfalls Verspätung, so dass er schon ab Schönhauser Allee zurück in Richtung Gesundbrunnen geschickt wurde. Damit kamen nochmals 10 Minuten Wartezeit dazu. So habe ich meine Anschluss-Tram auch noch verpasst. Sensationell! Dass nenne ich doch „flexibel“, so aus dem Nichts Wartezeit zu zaubern! In anderen service-orientierten Unternehmen würden solche brillanten kundenfeindlichen Organisationstalente sofort entlassen, die S-Bahn GmbH gibt ihnen aber eine Chance. Das ist sehr sozial! Da Lebenszeit nicht mit Spritkosten aufzuwiegen ist, werde ich zukünftig das Auto benutzen. Freuen Sie sich, dass sie wieder einen Kunden auf die Straße gebracht haben. Noch einen Tipp: Im kalten Winter oder nassen Herbst holen sich die Kunden gern eine Erkältung, wenn sie auf Bahnsteigen warten müssen, anstatt im warmen Auto zu sitzen: Das ist Ihre Chance! Nochmals Gratulation zur Aktion! Mit freundlichen Grüßen

Mediensucht Weblog

Der Erfolg der Aktion schien enorm gewesen zu sein, so dass sie letzte Woche wiederholt wurde. Dieses Mal waren die enormen Wartezeiten schon im Ersatzfahrplan einberechnet, um nochmals durch die Realität übertroffen zu werden.

Ich bin gespannt, was sich die Autoindustrie und ihre Untertanen (DB, GDL, Politiker) demnächst noch einfallen lassen. Es wird eine ereignisreiche Zeit: „Fahre Bahn und Du erlebst etwas!“. Wenn das mal nicht nach hinten losgeht und zu Streiktourismus führt. Arme Autoindustrie! 😉

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