Archiv für Eric Bana

Star Trek (2009)

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , , , , , , on Dienstag, 12. Mai 2009 by mediensucht

Star-Trek-1Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er gewöhnt sich an so ziemlich alles. Der Kinozuschauer muss neuerdings immer mehr schlechte Filme ertragen (Frühjahrsloch?), darum soll es hier aber zum Glück nicht gehen. Kinofilmserien sind eher selten. In den letzten Jahren gab es davon eigentlich nur zwei. James Bond steht schon seit den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts in über 20 Filmen seinen Mann. Ende der 70er hatte dann Star Trek: Der Film Premiere. Die auf einer Fernsehserie basierende Reihe brachte es mit größeren Pausen auf 10 Filme. Bei Paramount hatte man sich an die Einnahmen aus den Star Trek-Filmen und den Serien gewöhnt. Nachdem aber die Prequel-Serie Enterprise trotz guter Qualität im TV scheiterte und die „Nächste Generation“ im Kino schon zu alt war, entschied man bei Paramount, ausgerechnet dem „Serientäter“ J.J. Abrams, der zuvor eigentlich mit Star Trek nichts am Hut hatte, das Heft in die Hand zu geben. Wie bei Bond dachte man an ein Prequel, frei nach dem neuerdings modernen Rezept: Wie alles begann …!

Es ist ein großer Vorteil der Produktionen aus Amerika, dass man, wenn einmal Malz und Hopfen verloren sind, gern etwas riskiert, um den Karren aus dem Dreck zu holen. Abrams bekam weitestgehend freie Hand. Seine Drehbuchautoren schrieben eine Paramountvorlage nach Abrams Wünschen um. Aus Sorge vor unfreiwilliger Komik sollte echter Humor ein Bestandteil werden. Um eine gute Portion Action muss man sich bei Abrams sowieso keine Sorgen machen. Bei den Hauptrollen entschied man sich gegen die großen Namen (Matt Damon war einmal als Kirk im Gespräch) und für größere Ähnlichkeit zu den Originalcharakteren. Ganz unbekannt sind die Schauspieler aber nicht, die wir auf der Leinwand zu Gesicht bekommen. Man griff beispielsweise im Pool der Seriendarsteller zu. Heroes-Bösewicht Zachary Quinto kommt nicht nur einem jungen Spock sehr nahe, er hat auch kaum noch etwas mit dem Heroes-Monster Sylar gemeinsam. Herr der Ringe-Eomer Karl Urban spielt „Pille“-McCoy, Shaun of the Dead Simon Pegg gibt den Scherzkeks Scotty, House-Blondine Jennifer Morrison gebärt als Kirks Mutter. Als letzter Posten wurde Chris Pine (debütierte in Emergency Room) als Kirk gecastet, der seine Sache ordentlich macht. Neben Leonard Nimoy, der eine kleine Rolle als alternder Spock hat, ist Eric Bana als Bösewicht Nero der einzige große Name des Ensembles.

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Die Geschichte an sich ist eine typische Sciencefictionstory mit den fast schon üblichen Raum-Zeit-Spielereien. Das Schöne ist aber, dass sich Abrams neben all der für Star Trek fast schon unüblichen Action Zeit für seine Charaktere nimmt. Zwar kann nicht jedes Mitglied der Crew ausführlich beleuchtet werden, doch gerade Kirk und Spock kommen dem Zuschauer erstaunlich nahe. Natürlich gibt es noch ausreichend Raum für Fortsetzungen. Die Mischung stimmt hier aber schon hervorragend. Dialoge und Actionszenen sind ausgezeichnet getimt. Übermäßig viele Gedanken über die Rachegeschichte des Nero sollte man sich allerdings nicht machen. Sie dient wirklich nur als Aufhänger, uns die Charaktere näher zu bringen und vor allem die Beziehungen der Figuren untereinander anzulegen und auszubreiten.

Der Neubeginn von Star Trek ist also insgesamt als durchaus gelungen zu bezeichnen. Abrams macht vieles richtig und nur wenig falsch. Der Film überzeugt durch gute Action, Humor und Charaktertiefe, ist spannend und dynamisch erzählt. Das Setting ist durch gut gemachte Spezialeffekte realistisch (im Rahmen eines Sciencefictionfilms), nur das Drehbuch ist an einigen Stellen zu chaotisch und platt. Wenn man sich hier bei einer Fortsetzung etwas mehr an die Grundgedanken der Serie (Moral, Ethik) hält und dennoch den äußerst unterhaltsamen Charakter dieses Films beibehält, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Ich hatte jedenfalls meinen Spaß und empfehle den Film (auch  Nicht-Trekkies) weiter.

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Troja – Director’s Cut

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , , , , on Mittwoch, 3. Dezember 2008 by mediensucht

Eine Lanze für Troja

troja01Eine der bedeutendsten und bekanntesten Heldensagen der Antike ist Homers Ilias. In 15.693 Versen wird von Göttern und Helden im trojanischen Krieg erzählt. Nachdem mit Ridley Scotts Gladiator das Sandalen-Epos wieder salonfähig war, entschloss man sich bei Warner Bros Wolfgang Petersen mit der Verfilmung der Sage um Troja zu beauftragen. Da Homer mit dem Tode Hektors endete, bediente man sich noch in Auszügen an Vergils Aeneis, um eine geschlossene Geschichte zu bekommen. Im Originalstoff sind die Sterblichen eigentlich nur Spielbälle der Götter, die frei nach ihren Launen ohne Rücksicht auf Verluste mit den Schicksalen der von ihnen Abhängigen spielen. Eine Verfilmung, die sich genau ans Werk halten würde, wäre dem heutigen Publikum nicht zuzumuten, weil sie wahrscheinlich zu trocken, zu altmodisch, zu realitätsfern und nicht nachvollziehbar sein würde. So entschied man sich, die Götter aus der Geschichte zu streichen, ohne aber die wichtige Gottesfurcht der Beteiligten zu vergessen. Einige Entscheidungen der Protagonisten mussten auf einen realen Boden gestellt werden, da sie nun nicht willenlos durch die Götter vorgegeben sein konnten.

Die Transformation der Götterwelt ins die Realität ist dann auch sehr gelungen. Zum Untergang Trojas trug im Original maßgeblich das Urteil des Paris bei. Er wurde von Hermes aufgefordert, unter den Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite die Schönste zu wählen. Als er sich für Letztere entschied, schürte er den Hass bei Hera und Athene, die ihm nun nur noch Schaden zukommen lassen wollten. Die hasserfüllten Göttinnen führten fortan die Geschöpfe wie Figuren auf einem Schachbrett, nur um den Durst der Rache zu stillen. Im Film handeln die Menschen dagegen aus freiem Willen. Sie streben nach eigener Macht, nach der großen Liebe, sie agieren mit Ehre und zum Wohle ihres Volkes. Sie kämpfen aus Wut oder Rache und töten mit Hass. Alles nachvollziehbar und zutiefst menschlich.

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Viele abgewandelte Elemente machen die Geschichte noch tragischer, ihre Figuren noch interessanter. Hektor tötet Patrokles, hier Vetter und nicht einfacher Freund von Achilles, im Glauben, ihm stehe Achilles gegenüber. In der Vorlage wird Patrokles vom Gott Apollon entwaffnet, als er sich diesem widersetzt, und dann von Hektor getötet, der sich auch noch Achilles Rüstung bemächtigt. Hektor wird so im Film zur viel tragischeren Gestalt. Breseis ist im Film die Cousine von Hektor, im Original war sie nur die Lieblingssklavin Achilles’ und keine Trojanerin. Agamemnon wird am Ende durch Breseis getötet und nicht erst viel später durch seine Frau in der Badewanne. Das sind nur einige Beispiele, die verdeutlichen, dass es durchaus Sinn macht, Vorlagen abzuwandeln und die Änderungen zum Vorteil zu nutzen. Insgesamt ist der Film trotz dieser gelungenen Abwandelungen noch ausreichend nah an der Geschichte. Diese im Film erzählte Geschichte ist dann auch ganz klassisch auf Drama ausgelegt. Das Drama von Troja überlagert die Dramen der einzelnen Personen, deren einzige Hoffnung es ist, zu überleben oder zumindest als Helden die Ereignisse zu überdauern.

Großartig für mich die Einführung von Achilles. Er ist nicht der aalglatte Held, ihm widerstrebt die Rolle vielmehr zuweilen. Er befindet sich in einem Kampf mit sich selbst, ob er seinen Lebenssinn tatsächlich nur im Kampf suchen soll. So kommt er nur widerwillig zum großen Kampf mit dem stärksten Mann des Gegners. Hier spielt Petersen mit den Erwartungen des Zuschauers, der einen spannenden und länger dauernden Kampf mit dem Feind vermutet. Doch Achilles streckt seinen Kontrahenten nicht weniger beeindruckend nach eine Finte mit einem Dolchhieb in Sekundenschnelle nieder. Zack, die Tatsachen sind geschaffen. Achilles kämpft nicht gern, wenn er es aber tut, ist er der gefährlichste Krieger weit und breit.

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Auch das Setdesign orientierte sich an realen Vorgaben. Für Städtebauten und Schiffe nutzte man Erkenntnisse aus Ausgrabungen. Selbst das trojanische Pferd könnte so von Menschenhand aus eben jenen Materialien, die gerade vorhanden waren, gebaut worden sein. Die Ausstattung ist beeindruckend und damit eines klassischen Sandalen-Epos würdig. Die Effekte sind zeitgemäß gut. Die Filmmacher versuchten zum Glück, nicht nur mit Effekten zu beeindrucken, sondern steckten auch viel Mühe in altbekannte Handwerkskunst. Optisch hält man sich an die Genrekonventionen und verzichtet auf effekthascherische Mätzchen.

Bei der Besetzung leistet sich Petersen ein paar kleinere Schwächen. Dabei ist nicht etwa Brad Pitt als Achilles gemeint, dessen blonde Haarpracht zwar anfangs etwas verwirrt, er aber gut in das klassische Bild des antiken Helden passt. Auch der oft kritisierte Orlando Bloom als Paris ist nicht gemeint. Hier verwechselt man gern die Rolle mit dem Schauspieler. Bloom spielt den feigen Jüngling recht ordentlich. Diane Kruger (ehemals Heidkrüger) als Helena ist eine Fehlbesetzung. Sie sieht zwar nett aus, ihr schauspielerisches Können ist aber nur rudimentär vorhanden. Ebenso fraglich ist die Besetzung einiger Rollen mit augenscheinlich gesichtsgestrafften Schauspielern, die nun überhaupt nicht in einen solchen Film gehören. Um diesen Abschnitt wieder positiv enden zu lassen: Eric Bana glänzt abermals in seiner Rolle als Hektor. Er und Pitt leisten körperlich Schwerstarbeit. Ihr finaler Kampf ist zudem ausgezeichnet choreographiert. Die Bewegungen sehen modern aus, könnten aber auch prima in die Zeit der Antike passen.

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Troja erfindet das Rad nicht neu. Troja ist ein klassisches Sandalen-Epos, dass sich moderner Mittel bedient, die Zuschauer zu beeindrucken. Die Geschichte ist rund und spannend erzählt, opulent und beeindruckend umgesetzt. Bis auf einige Längen und schauspielerische Missstände ist der Film gerade aufgrund seiner Menschlichkeit in der Heldensaga sehenswert. Dabei ist der Director’s Cut noch um einiges mitreißender, weil er durch seine größere Direktheit (mehr Blut, mehr nackte Haut, mehr Zeit für die Charaktere) tiefer geht als die Kinofassung. Für Genrefans eine Empfehlung.

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Die Schwester der Königin

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , , on Dienstag, 4. März 2008 by mediensucht

Drama, Baby!

schwester_der_k1.jpg Elisabeth I. herrschte in England von 1558 bis 1603 und prägte das nach ihr benannte Elisabethanische Zeitalter. Es kam zu Glanzleistungen auf verschiedenen Gebieten wie Literatur (Shakespeare), Wissenschaft (Bacon) und Forschung (Drake). Ihr sind viele Filme gewidmet, zuletzt Elizabeth – Das Goldene Königreich von Shekhar Kapur mit der wunderbaren Cate Blanchett. Die historischen Grundlagen für den Erfolg von Elisabeth I. schafften aber schon ihre Vorgänger(innen). Vater Heinrich VIII. wandte sich vom Papst und der katholischen Kirche ab und kreierte mit seiner Ehepolitik ein Chaos, aus dem Elisabeth erst als Herrscherin hervorgehen konnte. Insofern ist es durchaus interessant, die Ereignisse vor Elisabeth mittels eines Films genauer zu beleuchten.

Um den Status der Familie zu erhöhen, schickt ihr ehrgeiziger Vater Sir Thomas Boleyn die zwei Schwestern Anne (Natalie Portman) und Mary (Scarlett Johansson) an den Hof des englischen Königs Heinrich VIII. (Eric Bana). Dessen Frau Katherine von Aragon (Ana Torrent) kann ihm keinen Sohn und Thronfolger gebären. Heinrich wendet sich Mary zu, die ihm einen Sohn schenkt. Nun bringt sich aber Anna ins Spiel und verführt den König. Sie gibt sich Heinrich aber nur voll und ganz hin, wenn sie auch Königin wird …

Regisseur Justin Chadwick setzt voll und ganz auf Drama. Er verzichtet weitestgehend auf optische Spielereien. Nur einige Einstellungen mit einer Art Schlüssellochkamera sind erwähnenswert. Die Ausstattung ist historisch korrekt, aber im Vergleich zu Kapurs Filmen eher zurückhaltend. Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel der Figuren. Das Drehbuch von Peter Morgan (Die Queen) nach einer Vorlage von Philippa Gregory bietet ausreichend Raum, das Innenleben der Figuren nach außen zu kehren. Genau hier liegt auch die Stärke des Films. Portman und Johansson besitzen das Können, diese Vorgaben auch umzusetzen. Selbst Eric Bana spielt, obwohl der Fokus auf den Damen liegt, seinen Heinrich VIII. in den zeitlich begrenzten Szenen so, dass man mehr als nur den Frauen-verschlingenden Monarchen erkennt.

Ein gewisses historischen Grundwissen ist sicher nicht von Schaden, um die Bedeutung des Gezeigten einordnen zu können. Der Film funktioniert aber auch als eindringliches Kammerspiel. Es gibt viele Szenen von prickelnder Spannung, die den Zuschauer mitreißen. Als die zwei Schwestern, vom König als neue Hofdamen eingesetzt, bei der übergangenen Königin vorsprechen, wird Mary nach ihren Fähigkeiten befragt. Sie muss widerwillig ein Lied singen und wird von der Königin der Lächerlichkeit preisgegeben. Ohne großes Tamtam inszeniert, spürt der Zuschauer sofort den Schmerz der Königin, er leidet mit der vom Vater an den Hof gezwungen Mary – eine brillante kleine Szene.

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Chadwick hält sich mit kleineren Anpassungen an die historischen Grunddaten, ohne aber das Spekulieren zu vergessen. Natürlich sind die genauen Abläufe in den königlichen Gemäuern nicht bis ins Detail bekannt, Chadwick macht seine Version aber für den Zuschauer nachvollziehbar. Mit der heutigen Welt sind die Beweggründe der Figuren nicht zu vergleichen, im geschichtlichen Kontext aber stimmig. Dank Chadwick verkommt der Film nicht zu einer spätmittelalterlichen Seifenoper. Die Schwester der Königin ist ein packendes und intimes Geschichtsdrama mit zwei ausgezeichneten Hauptdarstellerinnen. Für kitschigen Bombast ist dagegen ein Inder zuständig …

8/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)