Nie wieder Sex mit der Ex

Forgetting Veronica Mars?

Serienstars haben es einfach, in die Herzen der Zuschauer zu finden, haben sie doch dafür meist einige Folgen Zeit. Filmschauspielern bleiben nur wenige Minuten, damit sie möglichst schnell zur Identifikationsfigur werden und der Film damit funktioniert. Beim Umstieg von der Serie zum Film hat der Schauspieler wiederum damit zu kämpfen, sein Serienimage loszuwerden, um einem anderen Charakter glaubhaft eine Seele einzuhauchen. Als Zuschauer sollte man den Seriencharakter möglichst vergessen, um mit dem Film zurecht zu kommen. Clever ist es, wenn man erst gar nicht versucht, schier unmögliche Wandlungen zu erschaffen, sondern einfach auf den Seriencharakter aufbaut. So macht es der aus How I Met Your Mother bekannte und für das Drehbuch von Nie wieder Sex mit der Ex verantwortliche Jason Segel mit den zwei Hauptrollen des Films und es funktioniert erstaunlich gut.

Nie wieder Sex mit der Ex (oder im Original Forgetting Sarah Marshall) ist eine der gerade modernen „Romantic Comedies“ für Männer aus dem Hause Judd Apatow (Produzent und Autor von solchen Filmen wie Jungfrau (40), männlich, sucht … oder Beim ersten Mal). In diesen Filmen vom als Nachfolger der Farrelly-Brüder (Verrückt nach Mary) gehandelten Team Apatows sind meist leicht labile und ungeschickte Männer in einer Lebens- bzw. Liebeskrise die Helden, die dann wieder aus der Krise herausfinden müssen. Dabei gibt es viel Brachialhumor und die Protagonisten müssen ordentlich einstecken, ohne aber der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden. Der Umgang mit Sex und Liebe ist erfrischend unkompliziert und fast unamerikanisch. Kennt man eine dieser Komödien, kennt man alle, möchte man fast behaupten. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn hier kommt die Cleverness von Segel ins Spiel.

Serienkomponist Peter Bretter (Jason Segel) wurde gerade von seiner Freundin, der Serienheldin Sarah Marshall (Kristen Bell), verlassen und ist am Boden zerstört. Sein Bruder rät ihm, einen Urlaub auf Hawaii zu machen, doch ausgerechnet im gleichen Hotel hat sich seine Ex mit ihrem neuen Freund, dem esoterischen Sängerstar Aldous Snow (Russell Brand), eingenistet. Es kommt logischerweise zum Aufeinandertreffen, nur die entzückende Hotelrezeptionistin Rachel Jansen (wunderschön: Mila Kunis) sorgt für Ablenkung. Segel legt seine Rolle des Peter Bretter ähnlich der seines Seriencharakters aus How I Met Your Mother Marshall Erikson an. Er ist etwas tollpatschig, hat aber eine reine Seele und ist äußerst sympathisch. Auch seine Ex Sarah Marshall (schon wieder Marshall) ist mit Kristen Bell ausgezeichnet besetzt. Wie in der Serie Veronica Mars spielt sie ebenfalls im Film als Schauspielerin in einer Krimiserie eine Ermittlerin und ihr Charakter war dem von Veronica gar nicht so unähnlich. Auch sie war mir somit gleich sympathisch, ob das nun so gewollt war oder nicht. Bei diesem Film war es also gar nicht nötig, Veronica Mars zu vergessen, es half vielmehr. Weitere Parallelen bzw. witzige Referenzen, von denen es noch einige gab, werden hier nicht verraten.

Eigentlich ging ich ziemlich skeptisch an den Film heran und erwartete eine dieser ewig gleichen Teeniekomödien. Der Film machte es mir dann aber schwer, ihn nicht zu mögen. Das fing schon mit dem ersten Song „Love You Madly“ von einer meiner Lieblingsbands Cake an. Die Hauptcharaktere waren mir, wie beschrieben, sofort sympathisch und die erzählte Geschichte war trotz ihrer Vorhersagbarkeit und einigen Längen relativ unterhaltsam. Von einer uneingeschränkten Empfehlung des Filmes möchte ich dennoch absehen. Fans von Apatow werden sicher erwartungsgemäß bedient, ich hatte dagegen Glück, dass ich die Serien kannte, mit denen Segel hier so ausgezeichnet spielt. Für mich also nette und sympathische Unterhaltung ohne großen Tiefgang.

(auch auf kino.de)

3 Antworten to “Nie wieder Sex mit der Ex”

  1. Kennt man eine dieser Komödien, kennt man alle, möchte man fast behaupten.

    Das behaupte ich sogar. Sicherlich hat der Film viele innovative Einfälle, auf DVD oder im TV tut’s das Ganze aber auch. Wir bewerten den Film letztlich jedoch ohnehin sehr ähnlich 😉

  2. Klar, Rudi! Den muss man nicht im Kino sehen. Bin mir auch nicht sicher, wie der Film auf jemanden wirkt, der die Serien nicht kennt.

  3. […] mit der Ex (Nicholas Stoller) Dank meiner “Serienhelden” unterhaltsam und sympathisch – siehe Kritik! […]

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