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The Subways live in Mannheim

Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , , on Montag, 9. Februar 2009 by mediensucht

charlotte1Da die Subways dieses Jahr noch ein paar Zusatzkonzerte in Deutschland gaben, habe ich mir die Chance nicht nehmen lassen, diese großartige Band mit ein paar Freunden nochmals zu sehen/hören. Letzten Samstag ging es nach Mannheim, wo die Subways in der Alten Feuerwache vor ausverkauftem Haus spielten. The Subways haben sich vom Geheimtipp zum Konzerthausfüller entwickelt, was ausverkaufte Hallen in ganz Europa beweisen.

Als Vorband fungierte dieses Mal eine junge Band aus Hamburg, die gerade ihre erste Single veröffentlichte. One Fine Day erfüllten ihre Aufgabe als Einheizer (wirklich nötig ist das bei den Subways natürlich nicht) par excellence. Die Jungs spielten abwechslungsreichen Modern Rock mit eingängigen Melodien und waren dabei gleich ordentlich laut. Eine zweite Vorband wie im letzten Jahr gab es nicht, was uns eine Enttäuschung a la Twin Atlantic ersparte.billy11

Nach kurzer Umbaupause und dem üblichen Lichtsignal vom Papa der Brüder ging es dann auch gleich los. Die Setliste wurde im Vergleich zum Vorjahr leicht abgeändert, so diente mal wieder „Rock and Roll Queen“ als Starter. Damit war auch gleich die Stimmung auf höchstem Niveau, wo sie auch bis zum Ende blieb. Sänger Billy, wie immer mit freiem Oberkörper, sprühte nach ewig langer Tour immer noch voller Energie. Der geübte Subways-Konzert-Besucher erkannte aber leichte Abnutzungserscheinungen. Auch Bassistin Charlotte sprang zwar wieder wie ein Flummi über die Bühne, bei weitem aber nicht so ausufernd wie noch im letzten Jahr. Nur Schlagzeuger Josh schien nicht ausgelastet und spielte das ganze Konzert mit einer Wollskimaske über dem Kopf. Als wenn es in der Halle nicht warm genug gewesen wäre ;o)


Die Subways spielten ihr übliches Programm gewohnt unbeschwert. Der obligatorische Stagedive von Billy (er ließ sich auf den Händen des Publikums zu „Oh Yeah“ bis zum Mischpult tragen und zurück) war ebenso dabei wie die Einordnung des Publikums auf der „Verrücktheitsskala“. Hier fing es in Mannheim schon bei 9.2 Punkten an, um die Wertung nach einigem Gegröle auf die meist üblichen 10 Punkte zu heben. Nur der auch fast übliche Fantalk von Billy fehlte nach Konzertschluss. Wahrscheinlich war er nach der langen Tour doch zu ausgepowert. Auch hier erkennt man, dass die Subways mal wieder ein größere Pause nötig haben, die sie sich auch redlich verdient haben. Laut Tourplan geht es aber noch einige Zeit weiter. Nur im März ist eine längere Pause geplant, die die Subways auch zur Erholung nutzen sollten. Viele Konzerte sind einerseits großartig für die immer größer werdende Fangemeinde, birgen aber auch die Gefahr, sich zu verheizen, was im schlimmsten Fall zur Auflösung führen kann. Hoffen wir, dass es so weit nicht kommt. Die Subways stehen erst am Anfang ihrer schon jetzt beeindruckenden Karriere.


Die 80 Minuten Rockparty in Mannheim gingen viel zu schnell vorbei und haben sich wieder vollends gelohnt. Auch bei meinem dritten Konzert der Subways gab es nichts zu meckern. Vielleicht klappt es dieses Jahr ja noch mal auf einem Festival. Shake, shake!

The Subways live in Köln

Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , , , , , , on Freitag, 14. November 2008 by mediensucht

The Subways, sollte sie noch jemand nicht kennen, sind eine junge Band aus Hertfordshire in England. Die zwei Jungs mit Mädel machen erfrischenden Alternative Rock. Das erste Album veröffentlichten die Drei 2005 im zarten Teeniealter. Young For Eternitiy ließ nicht nur Musikfans aufhorchen, auch die Werbeindustrie bediente sich an der kraftvollen Musik beispielsweise für Kampagnen von Rimmel, The Sun oder Stirb Langsam 4. Dieses Jahr erschien das zweite Album All Or Nothing, das erfolgreich wie auch qualitativ an das Debüt anschließen konnte.

Ein Konzert der Subways ist meist recht kurz, aber heftig. Sänger und Leadgitarrist Billy Lunn, Bruder und Schlagzeuger Josh Morgan und die Bassistin Charlotte Cooper verausgaben sich immer voll und ganz. Die Subways allein zu sehen, würde gerade bei den günstigen Konzertticketpreisen von unter 20 € schon reichen. Es gab aber noch zwei Bands zusätzlich zu sehen. Als Support waren in der Live Music Hall Blackmarket und Twin Atlantic angekündigt.

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Blackmarket hinterließen einen guten Eindruck. Die Indie-Rock-Songs der Jungs aus Arizona (USA) waren wunderbar rockig und eingängig. Auch abseits der Bühne stellten sich Blackmarket als umgängliche Typen heraus, die auch mal ein Schwätzchen mit den Fans riskieren. Kleine Story am Rande: Ein paar Freunde von mir besuchten gleich drei Konzerte der Subways, was Blackmarket nicht verborgen blieb. Vor dem Konzert in Köln wurden sich auch prompt von Blackmarket angesprochen. Normalerweise ist das ja eher umgekehrt. Sogar die Setlist wurde leicht geändert, damit bei den Dauergästen keine Langeweile aufkommt.

Twin Atlantic enttäuschte dagegen. Die Band aus Glasgow sah nicht nur optisch scheiße aus, sie wusste auch nicht, was sie eigentlich für Musik spielen wollte. Mit sehr viel Wohlwollen könnte man ihren Output mit dem von System Of A Down vergleichen. Gute Ansätze waren immerhin vorhanden, doch sobald man ein Konzept erkannte, ging es wieder in eine andere Richtung oder es wurde einfach nur übel laut. Naja, ich stelle den Auftritt von Twin Atlantic mal als misslungenes Experiment dahin.

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Nach dem Lärm wurde dem Publikum dann endlich gezeigt, wie man richtig gut laut ist. Die Subways betraten energiegeladen die Bühne. Der Opener Kalifornia war gleich der optimale Einstieg, um die Vorband vergessen zu machen. Dann ging es gute 70 Minuten zur Sache. Bassistin Charlotte machte den Flummi und hüpfte, wenn sie mal nicht ihre süße Stimme ertönen ließ, quer über die Bühne. Billy kam gleich ohne T-Shirt auf die Bühne, wohlwissend, dass ein Shirt bei so viel schweißtreibender Arbeit nur lästig wird. Er sang durchgehend kraftvoll und ließ seine Klampfe melodisch kreischen. Schlagzeuger Josh neuerdings mit kurzen Haaren malträtierte sein Schlaginstrument ohne Nachlass.

Auch im Publikum ging es ab. Es wurde fleißig mitgesungen und – was ich als eine Unsitte empfinde – ordentlich gepogt. Warum beschränkt man sich nicht auf`s Hüpfen, Springen oder ausgelassen Tanzen? Neuerdings muss man wohl noch eine Woche nach einem Konzert körperlich spüren (und sehen), dass man es besucht hat. Ganz vorne rechts direkt vor Charlotte, ging es noch einigermaßen gesittet zu, und bei dem Anblick und der klasse Musik kann einen eh nichts die Seele trüben. Auf Billys „fucking crazy“-Skala gab es für`s Kölner Publikum nach anfänglicher 9 dann doch eine 10.

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Die Songauswahl war gut, eine schöne Mischung aus beiden Alben der Subways. Ruhigere Lieder waren allerdings kaum vertreten. So waren die gut 70 Minuten schnell vorbei. Am Ende machte Billy noch seinen obligatorischen Stagedive und schaffte es auf den Händen des Publikums bis zur gegenüberliegenden Bar. Nach dem Konzert signierte Billy dann noch fleißig CDs und T-Shirts, ließ sich mit Fans fotografieren und plauderte mit seinen Anhängern. Es ist schon faszinierend, dass diese „Bühnensau“ nach dem Konzert so nett und umgänglich ist. Sehr sympathisch! Ich freue mich schon auf`s nächste Konzert, wann auch immer. An einem neuen Album wird laut Billy schon gearbeitet …

The Raconteurs live in Berlin

Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , , , on Freitag, 4. Juli 2008 by mediensucht

Jack White war in den letzten Wochen in jedermanns Ohren. Beim Einmarsch der Mannschaften bei der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz wurde jedes Mal der Song Seven Nation Army von den White Stripes angespielt. Er regte dermaßen zum Mitgrölen an, dass er auch während eines Spiels noch mehrfach intoniert wurde. Neudeutsch wird er deshalb nur noch mit „Naaa na na na na naaa naaa“ betitelt. Mit den White Stripes scheint es allerdings zu Ende zu gehen, da Whites Ex-Frau und „Schwester“ Meg ihre Angstzustände nicht in den Griff bekommt. Schon 2005 gründete Jack mit ein paar Freunden, die auch schon auf eine eigene Musikkarriere verweisen konnten, The Raconteurs quasi als Feierabendband, um seinem, wie es scheint, unbändigen Drang nach Songwriting und Liveauftritten nachzukommen.

Vorgestern baten die Raconteurs also zu ihrem einzigen Deutschlandkonzert der aktuellen Tour nach Berlin. Huxleys Neue Welt war mit ca. 1500 Zuschauern/-hörern nahezu ausverkauft. Damit komme ich auch gleich zum Negativen des Konzerts. Das Huxleys bietet zwar als mit Stuck verzierter alter Veranstaltungssaal ein schönes Ambiente, die parallelen Wände und die breite Fensterfront sind aber eher schlecht für die Akustik. Der Tontechniker verstand es nicht, mit dem Raum zu arbeiten. Überhaupt ist sein Werk als schlecht zu bezeichnen. Die Instrumente schienen auf ein White Stripes-Konzert eingestellt zu sein, wo es ja darauf ankommt, mit einer begrenzten Anzahl an Instrumenten (2) ein Maximum an (Raum-) Klang zu erzeugen. Hier versuchten sich nun die fünf Instrumente gegenseitig zu übertönen, was zu einem akustischen Durcheinander ohne Differenzierung führte. Es gab Übersteuern und Verzerrungen, die es dem Zuschauer nicht einfach machten, das Konzert vollends zu genießen. Die Lightshow kann man ebenfalls als uninspiriert bezeichnen. Immerhin war das Bühnenbild nett

Nun aber zum positiven Rest: Jack White steckte voller Kraft. Ihm machte es sichtlich Spaß, mit einer ganzen Band (die vier Raconteurs wurden noch durch einen Keyboarder ergänzt) zu spielen und nicht als Alleinunterhalter gegen die begrenzten Möglichkeiten seiner Schlagzeugerin anzuspielen. Den Gesang teilte er sich mit Brendan Benson fast brüderlich zu etwa gleichen Teilen, wobei sich die melodiöse Country-Stimme von Benson und die schrillere Rockstimme Whites prima ergänzten. Überhaupt klappte das Zusammenspiel der ziemlich gegenteiligen Gestalten ausgezeichnet. Hier der hagere, blondgelockte Bluesrocker, dort der kräftige, hochgewachsene und in Schwarz gekleidete Garagenrocker. Musikalisch ging es live eher in Richtung White Stripes. Die sanften Bluesnummern der Alben wurden kaum gespielt oder so verrockt, dass sie ins härte Konzertkonzept passten. Höhepunkt war sicherlich die erste Single der Band Steady, As She Goes etwa in der Mitte des Konzerts, bei der der Saalboden vom Hüpfen der Massen erbebte. Nach intensiven und guten 85 Minuten inklusive einiger Zugaben war dann Schluss. Wäre die schlechte Akustik nicht gewesen, hätte man von einem großartigen Konzert sprechen können. So ergibt sich nur das Gesamturteil „gut“. Es bleibt zudem die Erkenntnis, dass es mit Jack White wohl auch ohne die White Stripes erfolgreich weitergeht.

Anmerkung: Die Vorgruppe Earthbend aus Finsterwalde konnte man sich anhören, sie hinterließ aber keinen tieferen Eindruck.

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Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , , , , , , , , on Mittwoch, 5. März 2008 by mediensucht

Am 01.03. diesen Jahres feierte das Radio fritz des RBB mit einem Konzert in der arena Berlin seinen 15 Geburtstag. Es waren 7 bzw. 8 teils namhafte Bands/Künstler eingeladen. Ca. 6 Stunden live-Musik für 23 Euro – das war ein Pflichtbesuch. Hier ein kleiner Abriss der Veranstaltung:

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Makabu
Die Thüringer Makabu machten den Anfang. Die von Pate Clueso angekündigte Band aus Erfurt bot guten englischen Softrock mit einer ordentlichen Prise Melancholie. Insgesamt vielleicht etwas eintönig und für den Anlass auch zu wenig mitreißend, dennoch sollte man die Ohren für diese Newcomer offen halten.

Clueso
Clueso heizte die Stimmung in der Halle dann tüchtig an und spielte seltsamer Weise am längsten von allen Acts. Die Mischung der Songs stimmte, auch wenn mich teils die Interpretation der Stücke störte. Out of Space wurde beispielsweise zu einem Steigerungslauf ohne Höhepunkt degradiert. Alles in allem aber eine ordentliche knappe Stunde Show.

Soko
Mieze von Mia kündigte dieses äußerst schüchtern wirkende Girlie Soko aus Frankreich an. Was die zierliche Französin, die eigentlich Stéphanie Sokolinski heißt, dann aber auf der Ukulele, dem Keyboard und am Schlagzeug solo ablieferte, war vielleicht die Überraschung des Abends. Die Musik ging von „soft“ bis „Party-Mucke“, und die Texte hatten sich gewaschen. Die Dame hatte es faustdick hinter den Ohren. Die besungenen Themen gingen von Rache bis Sex. Da Soko auch Schauspielerin ist, liegt der Verdacht nahe, dass diese Mädchenattitüde nur Show ist – dann allerdings eine verdammt gute!

Mia
An Mia hatte ich die geringsten Erwartungen an diesem Abend. Ich hörte sie vor Jahren bei einer anderen Jubiläumsveranstaltung, wo sie ganz übel klangen. Der Tonmann mit Hörschaden wurde wohl verbannt, so dass es diesmal am Sound nichts auszusetzen gab. Die Berliner lieferten sogar eine gute Show ab. Über das Gelaber von Mieze kann man denken, was man will, musikalisch war der Auftritt aber erstklassig!

Jennifer Rostock
Diese Band kannte ich vorher nicht. Ich wusste nur, dass Jennifer Rostock bei Raabs Bundesvision Song Contest beteiligt waren und eine Art Punkrock spielen würden. Auch hier wurde ich positiv überrascht. Das war wunderbar eingängiger deutscher Rock und die dünne, mit einem Werkzeugkasten behangene Sängerin machte ordentlich Stimmung.

The Subways
Für viele Zuhörer waren The Subways der Höhepunkt des Abends. Ich kannte die drei jungen Hüpfer von der Insel nicht namentlich, nur ihre Songs Oh Yeah aus einer Boss-Werbung und Rock & Roll Queen aus dem Film Stirb Langsam 4.0 vom Hören. Dass die Indierocker so derartig abgehen, hätte ich wiederum nicht erwartet. Auch hier scheint es sich um gespaltene Persönlichkeiten zu handeln. Auf der Bühne die absoluten Rampensäue, Gitarrist und Sänger Billy und Schlagzeuger Josh (Brüder) mit freiem Oberkörper und nach dem Gig das Schlagzeug zerstörend, Bassistin Charlotte (mit Billy verlobt) wild herumspringend, gaben nach der Veranstaltung als einzige Band ganz brav und nett Autogramme und ließen sich mit Fans ablichten. Sehr sympathisch! Und verdammt geile Musik!

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Fettes Brot
Nach den wilden Subways ging es wieder etwas ruhiger zur Sache. Gewohnt routiniert spulten die Brote (unterstützt von Pascal Finkenauer) ihr Kurzprogramm ab und sorgten für einen angemessenen Abschluss. Die Bässe wummerten und die Halle ging ausgelassen mit. HipHop, live dargeboten mit einer Band, die echte Instrumente spielt, ist immer ein doppelter Genuss im Vergleich zum Studioalbum.

Wie man an meinen überaus positiven Worten erkennen kann, war der Konzertabend äußerst gelungen, vom genialen Preis-Leistungsverhältnis ganz zu schweigen! Danke, fritz! Ich höre dennoch weiter RadioEins 😉

Lenny Kravitz live in Berlin

Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , on Freitag, 29. Februar 2008 by mediensucht

lennyk1.jpg Anfang Februar brachte Lenny Kravitz ein Album namens „It Is Time For A Love Revolution“ heraus. Es wurde von der Kritik eher mäßig angenommen. Der ewig gleiche Vorwurf: Kaum Entwicklung! Meine Entgegnung darauf: Warum? Kravitz spielt in seiner Sparte seit Jahren auf höchstem Niveau. Seine Texte waren schon immer eher naiv bis belanglos, darauf kam es aber nie an. Musikalisch ist Kravitz weiterhin top. Blues-Rock vom Feinsten! Lenny Kravitz war Lenny Kravitz ist Lenny Kravitz! Und das bleibt hoffentlich auch so!

Laut Gerüchteküche steckt Herr Kravitz nach einem Hänger durch den Tod seines Vaters 2005 wieder voller Energie, so dass er ganze zwei Jahre auf Tour gehen will. Es bleibt natürlich abzuwarten, ob es letztendlich wirklich zwei Jahre werden, gestern gab Kravitz zumindest ein kurzfristig angesetztes Konzert (das erste der neuen Tour) in der Berliner Columbiahalle, obwohl er die letzte Zeit im Krankenbett zubringen musste. Er scheint aber so heiß zu sein, sich auf der Bühne zu produzieren, dass er unbedingt in Berlin spielen wollte.

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Eine Vorband gab es, aus welchen Gründen auch immer, nicht! Mit großem Jubel betrat Kravitz die Bühne und rockte gleich ordentlich los. Die erste halbe Stunde bestand dann auch nur aus waschechten Rocksongs und es ging zügig vorwärts. Kravitz erzählte zwar etwas von einer gemütlichen Jamsession, dazu sollte es aber erst später kommen. Etwas wundersam war, dass Kravitz hauptsächlich alte Songs wie Mr. Cab Driver spielte. Vom neuen Album gab es nur I’ll Be Waiting zu hören, der allerdings in der Maxi-Maxi-Version. Der Tour-Titel The Love Revolution war dennoch gerechtfertigt, da Kravitz nicht müde wurde seine Botschaft der „Love-Revolution“ zu verkünden, aber das kennt man ja schon länger.

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Kurz vor Ende des Konzertes wurde dann wie üblich Let Love Rule in einer megalangen Variante gespielt und jetzt kam es tatsächlich zur Jamsession. Es wurde mächtig gejammt. Mit der Stimme von Kravitz ging es aber bergab, so richtig fit war er wohl noch nicht. So durfte das Publikum den Meister noch einige Zeit am Schlagzeug bewundern, auf das er gekonnt einschlug. Das war dann also der Beweis, dass Kravitz wirklich jedes Instrument auf seinen jüngeren Alben selbst einspielte. Als Zugabe wurde traditionell Are You Gonna Go MY Way? gerockt, für mehr als knapp 100 Minuten Konzert reichte die Kondition von Kravitz leider nicht. Trotz kleiner Mängel war es wieder einmal ein klasse Lenny Kravitz-Konzert. Ich hoffe doch sehr, Mr. Kravitz schaut im Sommer nochmals in der Hauptstadt vorbei …

Jimmy Eat World (live)

Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , , , on Freitag, 1. Februar 2008 by mediensucht

Neulich … nein, überneulich ist mir beim Zusammenstellen des Jahressamplers 2007 aufgefallen, dass mich Jimmy Eat World schon eine Weile begleiten und immer wieder wunderbare Alternative Rocksongs zu möglichen Samplern beisteuern. Wenn man die Alben so durchhört, gibt es da sicher auch Ausfälle, insgesamt lässt sich aber doch eine gewisse Konstanz in der Qualität erkennen, die schon relativ hoch ist. Warum also nicht den Besuch eines Konzert der Band wagen? Live klingt vieles ja noch besser.

Gestern war es dann also soweit. Jimmy Eat World machten auf ihrer Tour in Berlin halt (Huxleys Neue Welt). Zum wiederholten Mal in letzter Zeit hinterließ eine Vorband einen äußerst positiven Eindruck. SPARKADIA aus Australien spielten eine knappe halbe Stunde gut hörbaren Alternative Rock mit erkennbarem eigenen Stil, was heutzutage eher eine Seltenheit ist. Die drei Herren mit Dame sollte man im Auge bzw. Ohr behalten.

Nach zügigem Umbau betraten dann die vier Herren aus Arizona (USA) die Bühne und präsentierten ein musikalisch abwechslungsreiches Programm. Als angebliche Vertreter des Emo (emotional Hardcore) gab gerade Frontmann Jim Adkins alles und zeigte sich tatsächlich heftig emotional. Nach schon kurzer Zeit war er so durchnässt, dass man ihn mit einem Wasserfall hätte verwechseln können. Mit bis zum Ende klarer Rockstimme schmetterte er sich durch softere und harte Stücke aus dem neuen Album Chase This Light und einigen ausgewählten älteren Stücken.

An Show wurde bis auf ein paar nette Lichteffekte nichts geboten, was man bei dem Preis eigentlich auch nicht verlangen konnte. Nach einer knappen Stunde war das Hauptprogramm durch. Der Beifall und die Zugabenrufe waren für Berliner Verhältnisse ziemlich verhalten. Haben Jimmy Eat World vielleicht gar nicht so viele Hardcore-Fans und bestand das Publikum eher aus vielen „gemäßigten“ Fans? Eine Zugabe gab es dennoch und die bestand aus immerhin fünf zusätzlichen Songs. Da als letztes Stück dann doch noch The Middle gerockt wurde, war ich vollends zufrieden. Ich war sogar noch zusätzlich froh, dass es ein eher kürzeres Konzert war, weil ich deshalb noch die letzte Tram vor dem Streikbeginn der BVG bekam und nicht Stunden im Regen nach Hause laufen musste.

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Es war übrigens mein erstes Konzert, auf dem Rauchverbot herrschte. Einige Trottel hielten sich zwar nicht daran, mit den vereinzelten Schwaden wurde die gute Klimaanlage aber fertig. Schön also, dass man nach einem Konzert keine Kopfschmerzen mehr haben muss und nicht völlig verqualmt nach Hause kommt. Ebenso schien die bessere Luft während der Tour den Stimmen der Künstler gut zu bekommen. Die klangen bis zum Ende gut. Ich bin froh über das Rauchverbot!

Die Fantastischen Vier – live in Berlin (Hangar 2)

Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , on Samstag, 1. Dezember 2007 by mediensucht

Es gibt Bands, bei denen kann man mit einem Konzertbesuch nichts falsch machen. Man weiß genau, dass man gut unterhalten wird. Genauso ist es bei den Fantastischen Vier. Sie sind nicht nur die „Erfinder“ des deutschen HipHop, sie haben es auch geschafft, über Jahre erfolgreich zu bleiben. Dabei setzen sie sich erfrischend vom aktuellen Pöbel-Rap von Prekariatsproleten wie Sido oder Bushido ab (ein paar Seitenhiebe dürfen freilich nicht fehlen). Intelligente Texte paaren sich mit ausgefeilten Musikunterlagen und sympathischen Sprechgesangsstimmen.

Besser als die Longplayer der Fantas waren schon immer die Konzerte. Der Einsatz von „echten“ Instrumenten zahlt sich auch bei HipHop-Musik aus. Ein hämmerndes Schlagzeug, ein wummernder Zupfbass und eine echte Stromgitarre klingen einfach besser als die Konserve. Die Fantas selbst hüpfen auf der Bühne herum, als würden sie nicht älter. Gute Laune vom ersten Lied an. Das Publikum der aktuellen Stadt ist sowieso immer das Beste. Zu Berlin merkt man aber dennoch eine besondere Beziehung. Die Fantas waren hier schon sehr früh beliebt und hatten Erfolg. Michi Beck ist sogar vom Ländle in die Hauptstadt gezogen, was er auch extra erwähnte.

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Während die Alben auf hohem Niveau stagnieren, werden die Fantas live immer besser. Das mag nicht zuletzt an der immer ausgereifteren Bühnentechnik liegen, die selbst dem langjährigen Konzertbesucher noch Überraschungen bietet. Faszinierend waren beispielsweise sieben riesige Lampenschirme über der Bühne, deren Unterseite zum Publikum gedreht werden konnte und als Projektionsfläche für beidruckende Bilder und Filme fungierten. Für die ersten Zugaben wurde die Beleuchtungsanlage über dem Publikum herunter gelassen, die sich nun als Minibühne entpuppte. Plötzlich standen die Zuschauer in den hinteren Reihen „ganz vorn“. Eine einfache, aber schöne Idee!

An Sound wurde alles herausgeholt, was der umgebaute Flugzeughangar 2 des Flughafens Tempelhof hergab. Als akustische Zerreißprobe diente „Krieger“ von Thomas D, das die Lautsprecheranlage fast zum Explodieren brachte. Das Programm bestand aus Hits der 16 Jahre und Stücken der neuen Platte. Als Zugaben gab es dann auch die obligatorischen „Tag am Meer“ und „Populär“. Schön war zudem das von der letzten Tour schon bekannte „Oldie“-Intermezzo, bei dem Michi Beck an den Turntables sein Können zeigen durfte und den Ursprüngen der Fantas gefrönt wurde. Die Fantastischen Vier live in Berlin – ein lohnender Besuch!