Extras

Da ich sie schon im Beitrag zu The IT Crowd erwähnt und gelobt habe, hier ein paar ausführlichere Worte zur britischen Comedy-Serie Extras. Extras handelt, wie der Name schon verrät, von Statisten bzw. Komparsen für Filme oder Serien. Als Zuschauer verfolgen wir das („Berufs“-) Leben zweier solcher Extras. Da wäre zum einen der ambitionierte, aber wenig erfolgreiche Andy Millman (Ricky Gervais), der von dem völlig unfähigen Agenten Darren Lamb (Stephen Merchant) betreut wird. Andy will unbedingt ernsthafter Schauspieler werden, bringt es aber nicht einmal zu einer Textrolle als Kleindarsteller. Im Laufe der Serie konzipiert er eine alberne Sitcom, mit der er aber auch nicht wirklich zufrieden ist. Ihm an die Seite gestellt ist Maggie Jacobs (Ashley Jensen), ebenso erfolglose Statistin, die sich aber hauptsächlich für die männlichen Darsteller interessiert und vergeblich nach einer festen Beziehung strebt.

Einerseits ist es natürlich interessant, mal hinter die Kulissen des Films zu schauen und einen kleinen Einblick in die Produktionsmechanismen eines Films zu erhalten. Wenn man selbst mal etwas als Statist gearbeitet hat, kommen einem viele der gezeigten Szenen seltsam bekannt vor. Witzig sind z. B. solche Szenen, wo es um die Unterschiede zwischen Hauptdarstellern und Statisten bei der Essensausgabe geht.

Als roter Faden durch alle 12+1 Folgen zieht sich aber die besondere Fähigkeit der zwei Helden, kein Fettnäpfchen in der Konversation mit Stars und anderen Figuren auszulassen. Es ist einfach köstlich (und manchmal auch schmerzhaft) mit anzusehen, wie sich Maggie und Andy in verschiedenen Situationen selbst „in die Scheiße reiten“ bzw. reden. Dabei geht es – typisch britisch – zum Teil recht deftig zu. Angst vor Tabuthemen gibt es kaum.

Highlight einer jeden Folge ist natürlich der Auftritt eines Stars, der sich mit dem vorhandenen Grundkonstrukt prima in die Geschichten einbauen lässt. Auch die Stars nehmen selten Rücksicht auf ihr Ansehen und lassen sich auf äußerst amüsante Weise durch den Kakao ziehen. Typische Klischees und Marotten, die man den Stars so nachsagt, werden humorvoll ausgekostet. Kate Winslet spielt beispielsweise mit ihrem Oscarversagen, „Harry Potter“ Daniel Radcliffe mimt das versaute Muttersöhnchen. Daneben gab es noch Ben Stiller, Vinnie Jones, Samuel L. Jackson, Patrick Stewart, Orlando Bloom, David Bowie, Chris Martin, Sir Ian McKellen, Clive Owen und Robert de Niro zu sehen.

Leider gibt es von den Extas nur zwei Staffeln a sechs Folgen plus eine Spezial-Weihnachtsfolge als Serienabschluss. Die Erschaffer Gervais und Merchant (die schon mit The Office einen Knaller landeten) widmen sich nun anderen Projekten. Da nützen auch die großen Erfolge im Ausland (Golden Globe, Emmy Award) nichts. Hier in Deutschland lief Extras auf dem Spartenkanal Comedy Central und fand damit nicht das verdiente Publikum. Ich empfehle den DVD-Kauf!

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8 Antworten to “Extras”

  1. Jesses, 9/10. Fand die Serie ganz nett, wobei sie viel zu wenig zu bieten hat in meinen Augen. Aus dem Konzept hätte man mehr rausholen können, aber naja.

  2. Ich mag eben diese spezielle Mischung aus Comedy und Schmerz sehr!^^

  3. Ich hätte wohl auch nicht ganz so hoch ins Regal gegriffen, sondern wäre ebenfalls ein Stück zurückhaltender gewesen – gerade im Vergleich zur IT-Crowd, die halt einfach eine ungleich höhere Gagdichte hat.

    EXTRAS ist zwar insgesamt eine wirklich gute Serie und gerade der Aspekt mit den sich selbst persiflierenden Stars ist wirklich gelungen – aber es driftet auch leider teilweise etwas ins Zähe ab. Wäre daher wohl eher so bei 7-8 Gabeln gelandet.

  4. hirngabel, für mich hat Extras einen weitaus größeren Drama-Anteil als The IT-Crowd, der dort fast ganz fehlt. Deshalb kann man die Serien nicht allein über die Gagdichte vergleichen. Die vielen nachdenklichen Momente sind bei Extras ziemlich gut inszeniert. Für die tatsächlich vorhandenen kleinen Hänger gibt`s eine Pille Abzug.

  5. Hmmm, naja. Ich hab die Serie zugegebenermaßen nicht mehr sooo präsent, aber ich kann mich jetzt nicht an sonderlich viele dramatische Aspekte erinnern. Sicherlich immer mal wieder kleinere, nachdenkliche und tragikomische Momente – aber dann doch auch nicht so dominierend.
    Da ist mir der Peinlichkeitsaspekt wesentlich präsenter, wenn sich Andy mal wieder frohen Mutes das eigene Grab schaufelt – etwas was ich (zumindest wenn es übertrieben wird) nicht soo gut abhaben kann.

    Aber das klingt jetzt auch wieder viel zu negativ… Mag die Serie ja definitiv auch.

  6. Jep großartige Serie. Das es nur so wenig Folgen gibt, hat auch einen Grund: John Cleese stellte einst das Dogma auf, dass eine Serie pro Staffel nur 6 Episoden habe dürfe und nur maximal 2 Staffeln. Danach würde sich jede noch so gute Serie anfangen zu wiederholen. Und Gervais und Merchant vergöttern nicht nur Cleese, sowie befolgen (wie übrigens recht viele britische Comedians) dieses Dogma (die Specials am Ende darf man nicht mitzählen 😉 – siehe auch „The Office“.)

  7. Das nötigt mir doch einigen Respekt ab. Der Gervais ist ein Mann mit Prinzipien! Trotzdem schade, dass es mit solchen Serien nicht weitergeht …

  8. […] aus den USA. Der Fremdschämfaktor nimmt schon Maßstäbe der Serien von Ricky Gervais (z.B. Extras) an. Dabei ist Party Down relativ aktuell (z.B. Finanzkrise) und sehr abwechslungsreich. Am Ende […]

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