Archiv für Oktober, 2007

Geiz macht reich

Posted in Geschwätzigkeit, Sucht des Tages with tags , , , , , , on Mittwoch, 31. Oktober 2007 by mediensucht

„Geiz ist geil“ hieß es jahrelang in der Werbung des Elektronikmarktes („fach“ fehlt bewusst) SATURN. Der Slogan wurde zum Motto einer ganzen Gesellschaft, die mangels Job, Perspektive oder aus Zukunftsangst das Kaufen einstellte. Um die Binnenkonjunktur sah es schlecht aus. Angeblich wurde gespart. Es war wohl eher so, dass den „kleinen Leuten“ das Geld fehlte und die Reichen nicht wussten, wohin damit. Der Durchschnittswert ergab eine höhere Sparquote. Nun sieht es dank Globalisierung und gutem Auslandsgeschäft besser aus. „Geiz ist geil“ ist nicht mehr zeitgemäß.

Äußerst faszinierend für mich war die Tatsache, dass der Slogan in Kombination mit SATURN überhaupt funktionierte. Die Darbietung war gewöhnungsbedürftig. Eine zwar nett aussehende, aber sehr unsympathisch wirkende, futuristisch gekleidete Dame brüllte in bunten Spots den Spruch in die Welt hinaus. Wenn man sich in den Märkten einmal umschaut, stellt man schnell fest, wie der Ausruf eigentlich gemeint ist. Preiswert sind nur die wenigen Sonder- bzw. Werbeangebote. Sonst regiert „teuer“. Die Preise liegen meist weit über denen der Konkurrenz. Im Internet erhält man die Produkte weitaus günstiger. Von kompetenter Beratung kann auch keine Rede sein, wie Tests bewiesen. Geizig ist also SATURN, die ihre Artikel für viel Geld unter die Massen bringen. Wie geil das ist, erkennt man an der guten Bilanz.

Wie man sieht, kommt es bei Werbung nicht auf Wahrheit an. Auch muss sich Werbung nicht unbedingt gut anfühlen. Wichtig ist, dass sich die Botschaft in die Hirne brennt. Bei der Kaufentscheidung zählt dann nur das Unterbewusstsein, dass dem potentiellen Kunden einredet, man könnte bei SATURN preiswert einkaufen.

Saturn-Werbung

Seit kurzem wirbt SATURN mit „Wir lieben Technik. Wir hassen teuer!“ – genauso penetrant und unsympathisch. Inhaltlich stimmt es noch weniger. Stellt sich also die Frage, ob die Werbung ebenfalls so gut funktioniert. Sind die Menschen wirklich so blöd? Wollte man diese Frage beantworten, käme man irgendwann zu dem Schluss, dass die blöden bei SATURN kaufen und diejenigen, die von sich sagen „Ich bin doch nicht blöd“, bei Mediamarkt konsumieren, der rein zufällig auch zur METRO-Gruppe gehört. Genial!

Kurzkritiken – Oktober 2007

Posted in Cinemanie with tags , , on Dienstag, 30. Oktober 2007 by mediensucht

Hier ein paar Kurzkritiken zu Filmen, die ich im Oktober sah:

The Contract
Ich frage mich so langsam, warum Cusack nur noch 08/15-Filmchen mit Kindergartenniveau macht. Der war doch früher mal gut! Auch dieser Streifen langweilt durch Einfallslosigkeit in allen Belangen. Klassische Einheitskost. 3/10

Jagdhunde (Sneak)
Genau solche Filme sind es, die den Leuten die Lust am Deutschen Kino versauen! Ein völlig überambitionierter Abschlussfilm, der vor der TV-Ausstrahlung nachts im ZDF noch mal in die Kinos gepuscht wird. Die ewig langen Einstellungen langweilen, anstatt Atmosphäre zu schaffen und sehen nach Füllmaterial aus, um die 90 Minuten voll zu bekommen. Die an sich guten Schauspieler (Hader etc.) sind fehlgeleitet und bieten das reinste Schmierentheater. Die Dialoge sind pseudodramatisch und lächerlich! Der Verleih sollte sich schämen! 1/10

Hwal – Der Bogen
Eine schwülstige Altherrenfantasie, die allerdings optisch recht nett in Szene gesetzt wurde. Über die einfache Geschichte mit ihrem zweifelhaften Ende braucht man gar nicht zu sprechen! Da sind wir Besseres von Kim Ki-duk gewöhnt. 3/10

Planet Terror
Großartig! 9/10
(Kritik auf kino.de)

Ratatouille
Bis auf eine etwas zu lange Exposition und einen kleinen Hänger in der Mitte ein wunderbarer, herzerwärmender Film, bei dem man ab und zu vergisst, dass es sich um eine Animation und um Ratten handelt. 9/10

Mein Führer
Hat mir beim zweiten Sehen wesentlich besser gefallen. Da ich nun wusste, welche eigentümliche Mischung aus Komödie und Drama hier serviert wird, konnte ich mehr Augenmerk auf die doch recht erstaunlichen inhaltlichen Dinge legen. Umso seltsamer muten die völlig grenzdebilen Diskussionen an, die beim Kinostart in der Öffentlichkeit stattfanden. 7/10

Ocean’s 12
Für mich der beste Teil der Trilogie! 8/10

Atonement (=Abbitte – OV-Sneak)
Mischung aus Stolz und Vorurteil und Cold Mountain, die durch ausgezeichnete Kamera und guten Score besticht. Die recht klassische Geschichte wird interessant dargeboten und am Ende noch schön sentimental. Ich glaube, der Joe Wright kann etwas. Empfehlenswerter Film! 9/10

Triff die Robinsons
Insgesamt recht kindgerecht mit eindringlicher Botschaft. Nach dem etwas zähen Anfang aber sehr einfallsreich und unterhaltsam. 7/10

Enttarnt
Die Story trägt für mich nicht den ganzen Film. Zumindest waren die Elemente nicht sonderlich spannend, wie es sich für einen Spionagethriller gehört. Auch machten die Protagonisten Fehler, die jeder logischen Erklärung entbehren, was in einem Agentenfilm natürlich nicht geht! So 4/10.

Odette Toulemonde (Sneak)
Völlig überdrehte Lovestory über eine „dumme“ Verkäuferin und einen „intellektuellen“ Schriftsteller. Man kann dem Film eigentlich nicht böse sein, einige Kritikpunkte gibt es dennoch. So wird bei aller Ausgelassenheit und Verspieltheit die Charaktertiefe vernachlässigt, so dass einige Entscheidungen bzw. Handlungen nicht nachvollziehbar sind. Wenn man zu sehr aufpasst, könnten einige Nerven zu Grunde gehen. Kitsch as Kitsch can! 5/10

The Beatles – Help!
(Preview zur DVD-Veröffentlichung)
Es ist erstaunlich, wie viele Elemente aus diesem abgedrehten, detailverliebten und ideenreichen Klamaukfilm in späteren Filmen wieder erscheinen (Charlie und die Schokoladenfabrik, Road to Guantanamo, Herr der Ringe, James Bond). Dazu gibt es natürlich noch viel Musik. Äußerst amüsanter und kurzweiliger Spaß! 8/10

Wir sagen Du, Schatz! (Sneak)
Ein Mann entführt sich eine Familie. Sehr interessanter Ansatz, der viel Platz für Gesellschaftskritik und bösen Humor bietet. Der Film ist allerdings auf DV gedreht, was einfach schlecht aussieht. Dazu kommt eine gewisse Vorhersagbarkeit, die Auflösung am Ende ist dagegen nett. 7/10

Resteverwertung – heute: Champignons und Hähnchenfleisch aus der Dose

Posted in Schlemmerei with tags , , , , on Dienstag, 30. Oktober 2007 by mediensucht

 

Falls einem mal „der Himmel auf den Kopf fällt“ (Majestix aus ASTERIX) oder im Falle eines atomaren Winters (George W. Bush aus AMERIKA) braucht man einen Dosennahrungsvorrat, der einige Zeit gelagert werden kann. Der Inhalt einer solchen Dose hält sich allerdings nicht ewig und muss deshalb bei Ablauf des Haltbarkeitsdatums verbraucht werden. So fand sich eine Dose „Hähnchenfleisch in eigenem Saft“ an, die sich zu einem Glas Champignons in Scheiben gesellte. Außerdem lag im Kühlschrank noch eine halbe Tüte geriebener Gauda, der von käseüberbackenen Tortillas übrig war. Da der Geschmack von Dosenfleisch oft seltsam anmutet, ist eine Zubereitungsart gefragt, bei der dieser Geschmack von kräftigen anderen Aromen überlagert wird. Deshalb gibt es

Überlebenspizza

Zutaten:

Blech für 4-6 Personen

  • 300 g Mehl
  • 1 Tüte Hefe
  • Salz
  • 150 ml Wasser
  • 1 Dose Pizzatomaten
  • 1-2 Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • ein paar getrocknete Tomaten (in Öl eingelegt)
  • ein paar Oliven (in Scheiben)
  • Rosmarin, Paprika (edelsüß), Oregano
  • Salz, Pfeffer
  • 1 Dose Hähnchenfleisch
  • 1 Glas Champignons in Scheiben
  • 1 Mozarella
  • ½ Tüte geriebener Gauda

Zubereitung:

 

Das Mehl mit einer Prise Salz und der Hefe vermengen und 150 ml warmes Wasser dazugeben. Masse zu einem „fluffigen“ Teig kneten (mindestens 10 Minuten). Dieser Teig wird später knusprig. Wenn man mehr Wasser hinzu gibt, wird der Teig weicher und geht beim Backen mehr auf (amerikanischer Stil).

 

Für die Soße die zerhackten Zwiebeln mit dem Knoblauch in Olivenöl (oder Öl von den eingelegten Tomaten) in einem kleinen Topf anbraten, die kleingeschnittenen getrockneten Tomaten und die Oliven dazu geben und mitbraten. Wenn die Zutaten Farbe bekommen haben, den Inhalt der Dose Pizzatomaten dazu geben, mit je einer Prise der Gewürze würzen und kurz durchkochen lassen. Den Topf von der Kochstelle nehmen und etwas abkühlen lassen.

 

Backofen auf 250° vorheizen (Ober- und Unterhitze). Nachdem der Teig gegangen ist, eine Suchmeldung herausgeben. Falls er sich wieder einfindet, ihn ausrollen und auf Backpapier auf ein Blech legen. Die Soße darüber verteilen und mit dem kleingeschnittenem Dosenfleisch, Mozarellascheiben und dem geriebenen Käse garnieren. Am Ende noch etwas Oregano darüber streuen. Im Ofen ca. 15 Minuten backen. Heiß servieren!

Überlebenspizza

Mahlzeit!

Dr. House

Posted in Glotzophonie, Serienjunkietum with tags , , , , , on Sonntag, 28. Oktober 2007 by mediensucht

Alle Welt sieht Dr. House. „Warum eigentlich“ wollte ich wissen und schaute mir selbst mal eine Folge an. Früher kam ich nicht dazu, da ich den parallel auf Pro7 laufenden „Verzweifelten Hausfrauen“ verfallen war. Die verzweifeln nun einen Tag später, da die ärztliche Konkurrenz wohl doch zu groß war.

Nun kann ich den Hype um House also nachvollziehen. Ich schließe mich ihm sogar an, wenn auch nicht so euphorisch, wie es so manch Andere tun. Denn House ist anders. Er ist nicht der nette Doktor von nebenan. Er ist nicht der sympathische Frauenheld. Er ist ein Unsympath, ein Zyniker vor dem Herrn. House sagt meistens die Wahrheit, und mag sie noch so hart, so beleidigend, so lieblos sein. Genau diese Wesenszüge gefallen mir auch.

Der englische Schauspieler Hugh Laurie verkörpert den Doktor. Man kann nicht behaupten, dass er dem klassischen „Gott in Weiß“ entspricht. Ein typischer Frauenschwarm sieht anders aus – obwohl, ich kann mir schon vorstellen, dass Frauen auf einen solchen Typen „abfahren“. Angeblich kommt es nicht nur auf das Aussehen an! Dieser Doktor trägt kein Weiß sondern einen 3-Tage-Bart und humpelt unelegant durch die Krankenhausflure. Die Macher vergaßen aber nicht, zumindest einige sympathische (sexy?) Wesenszüge einzubinden. So fährt House ein fetziges Motorrad (Honda CBR 1000) und spielt daheim Stromgitarre.

Nach einigen Folgen kann ich folgendes sagen: Eine Folge ist immer in etwa gleich strukturiert. Eine Person fällt aus unerfindlichen Gründen um und kommt ins Krankenhaus – Vorspann. House und sein Team rätseln über die Ursachen, schmeißen dabei mit medizinischen Fachbegriffen nur so um sich und kommen der Krankheitsursache meist mittels Ausschlussverfahren näher. Auch hier ist nicht das Ziel interessant, sondern der Weg. Er führt über psychologische Abgründe, menschliche Tragödien und medizinische Fehlentscheidungen, die jede Folge neu „begangen“ werden. Das Alles gewürzt mit einem bitterbösen Humor und ein paar witzigen Nebenhandlungen machen Dr. House zu einer sehr sehenswerten Serie!

Update: Start der 5. Staffel in D

Resteverwertung – heute: Garnelen und Kokosmilch

Posted in Schlemmerei with tags , , , , , , on Sonntag, 28. Oktober 2007 by mediensucht

Da ich mein Tiefkühlfach mal wieder abtauen muss, fand sich darin eine 1-Kilo-Tüte entpanzerte und entdarmte Garnelen in 31/40er Sortierung zur Verwertung an. Dazu stand noch eine Dose Kokosmilch mit gerade abgelaufenem Haltbarkeitsdatum im Schrank. Was kann man daraus leckeres zaubern?

Garnelen haben einen wunderbaren Eigengeschmack, müssen also nicht unbedingt in einer Suppe ertränkt oder gar zu Wurst verarbeitet werden (ja, das kann man machen). Klassisch wäre ein kurzes Braten in Knoblauch, Chili und Öl.

Was mache ich nun mit der Kokosmilch? Was passt zu den Garnelen, ohne deren Geschmack zu erschlagen? Ich dachte an Risotto und ein Rezept namens „Mangoreis mit Kokoshähnchen“, was ich abwandeln wollte. Dann also ans Werk:

Zutaten:

für 4-5 Personen

  • 1 kg TK-Garnelen
  • Knoblauch
  • 1 Chili-Schote
  • Öl (aus Oliven)
  • Salz
  • 250 g Risotto-Reis
  • 1 Dose Kokosmilch (400 ml)
  • ca. 600 ml warme Brühe (Hühner- oder Rindsbouillon)
  • 200 ml Weißwein
  • 50 g Butter
  • 2 Zwiebeln
  • 3 Knoblauchzehen
  • 50 g Parmesan
  • 1 Mango
  • Salz, Pfeffer
  • evtl. Zitronensaft

Zubereitung:

2-3 Stunden vor Zubereitung die Garnelen in einer Schüssel kaltem Wasser auftauen lassen. Diese Auftaumethode ist schonender als Mikrowellenauftauen und schneller als das Auftauen an der Luft. Nach dem Auftauen die Garnelen abtrocknen lassen (z.B. auf Küchenpapier). Den Knoblauch pressen, die Chili-Schote zerkleinern. Das Capsaicin (die Schärfe) sitz übrigens in den Scheidewänden der Schote, die man daher auch entfernen kann. Beides mit Öl zu den Garnelen geben und marinieren lassen. Noch nicht salzen, da Salz nur unnötig Wasser entzieht.

Den Knoblauch und die Zwiebeln für das Risotto hacken und in der Butter anschwitzen. Dann den Reis dazugeben und ebenfalls kurz anbraten. Alles mit dem Weißwein ablöschen und reduzieren lassen. Nicht anbrennen lassen, sondern vorher etwas Brühe dazugeben, so dass der Reis damit bedeckt ist. Die Brühe, ich nahm eine Mischung aus Instantrinder- und Hühnerbrühe, sollte warm sein, so dass sich der Reis nicht zu sehr abkühlt. Zwischendurch immer etwas Kokosmilch dazugießen, die sich kochtechnisch wie Sahne verhält. Immer schön rühren!

Das Nachgießen so lange fortsetzen, bis der Reis die gewünschte Bissfestigkeit hat. Ich mag ihn etwas weicher. Kurz vor Ende die kleingewürfelte Mango dazugeben. Wenn auch die Mango heiß ist, das Risotto von der Kochstelle nehmen und den geriebenen Parmesan unterrühren. Erst jetzt mit Salz und Pfeffer nachwürzen, da der Parmesan schon salzig ist. Wer mag, kann das Ganze mit einem Spritzer Zitronensaft (natürlich frisch gepresst) abrunden.

Nun eine Pfanne auf hohe Temperatur bringen und die Garnelen scharf anbraten. Nach 2-3 Minuten, wenn sie eine rötlich-weiße Farbe angenommen haben, sind die Garnelen fertig. Nicht zu viele Garnelen gleichzeitig braten, da sonst die nötige hohe Hitze schwindet. Reis und Garnelen nebeneinander anrichten. Dazu passt der restliche Weißwein der Flasche.

Mango-Risotto mit Garnelen

Wohl bekomm’s!

Jesse James

Posted in Cinemanie with tags , , , , , on Freitag, 26. Oktober 2007 by mediensucht

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford ist zu lang (nicht allein von der Titellänge her). Allerdings ist das für mich die einzige Schwäche des Films. Da sich Regisseur Andrew Dominik so viel Zeit lässt, sind ihm zwei außergewöhnlich tiefe Porträts der titelgebenden Protagonisten gelungen. Er widmet sich dabei nicht nur dem „Nationalhelden“ Jesse James, sondern eben auch dessen Mörder Robert Ford. Dabei nähert er sich nicht auf reißerische Weise, sondern versucht nah an den historischen Fakten zu bleiben, ohne aber das eigene Interpretieren zu vergessen. Mit vielen kleinen Szenen charakterisiert er die beiden Hauptfiguren und deren Umfeld und lässt somit ein gewisses Nachvollziehen deren Handlungen zu. Die Charaktere sind sehr komplex. Es gibt kein einfaches Schwarz oder Weiß, was sich schon an der Tatsache erkennen lässt, dass die Amerikaner lieber den Banditen ehren als dessen Mörder.

Dass der Film dabei wertfrei sein soll, ist schlicht falsch, was am Titel schon zu erkennen ist. Weder Jesse James noch Robert Ford kommen gut davon. Ford wird zwar als Feigling und Weichei par excellence dargestellt, es wird aber nicht vergessen, die möglichen Gründe dafür zu zeigen. So wurde er meistens schlecht behandelt, holte sich schon in früher Kindheit einen Knacks in der Seele und wurde letztendlich von seinem Idol bitter enttäuscht. Dass James bei seiner Ermordung schon Heldenstatus besaß, war für Ford nicht gerade günstig. Auch James und seine Anhänger werden nicht als Helden glorifiziert. Vielmehr waren sie wohl streitlustig, launisch und wenig loyal. James selbst maß oft mit zweierlei Maß. Gegenüber seiner Familie und seinem Alltagsumfeld nett und redlich, war er bei Raubüberfällen brutal und selbstverliebt. Diese Zerrissenheit der Seele bringt Brat Pitt als Jesse James ausgezeichnet auf die Leinwand. Auch Casey Affleck glänzt als unsicherer, psychisch labiler Robert Ford.

Regisseur Dominik verzichtet fast gänzlich auf Knalleffekte. Die Spannung bezieht der Film aus dem Zusammenspiel seiner Figuren. Großen Anteil am Gelingen des Films haben auch Nick Cave bzw. Warren Ellis, deren zurückhaltender Score die psychische Spannung dezent unterstützt, und natürlich Roger Deakins. Dem Meister hinter der Kamera sind wieder wunderbare Bilder gelungen, die dem Film optisch den in der Handlung unerwünschten Knalleffekt geben.

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford ist ein großartiges Porträt eines Helden und eines Antihelden geworden, bei dem die Zuordnung von Gut und Böse schwer fällt. Keiner der Hauptfiguren ist wirklich sympathisch. Für mich war der Film historisch interessant und die Charaktere faszinierend. Damit ist der Film für Menschen mit Interesse an historischen Figuren eine Empfehlung wert!

8/10

(ebenfalls erschienen auf kino.de)

Schmidt und Pocher – die Erste

Posted in Glotzophonie with tags , , , , on Freitag, 26. Oktober 2007 by mediensucht

Nun ist sie also durch, die lang erwartete, oft gefürchtete und schon vorher niedergemachte erste Sendung von Schmidt und Pocher. Es gab, wie zu erwarten, eine gute Quote. 2,3 Millionen neugierige Haushalte schalteten ein – meiner Einer auch. Meine Befürchtungen lösten sich in Luft auf. Eigentlich lief alles wie früher. Schmidt sprach zuerst solo über das Tagesgeschehen und begab sich dann zu seinem Schreibtisch. Es folgte Pocher mit einer Tanznummer a la Michael Jackson. Das kannte man schon. Ein dämlicher Einstieg, der kurze Zweifel aufkommen ließ. Doch dann war schnell klar, dass Pocher eigentlich nur Manuel Andrack-Ersatz war – ehrfürchtiger Stichwortgeber quasi. Pocher versuchte Schmidt zu kopieren, ohne viel Eigenes einzubringen. Der Spiegel schrieb von einem Lehrer-Schüler-Verhältnis, was es wohl ganz gut trifft. Es bleibt also momentan alles beim Alten (der Schmidt heißt).

Wie geht es weiter? Die Quoten werden wie üblich zurückgehen, und das nicht nur, weil die Ur-Pocher-Fans sich wieder abwenden. Die Sendung ist seit Jahren gleich. Das ist zwar immer noch höheres Niveau, als man es von den Comedy-Formaten im Unterschichtenfernsehen kennt, doch merkt selbst Schmidt, dass er nicht weiter kommt. So versucht er den Staffelstab an einen Jünger(en) zu übergeben. Vielleicht wird ja aus dem Proll Pocher tatsächlich mal etwas, ist die Frage, ob es dann noch jemanden interessiert. Schmidt geht zum Theater, Pocher unter. Oder so …