Across The Universe

Soundtrack einer Generation

Ich gebe zu, ich bin voreingenommen! Meine musikalische Kindheit war geprägt von Beatles-Songs. Nein, so alt bin ich nicht, meine Eltern haben aber ihre musikalischen Spuren hinterlassen und mir „guten“ Musikgeschmack vererbt! So sah ich es nach der Sichtung des fantastischen Trailers von Across The Universe als meine Pflicht an, diesen Film im Kino zu sehen, ihn auf der großen Leinwand mit großem Sound zu erleben. Es hat sich gelohnt!

Wie aus dem Trailer schon zu erkennen (zu hören) ist, basiert der Film auf der interessanten Idee, eine Geschichte über die Lieder der Beatles zu erzählen. Das mag an sich noch nichts besonderes sein, doch gehen bei Musicalverfilmungen normalerweise die Lieder aus der Geschichte hervor und nicht umgekehrt. Hier lag also ein beeindruckendes Œuvre aus vielen Liebesliedern, aber auch aus politischen Songs vor, aus denen die Geschichte entstehen sollte: Within the lyrics of the world’s most famous songs lives a story, that has never been told! Erstaunlich, wie großartig dieses Vorhaben realisiert wurde!

Erzählt wird eine klassische Liebesgeschichte. In einer Zeit des politischen Umbruchs Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts versuchen zwei Jugendliche aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen mit sich und der Welt zurecht zu kommen. Jude, Hafenarbeiter aus Liverpool, verliebt sich auf der Suche nach seinem Vater in den USA in Lucy aus gutbürgerlichem Haus. Wegen des Vietnamkrieges kommt es zu Studentenunruhen, die auch das Leben der zwei Liebenden beeinflussen.

Das Schöne an Across The Universe ist, dass die Geschichte mit den Songs vorangetrieben wird, sie nicht etwa in musikalischen Pausen verweilt und nur die klassischen Filmelemente zum Fortgang beitragen. Der Übergang von Gesprochenem zum gesungenem Beatlestext ist fließend. Zudem dienen die Lieder zur Charakterzeichnung der Figuren und geben tiefe Einblicke in ihre Seele. So ist der Film trotz der vielen Gesangseinlagen erfreulich komplex. Gerade durch die Liedtexte gewinnt er ungemein. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist natürlich die Musik selbst. Sie wird seit jeher (und gerade im Film) als Transportmittel für Emotionen benutzt, hier ist sie nicht nur Hintermalung sondern Hauptdarsteller.

Sämtliche Beatles-Songs wurden neu interpretiert. Einige sind nah am Original, andere wiederum transportieren eine ganz andere Stimmung. Aus dem beschwingten „I Want To Hold Your Hand“ wurde beispielsweise eine feinsinnige Ballade. Viele Interpretationen gefielen mir sogar besser als die teils etwas angestaubten Originale. Eine außerordentliche Arbeit von Elliot Goldenthal, der die Songs der Fab Four bearbeitete. Über die gesanglichen Qualitäten der Darsteller lässt sich streiten. Jim Sturgess (Jude) und Evan Rachel Wood (Lucy) klingen nicht nach jahrelanger Gesangsausbildung. Mir waren die nicht makellosen Stimmen aber sehr sympathisch, da sie doch in die Rollen der „normalen“ Jugendlichen passten, sie nicht unnötig abgehoben erscheinen ließen.

Optisch ist der Film ein Knaller! Gemeinsam mit Kameramann Bruno Delbonnel (Amelie, Mathilde) und Produktionsdesigner Mark Friedberg (Die Tiefseetaucher) zeichnet Regisseurin Julie Taymor (Frida) nicht nur ein buntes Bild einer ereignisreichen Zeit, sondern macht aus jedem Song ein Ereignis für die Sinne. Da gibt es bunte Zirkusnummern, die an Monty Python erinnern. Da fliegen vietnamesische Bäuerinnen übers Wasser, als wären sie einem asiatischen Fantasiespektakel entsprungen. In einer von schrägen Einfällen sprühenden Sequenz wird die Einziehung von Judes Freund Max (Joe Anderson) zum Militär zum gruseligen Puppentheater während Uncle Sam unermüdlich „I Want You“ propagiert. Ebenfalls großartig ist die Pinwand aus Erdbeeren und andere grandiose Symbolik zu „Strawberry Fields Forever“.

Nicht unerwähnt bleiben sollen die amüsanten Gastauftritte. In kleinen Nebenrollen gibt es da etwa Joe Cocker, Bono von U2 und Salma Hayek zu sehen. Daneben gibt es noch einige schöne Anspielungen auf die damalige Zeit. So ist das Musikerpaar Sadie (Dana Fuchs) und Jo-Jo (Martin Luther McCoy) Janis Joplin und Jimi Hendrix verdammt ähnlich. Natürlich spielen auch Sex, Drugs und Rock’n’Roll eine Rolle.

Eine gewisse politische Aussage möchte ich dem Film nicht absprechen, von größerer Relevanz in dieser Hinsicht ist er aber nicht. Er soll Spaß machen und die Atmosphäre einer Zeit fühlbar machen. Er will mit wunderbarer Musik eine herzerwärmende Geschichte erzählen. Es ist eigentlich überflüssig, zu erwähnen, dass man die Musik der Beatles nicht hassen sollte, um ihn zu mögen. Der Film ist aber mehr als Musik: Across The Universe transportiert das Lebensgefühl einer Zeit und ist damit der Soundtrack einer Generation!

9/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)

7 Antworten to “Across The Universe”

  1. Es nervt mich echt, dass ich den Start des Films hier verpennt habe – und er dann kurze Zeit nach dem Start schon wieder im Nachmittagsprogramm gelandet bzw. in Köln mittlerweile ganz aus den Kinos verschwunden ist. Ich hoffe, dass er bald ins Rex kommt und ich ihn dann bald sehe. Schätze doch, dass er ziemlich sicher meinen Geschmack treffen dürfte… Vielleicht seh ich ja dann in diesem Kinojahr noch was herausragendes…

  2. Sieht in Berlin ähnlich aus. Da der Film schon relativ dünn gestartet ist, bin ich gleich am ersten Tag rein. Könnte mir schon vorstellen, dass er Dir gefällt. Wie immer: keine Garantie von mir! 🙂 Mir hat er sehr gefallen. Vielleicht bin ich aber auch nur auf einem Evan Rachel Wood-Trip. Habe in letzter Zeit gleich drei Filme mit ihr gesehen, wobei ich mich immer wieder frage: Warum zur Hölle Marilyn Manson?!

  3. Hallo Gunter,
    habe von BigBrother nie eine Rückmeldung bekommen, kann dir aber mitteilen, dass CBC Hannover dringend Server-Leute sucht. Hoffe bei dir is alles fit und in eigener Sache: Mein Film läuft Anfang 2008 auf der Transmediale in Berlin… Termine auf meiner Website…

    Greetz,
    David

  4. Danke David, schaue mich dann mal in Hannover und auf Deiner Seite um! Geruhsame Tage (das nennt man wohl Utopie)! Grüße

  5. […] Across The Universe Hatte ja so meine Zweifel, hier darf man aber sagen, dass die vom Trailer geschürten Erwartungen nicht enttäuscht wurden. Klar ist der Film eine Aneinanderreihung von Musikvideos, man hat es aber tatsächlich geschafft, die Stücke interessant und spannend mit einer Geschichte zu verknüpfen, die mitreißt. Die Beatles-Interpretationen sind gelungen und die Bilder teils fantastisch. Hat mir sehr gut gefallen! 9/10. Mehr in der Kritik. […]

  6. […] Jim Sturgess – I’ve Just Seen A Face 1:42 Musik aus dem Film Across The Universe – Empfehlung für alle […]

  7. […] The Universe Ist mir weiterhin äußerst sympathisch! […]

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