Die Schwester der Königin

Drama, Baby!

schwester_der_k1.jpg Elisabeth I. herrschte in England von 1558 bis 1603 und prägte das nach ihr benannte Elisabethanische Zeitalter. Es kam zu Glanzleistungen auf verschiedenen Gebieten wie Literatur (Shakespeare), Wissenschaft (Bacon) und Forschung (Drake). Ihr sind viele Filme gewidmet, zuletzt Elizabeth – Das Goldene Königreich von Shekhar Kapur mit der wunderbaren Cate Blanchett. Die historischen Grundlagen für den Erfolg von Elisabeth I. schafften aber schon ihre Vorgänger(innen). Vater Heinrich VIII. wandte sich vom Papst und der katholischen Kirche ab und kreierte mit seiner Ehepolitik ein Chaos, aus dem Elisabeth erst als Herrscherin hervorgehen konnte. Insofern ist es durchaus interessant, die Ereignisse vor Elisabeth mittels eines Films genauer zu beleuchten.

Um den Status der Familie zu erhöhen, schickt ihr ehrgeiziger Vater Sir Thomas Boleyn die zwei Schwestern Anne (Natalie Portman) und Mary (Scarlett Johansson) an den Hof des englischen Königs Heinrich VIII. (Eric Bana). Dessen Frau Katherine von Aragon (Ana Torrent) kann ihm keinen Sohn und Thronfolger gebären. Heinrich wendet sich Mary zu, die ihm einen Sohn schenkt. Nun bringt sich aber Anna ins Spiel und verführt den König. Sie gibt sich Heinrich aber nur voll und ganz hin, wenn sie auch Königin wird …

Regisseur Justin Chadwick setzt voll und ganz auf Drama. Er verzichtet weitestgehend auf optische Spielereien. Nur einige Einstellungen mit einer Art Schlüssellochkamera sind erwähnenswert. Die Ausstattung ist historisch korrekt, aber im Vergleich zu Kapurs Filmen eher zurückhaltend. Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel der Figuren. Das Drehbuch von Peter Morgan (Die Queen) nach einer Vorlage von Philippa Gregory bietet ausreichend Raum, das Innenleben der Figuren nach außen zu kehren. Genau hier liegt auch die Stärke des Films. Portman und Johansson besitzen das Können, diese Vorgaben auch umzusetzen. Selbst Eric Bana spielt, obwohl der Fokus auf den Damen liegt, seinen Heinrich VIII. in den zeitlich begrenzten Szenen so, dass man mehr als nur den Frauen-verschlingenden Monarchen erkennt.

Ein gewisses historischen Grundwissen ist sicher nicht von Schaden, um die Bedeutung des Gezeigten einordnen zu können. Der Film funktioniert aber auch als eindringliches Kammerspiel. Es gibt viele Szenen von prickelnder Spannung, die den Zuschauer mitreißen. Als die zwei Schwestern, vom König als neue Hofdamen eingesetzt, bei der übergangenen Königin vorsprechen, wird Mary nach ihren Fähigkeiten befragt. Sie muss widerwillig ein Lied singen und wird von der Königin der Lächerlichkeit preisgegeben. Ohne großes Tamtam inszeniert, spürt der Zuschauer sofort den Schmerz der Königin, er leidet mit der vom Vater an den Hof gezwungen Mary – eine brillante kleine Szene.

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Chadwick hält sich mit kleineren Anpassungen an die historischen Grunddaten, ohne aber das Spekulieren zu vergessen. Natürlich sind die genauen Abläufe in den königlichen Gemäuern nicht bis ins Detail bekannt, Chadwick macht seine Version aber für den Zuschauer nachvollziehbar. Mit der heutigen Welt sind die Beweggründe der Figuren nicht zu vergleichen, im geschichtlichen Kontext aber stimmig. Dank Chadwick verkommt der Film nicht zu einer spätmittelalterlichen Seifenoper. Die Schwester der Königin ist ein packendes und intimes Geschichtsdrama mit zwei ausgezeichneten Hauptdarstellerinnen. Für kitschigen Bombast ist dagegen ein Inder zuständig …

8/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)

Eine Antwort to “Die Schwester der Königin”

  1. […] relativ korrektes Geschwisterdrama mit guten Schauspielern und toller Atmosphäre! Ordentlich! Siehe Kritik. […]

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