Archiv für Januar, 2008

Kurzkritiken – Januar 2008

Posted in Cinemanie with tags , , on Donnerstag, 31. Januar 2008 by mediensucht

Kurzkritiken zu den Filmen, die ich diesen Monat im Kino, TV oder auf DVD sah:

Blood Simple
Endlich auch gesehen. Verdammt starkes Debüt der Coens. Besonders gefallen hat mir die Kamera von Sonnenfeld (ebenfalls sein Spielfilmdebüt). Die eigentlich klassische Geschichte über fehlerhafte Kommunikation und Vertrauen erinnerte in der Umsetzung etwas an Leone. Sehr gut! 8-9/10

Sterben für Anfänger
So schwarz, wie erwartet, war diese Komödie gar nicht. Leider auch nicht sonderlich lustig. Es gab zwar einige witzige Einfälle, die aber so derartig breitgetreten werden mussten, dass es langweilig wurde. Mittelmaß: 4/10

Verführung einer Fremden
Leidlich spannender Thriller mit einem Hauptdarstellerpaar, bei dem die Chemie nicht stimmte. Verworrene und teils dämliche Story – uninspiriert umgesetzt. 3/10

The Illusionist
Nicht ganz so komplex wie THE PRESTIGE, aber dennoch atmosphärisch und optisch gut umgesetzt. Nette Unterhaltung mit geschichtlichem Touch! 7/10

Rezept zum Verlieben
Verbleibt zu stur in den Genregrenzen und macht auch kulinarisch nichts her. Altbackene Geschichte und zu viele Klischees, dann lieber Ratten beim Kochen beobachten ;o) 3/10

Keinohrhasen
Nun doch gesehen. Ich mag den Schweiger zwar nicht so, gestehe ihm aber zu, dass er ein gutes Gespür für Stoffe hat. Nicht auszudenken, wie erfolgreich seine Filme wären, würde er nicht mitspielen. Hier geht Schweiger „back to the roots“ und macht mal wieder eine gute deutsche romantische Komödie mit lustigen Dialogen und gutem Musikeinsatz. Wer die zwei Hauptdarsteller nicht mag, ist freilich verloren. Ich fühlte mich bestens unterhalten. 7-8/10

Nachdem ich zwei Kritiken zu den Filmen Control (Sneak) und The Darjeeling Limited geschrieben hatte, musste ich mir die Filme natürlich auch mal ansehen. Und was soll ich sagen, die Kritiken sind genau meiner Meinung!

Alpha Dog
Tja, was war das? Eine Mordrekonstruktion? Eine Jugendmilieustudie? Dieses amerikanische Proletenmilieu ging mir jedenfalls mächtig auf den Zeiger. Diese Realität will ich nicht in Filmen sehen, auch wenn sie gut umgesetzt sein mag. Ohne Wertung, eher zum Kotzen!

Ali (TV)
Tatsächlich das erste Mal gesehen. Selten habe ich so wenig zu meckern an einem Michael Mann-Film, was allerdings bisher auf hohem Niveau geschah. Schön, wie Mann teilweise über die Musik erzählt, wie atmosphärisch die Aufnahmen sind und wie stark Will Smith spielt. Die Boxszenen waren sehr gut umgesetzt – nicht zu pathetisch, aber auch nicht langweilig. Sehr gut! 8/10

Krieg und Frieden (TV)
Ich quäle mich durch! Teil 3 ist nun auch überstanden. Der Vierteiler ist zwar gut ausgestattet, aber sonst stimmt gar nichts! Miese Besetzung, saumäßige Dialoge, abgekupferte Musik, altmodische Optik und unspannende Erzählweise. Aber ich will ja wenigstens wissen, worum es in dem Wälzer geht …

Märzmelodie (Preview)
Siehe Kritik.

Once (Sneak)
Ähm, siehe Kritik.

I Am Legend
Schöner Anfang, der über die üblichen Endzeit-Zombie-Geschichten hinausgeht. Das Ende ist einfach nur ärgerlich! 6/10

Die Hollywood-Verschwörung
Die Geschichte um die Aufklärung eines Mordes im Hollywood-Milieu und der recht gute Cast wurden leider als Potential nicht genutzt und in einer langatmigen, wenn auch optisch ansehnlichen Inszenierung verbraten. 5/10

Beowulf
Die Frage, die sich mir die ganze Zeit stellte, war, warum diese Sageninterpretation absichtlich so scheiße aussehen musste. Ansonsten viel Tamtam um fast nichts! 3/10

Ice Age 2
Insgesamt nette Fortsetzung, die für mich aber viel zu kindgerecht daherkommt. Ich zähle mich mal nicht zur Zielgruppe, daher ohne Wertung!

Die Band von nebenan (Sneak)
Naja, der große Knaller war es nicht. Der Film hat zwar einige mit wunderbar sanftem Humor erzählte Szenen und sympathische Figuren, langweilt aber auch des Öfteren. 6/10

Brücke nach Terabithia
War äußerst positiv überrascht! Der Film ist herzerwärmend und traurig. Er ist wunderbar zurückhaltend inszeniert: Verstärkung durch Reduktion ist hier das Motto. Schöne Abwechslung zum üblichen Effektoverkill! 8/10

Shrek der Dritte
Dieser Film ist für mich wie Flasche leer! Völlig die Luft raus. Vom Charme des 1. Teil kaum noch etwas zu spüren. Noch so 3-4/10

Chuck und Larry
Schon irgendwie witzig, dass der Film Schwulenrespekt propagiert, dann aber jedes dämliche Klischee bemüht und einen Schwulenwitz nach dem anderen raushaut. Wenn’s wenigstens lustig wäre … 3/10

Die Fremde in mir
Wäre das dämliche Ende nicht, hätte man über diese psychologisch interessante und weitestgehend gut gemachte Rachegeschichte nicht viel meckern können. So bleibt ob der doch zweifelhaften Moral am Ende ein sehr fader Beigeschmack. 6/10

My Blueberry Nights
Distanziert wirkende, mit inszenatorischen Fehlern behaftete Lovestory, die nur streckenweise überzeugen kann. 6/10

Into The Wild (Sneak)
8/10. Wofür? Siehe Kritik!

Der Date Profi
Schrecklich … langweilig. Hätte ich auch vorher ahnen müssen, wo doch Ben Stiller mitspielt. 1/10

Shoppen
Auch bei der zweiten Sichtung noch erstaunlich kurzweilig. 8/10

Shoot ‚Em Up
Fuck me sideways, was für eine saucoole Gagascheiße! Hat Spaß gemacht! 8/10

Hitman
Gar nicht mal so schlecht, wie erwartet. Klassische Actionkost, die aber recht ansprechend präsentiert wird. 5/10

Into The Wild

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , on Mittwoch, 30. Januar 2008 by mediensucht

Spoilerwarnung: Dieser Beitrag verrät Inhaltliches!!!

Eine Liebeserklärung

into_the_wild_movie_poster.jpgIm August 1992 fand eine Gruppe Elchjäger mitten in Alaska in einem alten Buswrack eine abgemagerte Männerleiche. Es handelte sich um Christopher McCandless, der sich zwei Jahre zuvor ohne große Erklärungen von seinem bisherigen Leben verabschiedet hatte. Zunächst machte sich der Autor Jon Krakauer an die Geschichte von Chris, arbeitete mit Hilfe seiner Familie das Leben auf und versuchte die letzten Ereignisse zu rekonstruieren. Sein Buch In die Wildnis (1996) wurde zum Bestseller. Nun wagte sich Sean Penn mit seiner vierten Regiearbeit Into The Wild an den Stoff.

Mittels leicht verschachtelter Erzählweise versucht Penn einen Weg ins Innere von Chris zu finden, um seine Handlungen nachvollziehbar zu machen. Um es gleich zu sagen, es gelingt ihm nicht wirklich, was allerdings auch fast unmöglich erscheint. Chris war ein zu schwieriger Charakter, ein Idealist, vielleicht auch ein Verrückter, auf jeden Fall aber ein Suchender. Was er genau suchte, ist nur erahnbar. Insofern ist es Penn hoch anzurechnen, dass er sich im Film nicht festlegt. Er präsentiert Ansätze, durchläuft Gedankengänge, ohne allerdings den letzten Schluss zu ziehen.

Penn erzählt hauptsächlich von Chris’ Reise. In einigen Rückblenden wird etwas Vorgeschichte gezeigt. Chris hatte die Konsumgesellschaft satt. Er litt unter den Zwängen des Elternhauses und der Gesellschaft. Sein „Ausbruch“ war präzise geplant, was man von seiner Reise nicht behaupten kann. Nur das Ziel Alaska stand fest, was ihn nach der Lektüre von Jack London faszinierte. Das Vermögen wurde gespendet und der Kontakt zur Familie abgebrochen. Auf seiner Reise lernte Chris als „Alexander Supertramp“ einige Menschen kennen und vielleicht auch lieben, ging am Ende aber doch seinen eigenen Weg.

Beim Hauptaugenmerk des Films macht es Penn seinem Helden nach. Die Natur steht im Mittelpunkt. Mit vielen beeindruckenden Landschaftsaufnahmen versucht Penn etwas von Chris’ ersehntem Ziel einzufangen. Dabei sieht der Film aus wie eine Liebeserklärung an die USA. Hier zeigt sich, dass dieser politisch so kontroverse Charakterkopf Penn eigentlich ein Patriot ist und sich bei aller Kritik am Establishment um sein Land bemüht. Seine Bilder von Chris’ Begegnungen mit der Natur sind kraftvoll bis einfühlsam, die Menschen auf der Reise sympathisch. Manchem mag das als zuviel Land und Leute und zu wenig kritische Reflexion erscheinen, es kommt der Suche von Chris aber wesentlich näher als eine ernste Lehrstunde mit Gesellschaftskritik. Die auf den ersten Blick erschreckende Zahl von 148 Minuten Filmlänge sind selten langweilig oder uninteressant, dennoch ist der Film etwas zu lang geraten.

Jungstar Emile Hirsch schafft die Balance zwischen jungem naiven Highschoolabgänger und ernsthaftem Naturburschen mit klarem Ziel vor Augen. Auch die Abmagerung am Ende erscheint glaubhaft. Die Nebenrollen sind passend besetzt nur William Hurt und Marcia Gay Harden als Elternpaar wirken blass. Das mag aber auch an der Gewichtung durch Penn liegen, dem der aktuelle Weg von Chris bedeutender erscheint als das ehemalige Elternhaus.

Sean Penn ist ein beeindruckendes Porträt eines Aussteigers gelungen. Dabei setzt er genau auf die richtigen Elemente eines Lebens, dessen Ende zwar immer noch rätselhaft bleibt, dessen Antrieb aber eine Faszination ausübt, um einen ganzen Film zu tragen. Am Ende muss sich Chris eingestehen, dass man nur wirklich glücklich sein kann, wenn man sein Glück mit einem Menschen teilen kann. Er entschwindet dieser Welt allein, aber dennoch mit einem Lächeln auf den Lippen, so als ob er sein Ziel erreicht hätte, was auch immer es tatsächlich gewesen sein mag.

8/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)

Märzmelodie

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , on Freitag, 18. Januar 2008 by mediensucht

Die Schlager Süßtafel

Liebesfilme gibt es viele. Zudem sind sie fast immer ähnlich aufgebaut. Ein potentielles Paar lernt sich kennen, muss eine Krisensituation überstehen und findet am Ende doch wieder zusammen. Ähnlich verhält es sich auch bei Märzmelodie. Entscheidend ist aber eine spezielle Idee in der Umsetzung oder in der Geschichte, die den Film vom Einheitsbrei absetzt, die ihn zu etwas Besonderem werden lässt. Diese Idee scheint Regisseur und Drehbuchautor Martin Walz gehabt zu haben.

Grundschullehrerin Anna kommt mit ihren Schülern nicht zurecht. Ihr wird das Leben zur Hölle gemacht, sie ist nervlich am Ende. Der Schauspieler Thilo versucht erfolglos eine gute Rolle zu bekommen und muss sich mit einem Telefonjob als Weinverkäufer über Wasser halten. Der Versuch ihrer Freunde, die beiden tragischen Figuren miteinander zu verkuppeln, scheitert vorerst auf seltsame Weise …

Auch diese Geschichte verläuft nach Schema F. Doch hier kommt die kleine, aber feine Idee ins Spiel. Wie aus dem Nichts fangen die Protagonisten des Films plötzlich an, Playback zu kurzen Passagen aus deutschen Schlagern zu singen. Das wirkt im ersten Moment etwas befremdlich und könnte aus einem Sketsch der Monty Pythons stammen. Nach den zwei Zeilen Schlagertext geht es stur weiter im Programm, als wäre nichts gewesen. Nach kurzer Zeit gewöhnt man sich aber daran und erheitert sich bei jedem Schlagerintermezzo, wenn man es nicht schon von Anfang an komisch fand.

Als Repertoire dienen Schlager aus fünfzig Jahren deutscher Musikgeschichte. Das fängt an mit Zarah Leander und führt über Udo Lindenberg und Rio Reiser bis zu den Wise Guys. Frei nach dem Motto „Die Musik erzählt die schönsten Liebesgeschichten“ werden zwei oder drei prägnante Textzeilen aus den Songs genommen und den Schauspielern in den Mund gelegt. Dabei unterscheidet sich diese Herangehensweise klar von einem Musicalfilm, wo ganze Lieder von den Schauspielern gesungen werden.

Um auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, muss man natürlich sagen, dass so eine Idee noch keinen guten Film macht. Doch auch hier punktet Märzmelodie mit den genreüblichen Elementen. Die Hauptcharaktere sind sympathisch bzw. nett-verschroben. Alexandra Neldel spielt fast herzzerreißend bemitleidenswert die gequälte Lehrerin. Jan Henrik Stahlberg glänzt als unbeholfener Weinverkäufer mit schrägem Tick. Das Setting zwischen Schicki-Micki-Schauspieler-Milieu und Bierkneipe weiß zu gefallen. Alles wirkt trotz komödienüblicher leichter Überzeichnung relativ authentisch.

maerzmelodie2.jpg

Märzmelodie ist keine Revolution der Liebesfilme, erfreut aber mit einer netten Idee, liebenswürdigen Figuren und einer charmanten Umsetzung. Märzmelodie ist mal wieder eine locker-leichte Liebeskomödie aus deutschen Landen, die insgesamt zwar wenig Aufsehen erregen wird, aber so originell und sympathisch ist, dass es mir eine Empfehlung wert ist.

(Die Besprechung bezieht sich auf das Original mit durchsichtigen Untertiteln)

8/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)

Once – Independent Pathos

Posted in Cinemanie with tags , , , , on Freitag, 18. Januar 2008 by mediensucht

Independent Pathos

Independentfilme sind zumeist „kleine“ Filme: Sie sind mit geringem Geldeinsatz und unter hohem Zeitdruck hergestellt, dafür gehen sie kreativ mit ihren Geschichten um und erzählen, ohne den Hollywood-Erzählmustern zu folgen. (wikipedia)

once.jpgSoweit die Definition aus dem Onlinelexikon. Die Vor- und Nachteile scheinen angesprochen. Ähnlich verhielt es sich tatsächlich mit Once, einer Independentproduktion aus Irland. Das Geld reichte gerade für eine DV-Kamera, der Film wurde in nur zwei Wochen abgedreht. Die Geschichte ist einfach, die Schauspieler unerfahren und dennoch funktioniert der Film und heimste schon auf mehreren Festivals Preise ein.

Ein Straßenmusiker mit Gitarre, der mit der Musik seinen Lebensunterhalt aufbessert und eigentlich Staubsauger repariert, trifft eine Blumenverkäuferin mit Emigrationshintergrund, die nebenbei putzt und damit versucht, ihre Familie zu versorgen. Ihr gefällt seine Straßenmusik. Es stellt sich heraus, dass sie relativ gut Klavier spielen kann, so dass sie schnell zusammenfinden und eine CD aufnehmen wollen. Beide Protagonisten versuchen mit ihrer Musik ihre verflossenen Lieben aufzuarbeiten und kommen sich dabei näher.

Der Film lebt durch seine Musik. Die Lieder im Songwriter-Stil sind einfühlsam und wirken echt. Komponist Glen Hansard übernahm nach der Absage des ursprünglichen Schauspielers die Hauptrolle des Straßenmusikers gleich selbst, was dem Film sehr gut steht. Irischer Charme und die Bodenständigkeit machen ihn ziemlich sympathisch. Ebenso verhält es sich mit seinem Gegenüber. Die tschechische Pianistin wird von Markéta Iglová gespielt, die wahrlich nicht aus dem Model-Katalog entstammt. Da sich beide Schauspieler wohl schon vorher kannten, stimmt die Chemie, was man in jeder Sekunde des Filmes merkt.

Die Liebesgeschichte ist im Vergleich zu den üblichen Hollywoodproduktionen sehr feinsinnig und zurückhaltend inszeniert. Besonders bemerkenswert war für mich die Szene des ersten musikalischen Zusammenspiels der beiden Hauptfiguren. Unterstützt durch die sensible, aber auch kraftvolle Musik öffnen sie ihr Inneres, teilen gemeinsamen Schmerz, finden über diese emotionalen und musikalischen Gemeinsamkeiten zueinander. Eigentlich einfach gemacht, aber sehr wirksam und eindrucksvoll.

Die Bilder wirken dagegen billig. Der Film sieht fast einem Dokumentarfilm ähnlich. Auf Ausleuchtung wurde ganz verzichtet. Es wackelt gewaltig. Schöne Kinobilder sind aber etwas anderes. Manchem mag dieser vermeintlich authentische Stil gefallen, meiner Philosophie entspricht er nicht. Gerade Kinobilder sollten auch Kinobilder sein. Man nimmt schließlich als Musiker auch eine CD auf und beschränkt sich nicht auf eine Audiokassette.

Das Schöne an Independentfilmen ist, dass sie, wie oben schon erwähnt, auf übliche Hollywoodmuster verzichten. Eine Liebesgeschichte lebt also beispielsweise durch die Darsteller oder durch die Musik. Dieses Konzept geht auch weitestgehend auf, nur leider wirkt sich dieser vermeintliche Vorteil zum Ende hin als etwas zu nerviges Detail aus. Die Musik, die doch eigentlich die Geschichte transportieren sollte, stellt sich in den Mittelpunkt. Sie übertönt jede Szene, verkleistert die zuvor so liebevoll inszenierten Nuancen der Beziehung, macht die Liebesgeschichte viel zu pathetisch und schwülstig. Das hat mich dann doch etwas verstört zurückgelassen.

Insgesamt ist Once ein schöner Musiker-Film. Die Geschichte ist liebenswert und ungewöhnlich erzählt, die Atmosphäre stimmt trotz mangelhafter Optik. Leider suhlt sich der Film gegen Ende hin in seiner Unabhängigkeit, vergisst seine Zurückhaltung und wird pathetisch und überzeichnend. Schade!

7/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)

Kleine Videoshow 2

Posted in Videomanie with tags , , on Montag, 14. Januar 2008 by mediensucht

Zur Abwechslung mal wieder ein paar witzige Videos:

Die Achse des Blöden (mehr hier)

Keine Flaschen wegwerfen!

Werbung für die urkrainische Armee

Mehr Kopffreiheit in Flugzeugen!

Schäuble vor Google

Posted in Sucht des Tages with tags , , on Sonntag, 13. Januar 2008 by mediensucht

Google oder Yahoo? Die neue Top-Suchmaschine heißt Schäuble. Das Mitte letzten Jahres gestartete Angebot ist nun das Meistverwendeste. Die revolutionäre Trojanertechnologie hat in nur kürzester Zeit zum großen Erfolg der Suchmaschine geführt.

schaeuble-suchmaschine.jpg

(per Mail erhalten, dürfte dem ein oder anderen schon bekannt sein)

Control

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , , , on Mittwoch, 9. Januar 2008 by mediensucht

Lost Control

control.jpgEin rechtzeitiger Tod ist der Freund des Musikers. Das zumindest liegt nahe, wenn man sich die Karrieren und die Berühmtheit einiger Musiker ansieht. Ganz so ist es natürlich nicht. Gewaltigen Einfluss hat auch die Musik, die der Künstler vor seinem Ableben produziert hat. Im Falle von Joy Division, deren Sänger Ian Curtis in Control porträtiert wird, kommt hinzu, dass aus der Band nach dem Tode Curtis` New Order hervor gingen, die den Namen Joy Division erst bedeutsam machten. Nun weiß man freilich nicht, was aus Joy Division ohne die tragischen Ereignisse um Curtis noch geworden wäre. Eigentlich handelt es sich bei Joy Division um eine Art Eintagsfliege, die eben den großen Hit Love Will Tear Us Apart landeten und es auf eher magere zwei Alben schafften.

Ein Fan von Joy Division war der Anton Corbijn, der angeblich wegen der Band nach Manchester zog und Musikerfotograf wurde. Später drehte er Musikvideos für viele bedeutende Künstler. Nun wagte er sich an ein Porträt von Ian Curtis und bekam Unterstützung von dessen Ex-Frau und seiner Geliebten. Eine ziemlich genaue Rekonstruktion der Ereignisse schien also gewährleistet. Man fragte sich, ob die filmische Umsetzung interessant würde.

Corbijn drehte in Schwarz/Weiß. Seine Bilder zeugen von fotografischem Können. Jede Einstellung ist fantastisch anzusehen. Man könnte meinen, es wurden einfach Fotografien zu einem Film zusammengesetzt. Der Film sieht wirklich gut aus. Das Gehirn verbindet mit den S/W-Aufnahmen automatisch etwas Historisches und teils auch Düsteres, was eine ganz spezielle Atmosphäre schafft, die der Musik von Joy Division relativ nahe kommt. Zumindest optisch ist Corbijn nichts vorzuwerfen.

Dem Film fehlt es aber an Substanz. Die eigentliche Bandgeschichte gibt nicht viel her, bei der Beschreibung des Seelenlebens von Curtis konnten die Macher nur spekulieren. Es war nie wirklich klar, was in Curtis vorging, warum er sich letztendlich umbrachte. In dieser Hinsicht bringt auch das Drehbuch auf der Handlungsebene nichts Neues. Einzig und allein Curtis-Darsteller Sam Riley ist es zu verdanken, dass man eine Bindung zur Hauptfigur bekommt. Der hervorragend besetzte und brillant agierende Riley sieht nicht nur Curtis verdammt ähnlich, er verschafft seiner Figur auch so etwas wie emotionale Tiefe. Ähnliches kann man von Alexandra Maria Lara leider nicht behaupten. Sie spielt die Freundin von Curtis und darf nicht mehr, als ihm schöne Augen zu machen. In den mit Piepsstimme vorgetragenen Dialogen zwischen den Beiden herrscht Substanzlosigkeit und emotionale Tristesse. Überhaupt scheinen die Dialoge aus dem Katalog für Daily Soaps entnommen zu sein. Hier macht sich Corbijn einiges kaputt, was er sich technisch aufgebaut hat. Ebenso trüben einige erzählerische Längen den Gesamteindruck.

Control ist optisch sehr gut umgesetzt, kann auf emotionaler Ebene aber nicht das halten, was er mit seinem Titel verspricht, nämlich den Kontrollverlust seiner Hauptfigur spürbar zu machen. Als schön anzusehendes Künstlerporträt mit einem gut aufgelegten Hauptdarsteller taugt der Film allemal. Wer sich weder für die Musik noch für schöne S/W-Bilder interessiert, kann sich den Film getrost sparen.

6/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)