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81st Annual Academy Awards – Die Oscars 2009

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , , on Montag, 23. Februar 2009 by mediensucht

Die Oscars 2009 – Sieger und Kommentare

Es ist zwar jedes Jahr das Gleiche, man schaut die Oscars, amüsiert sich mehr oder weniger, ärgert sich über manch „politische“ Entscheidung der Academy, schaltet aber dann nächstes Jahr wieder ein. So war ich dieses Mal auch wieder live dabei. Als deutscher Normalkinobesucher habe ich einige Filme, die nominiert waren, noch nicht gesehen, da sie hier noch nicht offiziell angelaufen sind. So bleiben mir als Anhaltspunkte zur Bewertung nur die Trailer und das Œuvre der Nominierten. Hier mein kleiner Rückblick:

Die Show: Dieses Jahr durfte Hugh Jackman im Kodak Theatre als Host ans Mikro. Als langjähriger Musicaldarsteller sollte Jackman keine größere Mühe mit dem Job gehabt haben. Und gleich zu Anfang stellte er sein Können unter Beweis. Schöne Musicalnummer, die auch gleich Standing Ovations provozierte. Ganz im Zeichen des Musicals stand dann auch der Abend. Die Präsentatoren der Sieger waren zwischendurch mal mehr, mal weniger witzig. Einige Hänger und viel Werbung gab’s auch wie üblich. Insgesamt eine ziemlich biedere Show ohne Überraschungen in der Inszenierung.

Die Gewinner (in Reihenfolge der Präsentation):

Nebendarstellerin (Actress in a Supporting Role)
Nominierte:
Amy Adams in “Glaubensfrage” (”Doubt”)
Penélope Cruz in “Vicky Cristina Barcelona”
Viola Davis in “Glaubensfrage” (”Doubt”)
Taraji P. Henson in “Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
Marisa Tomei in “The Wrestler”
Gewinnerin: Penélope Cruz in “Vicky Cristina Barcelona”
Kommentar: Ich habe auf Marisa Tomei getippt, Cruz geht aber auch in Ordnung. Interessant, dass Cruz nicht Woody Allen dankte, sondern Almodovar, der sie „groß“ gemacht hat und an dem sich Allen wohl auch bei Cruz‘ Rolle in „Vicky Cristina Barcelona“ orientiert hat.

Originaldrehbuch [Writing (Original Screenplay)]
Nominierte:
“Frozen River”
“Happy-Go-Lucky”
”Brügge sehen … und sterben?” (”In Bruges”)
“Milk”
“Wall-E”
Gewinner: Milk
Kommentar: Habe in diesem starken Feld auf „Milk“ getippt, der ja auch gewonnen hat. Konnte den Film leider bisher nicht sehen, da ich auf einem „Dorf“ lebe ;o) Sehr emotionale Dankesrede von Dustin Lance Black.

Drehbuch nach einer Vorlage [Writing (Adapted Screenplay)]
Nominierte:
“Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
“Glaubensfrage” (”Doubt”)
“Frost/Nixon”
“Der Vorleser” (”The Reader”)
“Slumdog Millionär” (”Slumdog Millionaire”)
Gewinner: “Slumdog Millionär” (”Slumdog Millionaire”)
Kommentar: Wieder richtig getippt und auch „Slumdog Millionär“ habe ich nicht gesehen. Der erste Oscar für den Film.

Animierter Spielfilm (Animated Feature Film)
Nominierte:
“Bolt”
“Kung Fu Panda”
“Wall-E”
Gewinner: Wall-E
Kommentar: Pixar rockt. Immer! „Bolt“ war allerdings auch gut. „Kung Fu Panda“ habe ich verpasst, der wird aber noch nachgeholt.

Animierter Kurzfilm [Short Film (Animated)]
Nominierte:
“La Maison en Petits Cubes” (Japan)
“Lavatory – Lovestory” (”Ubornaya istoriya – lyubovnaya istoriya”, Russland)
“Oktapodi” (Frankreich)
“Presto” (USA)
“This Way Up” (Großbritannien)
Gewinner: “La Maison en Petits Cubes” (Japan)
Kommentar: Zum Sieger kann ich nicht viel sagen. „Presto“ von Pixar fand ich super, auf den hätte ich auch getippt.

Ausstattung (Art Direction)
Nominierte:
“Der fremde Sohn” (”Changeling”)
“Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
“The Dark Knight”
“Die Herzogin” (”The Duchess”)
“Zeiten des Aufruhrs” (”Revolutionary Road”)
Gewinner: Der seltsame Fall des Benjamin Button
Kommentar: Historische Filme haben hier immer die größten Chancen. „Button“ spielt gleich über mehrere Jahrzehnte, was rein optisch schon einiges hermacht. Dieser Oscar war zu erwarten.

Kostüm (Costume Design)
Nominierte:
“Australia”
“Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
“Die Herzogin” (”The Duchess”)
“Milk”
“Zeiten des Aufruhrs” (”Revolutionary Road”)
Gewinner: Die Herzogin
Kommentar: Und auch hier ist die Academy sehr berechenbar. Kostümschicken gefallen in dieser Kategorie immer, mir übrigens auch ;o)

Makeup
Nominierte:
“Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
“The Dark Knight”
“Hellboy II: Die goldene Armee” (”The Golden Army”)
Gewinner: Der seltsame Fall des Benjamin Button
Kommentar: Und nochmals eine vorhersehbare Entscheidung. Es war aber auch großartig, was das Maskenteam hier geleistet hat, wobei auch ein paar Computer nicht unbeteiligt gewesen sein dürften.

Kamera (Cinematography)
Nominierte:
Tom Stern für “Der fremde Sohn” (”Changeling”)
Claudio Miranda für “Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
Wally Pfister für “The Dark Knight”
Chris Menges & Roger Deakins für “Der Vorleser” (”The Reader”)
Anthony Dod Mantle für “Slumdog Millionär” (”Slumdog Millionaire”)
Gewinner: Anthony Dod Mantle für “Slumdog Millionär”
Kommentar: Hier habe ich auf Button getippt, es gab aber den zweiten Oscar für „Slumdog Millionär“. Was ich bisher sehen konnte, ist viel Handkamera, was relativ atmosphärisch wirkte und das Leben in Indien gut vermittelte. Mal sehen …

Kurzfilm [Short Film (Live Action)]
Nominierte:
“Auf der Strecke” (Deutschland/Schweiz)
“Manon On The Asphalt” (”Manon sur le bitume”, Frankreich)
“New Boy” (Irland)
“The Pig” (”Grisen”, DK)
“Spielzeugland” (Deutschland)
Gewinner: “Spielzeugland” (Deutschland)
Kommentar: YES! Ein Oscar für („Ost-„) Deutschland! Bei den Kurzfilmen waren wir aber schon immer gut!

Nebendarsteller (Actor in a Supporting Role)
Nominierte:
Josh Brolin in “Milk”
Robert Downey Jr. in “Tropic Thunder”
Philip Seymour Hoffman in “Glaubensfrage” (”Doubt”)
Heath Ledger in “The Dark Knight”
Michael Shannon in “Zeiten des Aufruhrs” (”Revolutionary Road”)
Gewinner: Heath Ledger in “The Dark Knight”
Kommentar: Klar wie Kloßbrühe. Mit dem Tipp konnte man kein Geld verdienen. Emotionale Momente bei den Dankesreden der Famile.

Dokumentationsfilm (Documentary Feature)
Nominierte:
“The Betrayal – Nerakhoon”
“Encounters At The End Of The World”
“The Garden”
“Man On Wire”
“Trouble The Water”
Gewinner: Man On Wire
Kommentar: Keine der Dokus gesehen. Kein weiterer Oscars für Deutschland und Werner Herzog.

Dokumentation – Kurzfilm (Documentary Short)
Nominierte:
“The Conscience Of Nhem En”
“The Final Inch”
“Smile Pinki”
“The Witness – From The Balcony Of Room 306?
Gewinner: Smile Pinki
Kommentar: Warum nicht … ;o) (???)

Visuelle Effekte (Visual Effects)
Nominierte:
“Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
“The Dark Knight”
“Iron Man”
Gewinner: Der seltsame Fall des Benjamin Button
Kommentar: Den Sieger hatte ich auch so getippt. Der nächste Oscar für „Button“. Insgesamt auch die für mich beste technische Leistung.

Tonbearbeitung (Sound Editing)
Nominierte:
“The Dark Knight”
“Iron Man”
“Slumdog Millionär” (”Slumdog Millionaire”)
“Wall-E”
“Wanted”
Gewinner: The Dark Knight
Kommentar: Wiederum richtig getippt. The Dark Knight ist nicht nur optisch gut gemacht, auch die Soundleute leisteten beeindruckende Arbeit. Verdienter Oscar.

Tonmischung (Sound Mixing)
Nominierte:
“Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
“The Dark Knight”
“Slumdog Millionär” (”Slumdog Millionaire”)
“Wall-E”
“Wanted”
Gewinner: Slumdog Millionär
Kommentar: Auch hier hatte ich auf „The Dark Knight“ getippt, das war dagegen der nächste Oscar für „Slumdog Millionär“, wo wohl auch soundmäßig die Atmosphäre von Bombay hervorragend eingefangen wurde.

Schnitt (Film Editing)
Nominierte:
“Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
“The Dark Knight”
“Frost/Nixon”
“Milk”
“Slumdog Millionär” (”Slumdog Millionaire”)
Gewinner: Slumdog Millionär
Kommentar: Und schon wieder „Slumdog Millionär“. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der zumindest gut gemacht ist.

Filmmusik [Music (Score)]
Nominierte:
Alexandre Desplat für “Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
James Newton Howard für “Defiance”
Danny Elfman für “Milk”
A. R. Rahman für “Slumdog Millionär” (”Slumdog Millionaire”)
Thomas Newman für “Wall-E”
Gewinner: A. R. Rahman für “Slumdog Millionär”
Kommentar: Ähm, schon wieder. Das war dann auch der einzige Komponist, den ich nicht kannte. Von den anderen Vier war man gute Arbeit gewöhnt, der Inder ist wohl auch gut. Hier war ich zuvor aber so verwegen und hatte auf Rahman gesetzt ;o)

Filmsong [Music (Song)]
Nominierte:
“Down To Earth” von Peter Gabriel and Thomas Newman (”Wall-E”)
“Jai Ho” von A.R. Rahman und Gulzar (”Slumdog Millionaire”)
“O Saya” von A.R. Rahman und Maya Arulpragasam (”Slumdog Millionaire”)
Gewinner: “Jai Ho” von A.R. Rahman und Gulzar (”Slumdog Millionaire”)
Kommentar: Und nochmal. „Down To Earth“ hätte ich es auch gegönnt, „Jai Ho“ geht aber auch in Ordnung. Sehr markanter Song.

Nicht englischsprachiger Film (Foreign Language Film)
Nominierte:
“Der Baader Meinhof Komplex” (Deutschland)
“Die Klasse” (”Entre les murs”, Frankreich)
“Departures” (”Okuribito, Japan)
“Revanche” (Österreich)
“Waltz With Bashir” (Israel)
Gewinner: Departures
Kommentar: Oha, das ist eine Überraschung. Mit Deutschland hätte ich nicht wirklich gerechnet, dagegen eher mit Israel. So kamen wir wieder in den „Genuss“ von etwas japanischem Kamikaze-Englisch.

Regie (Directing)
Nominierte:
David Fincher für “Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
Ron Howard für “Frost/Nixon”
Gus Van Sant für “Milk”
Stephen Daldry für “Der Vorleser” (”The Reader”)
Danny Boyle für “Slumdog Millionär” (”Slumdog Millionaire”)
Gewinner: Danny Boyle für “Slumdog Millionär”
Kommentar: Nach der Preisflut keine Überraschung mehr. Auch wenn mir Boyles Filme nicht immer 100%ig gefielen, behandelten sie doch immer ein völlig neues Thema, an dem Boyle sich probierte. Auf diesen Film hatte ich hier getippt und bin ich gespannt, ihn endlich zu sehen.

Hauptdarstellerin (Actress in a Leading Role)
Nominierte:
Anne Hathaway in “Rachels Hochzeit” (”Rachel Getting Married”)
Angelina Jolie in “Der fremde Sohn” (”Changeling”)
Melissa Leo in “Frozen River”
Meryl Streep in “Glaubensfrage” (”Doubt”)
Kate Winslet in “Der Vorleser” (”The Reader”)
Gewinner: Kate Winslet in “Der Vorleser”
Kommentar: Zwei Worte: Na endlich!

Hauptdarsteller (Actor in a Leading Role)
Nominierte:
Richard Jenkins in “The Visitor”
Frank Langella in “Frost/Nixon”
Sean Penn in “Milk”
Brad Pitt in “Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
Mickey Rourke in “The Wrestler”
Gewinner: Sean Penn in “Milk”
Kommentar: Hatte ich so getippt, auch wenn man zuvor eher von einem klaren Sieg von Mickey Rourke ausgegangen ist, der wohl nie wieder so eine Rolle spielen wird. Penn ist zwar oft nah am Overacting, seine Performance als Harvey Milk war wohl dennoch beeindruckend.

Bester Film (Best Picture)
Nominierte:
“Der seltsame Fall des Benjamin Button” (”The Curious Case Of Benjamin Button”)
“Frost/Nixon”
“Milk”
“Der Vorleser” (”The Reader”)
“Slumdog Millionär” (”Slumdog Millionaire”)
Gewinner: Slumdog Millionär
Kommentar: Der große Gewinner der Oscar-Nacht ist also die Low-Budget-Produktion „Slumdog Millionär“, die sich klar gegen die Mega-Produktion „Benjamin Button“ durchgesetzt hat. Wirklich unerwartet kam das aber nicht.

Das war’s dann für dieses Jahr ohne große Überraschungen. Bis zum nächsten Jahr …

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Die Oscars 2008 – Ergebnisse und Kommentar

Posted in Cinemanie, Geschwätzigkeit with tags , , , , , on Montag, 25. Februar 2008 by mediensucht

Die Oscars 2008 – Ergebnisse und Kommentar

Letzte Nacht wurden in LA die 80. Academy Awards (Oscars) vergeben. Durch die Veranstaltung führte wie vor zwei Jahren schon Jon Stewart, der seinen Job gut machte, wenn auch die Überraschungsmomente fehlten. Er war zwar witzig, frühere Hosts wie Billy Crystal oder Ellen DeGeneres boten meist mehr Show. Überhaupt verlief diese kleine Jubiläumsshow in viel zu geordneten Bahnen: leicht angestaubt und ohne den großen Glanz. Oft wurden nur zusammengeschnittene Rückblicke aus den letzten 80 Jahren präsentiert. Auch die Ergebnisse blieben ohne große Überraschungen:

Beste visuelle Effekte: The Golden Compass
Die Entscheidung geht in Ordnung. Die Effekte in The Golden Compass waren ausreichend komplex und sahen gut aus. Eine Preisvergabe an Pirates Of The Caribbean 3 oder Transformers wäre aber auch vertretbar gewesen.

Bestes Make-Up: La Vie En Rose
Das Make-Up in La Vie En Rose fand ich etwas „zu dick“ aufgetragen. Mehr Arbeit gab es sicher mit Eddie Murphy in Norbit. Bei Pirates Of The Caribbean 3 kann man nicht sicher sein, wieviel des Sichtbaren aus dem Computer kam. Die Entscheidung geht in Ordnung.

Bester Filmschnitt: Christopher Rouse für Das Bourne Ultimatum
Hier hätte ich für No Country For Old Men entschieden, schon allein, um zu sehen, wer nun als Roderick Jaynes auf die Bühne kommt. Der Schnitt in Das Bourne Ultimatum war insofern suboptimal, weil man teilweise nicht mehr gesehen hat, was passiert, da der Film viel zu schnelle Schnitte auswies.

Bestes Kostümdesign: Alexandra Byrne für Elizabeth – Das goldene Königreich
Das ist wohl die richtige Wahl. In der Ausstattungsorgie Elizabeth – Das Goldene Königreich waren selbstverständlich auch die Kostüme pompös und zeitgemäß.

Bester Song: Glen Hansard und Marketa Irglova mit Falling Slowly aus Once
Angesichts der schnulzigen Konkurrenz ist die Entscheidung die einzig richtige. Falling Slowly ist hier noch der sympathischste Song. In dieser Kategorie regierte mal wieder „Schmalz überall“.

Beste Filmmusik: Dario Marianelli für Abbitte
Marianelli wäre auch meine Wahl gewesen. Der Score zu Abbitte ist nicht nur wunderschön, er unterstützt auch die Handlung exzellent. Schon der Anfang mit den eingebetteten Tippgeräuschen ist brillant.

Bester Ton und bester Tonschnitt: Das Bourne Ultimatum
Zwei für den Film wichtige, für den Zuschauer aber weniger nachvollziehbare Kategorien. Die Entscheidungen gehen aus meiner Sicht in Ordnung.

Bestes Szenenbild: Sweeney Todd
Der einzige Preis für Sweeney Todd, der allerdings vertretbar ist. Dante Ferretti ist bekanntlich ein Könner! Ich mag das Aussehen von Burtons Filmen sowieso sehr und auch Sweeney Todd sieht wunderbar morbide und atmosphärisch aus. Schade, dass hier nicht Across The Universe nominiert war, dem ich einen Überraschungserfolg gegönnt hätte.

Beste Kamera: Robert Elswit für There Will Be Blood
Für mich eine unverständliche Entscheidung. Roger Deakins wäre für Die Ermordung des Jesse James … oder für No Country For Old Men ein würdiger Preisträger gewesen, der für beide Filme fantastische Bilder produzierte. Selbst Seamus McGarvey hätte man für seine großartigen Bilder in Abbitte würdigen können. Elwit ist dagegen nicht sehr variabel in seiner Bebilderung – Hauptsache lange Einstellungen! An Licht und Farbe hätte man dagegen noch arbeiten können!

Bestes Originaldrehbuch: Diablo Cody für Juno
Da ich nur zwei Filme der Kategorie sah, glaube ich mal dem kleinen Hype um Juno. Geht wohl in Ordnung.

Bestes adaptiertes Drehbuch: Ethan und Joel Coen für No Country For Old Men
Würdige Preisträger, da ich bekanntlich den Film sehr mag. Hätte mich aber auch über einen Sieg von Abbitte gefreut.

Bester animierter Film: Ratatouille
Eigentlich konkurrenzlos. Persepolis hatte nur Außenseiterchancen. Richtige Entscheidung!

Beste Nebendarstellerin: Tilda Swinton in Michael Clayton
Das ist für mich ein kleiner Skandal. Hier durfte es nur eine Siegerin geben: Cate Blanchett als Bob Dylan in I’m Not There. Ich weiß nicht, was hier die Academy geritten hat, dass sie der genialen Blanchett den Preis verweigerte!

Bester Nebendarsteller: Javier Bardem in No Country For Old Men
Keine Überraschung, aber eine durchaus verdiente Würdigung. Eine beängstigend gute Leistung.

Beste Hauptdarstellerin: Marion Cotillard in La Vie En Rose
Überraschend, aber nicht unverdient. An Cotillard lag es nicht, dass der Film scheiterte. Eine Beeindruckende Leistung als Edith Piaf. Ich hätte den Oscar aber auch der brillanten Cate Blanchett in Elizabeth – Das Goldene Königreich gegönnt.

Bester Hauptdarsteller: Daniel Day-Lewis in There Will Be Blood
Mit diesem Tipp hätte man kein Geld verdienen können. Nach landläufiger Meinung eine brillante Leistung von Day-Lewis, der mich aber immer wieder an seine Rolle als „Bill The Butcher“ in Gangs Of New York erinnerte. Ich hätte mich für Viggo Mortensen in Tödliche Versprechen gefreut!

Bester fremdsprachiger Film: Die Fälscher (Österreich)
Eine kleine Überraschung, da der Film insgesamt nicht so herausragend war. Leider werden deutschsprachige Filme durch solche Entscheidungen immer auf Nazi-Themen reduziert. Freue mich aber für Ruzowitzky!

Beste Regie: Ethan und Joel Coen für No Country For Old Men
Brillante Arbeit für einen wunderbaren Film. P.T. Anderson hätte es aus meiner Sicht nicht verdient gehabt. Die Coens waren schon immer genial.

Bester Film: No Country For Old Men
YES! Siehe Kritik! 😉

Die restlichen Kategorien möchte ich nicht kommentieren, da ich die entsprechenden (Kurz-) Filme nicht gesehen habe. Fazit: Ein verdienter Gesamtsieger (No Country For Old Men) einer mäßigen Veranstaltung!

No Country For Old Men

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , , , on Mittwoch, 20. Februar 2008 by mediensucht

Live free or die hard

noc1.jpgIm wilden Westen wird man nicht alt. Sollte das versehentlich doch einmal der Fall sein, fragt man sich, was man im Leben erreicht hat, wieso man ausgerechnet in dieser staubtrockenen, heißen und unwirtlichen Gegend leben musste, warum man sich so derartig gequält hat. Letztendlich bleibt nicht viel übrig an Sinnhaftigkeit. Wie schön wäre es da, mal eben einen Koffer mit zwei Millionen US-Dollar zu finden, die eine Flucht aus der Ödnis ermöglichen. Um diesen Koffer voller Geld zu verteidigen, würde man alle Grenzen überschreiten …

No Country For Old Men spielt 1980 im Süd-Westen von Texas. Der neue Film von Joel und Ethan Coen basiert auf dem Roman gleichen Titels von Pulitzer-Preisgewinner Cormac McCarthy. Llewelyn Moss (Josh Brolin) ist in der texanischen Steppe unterwegs. Er kommt an den Schauplatz eines fehlgeschlagenen Drogengeschäfts im großen Maßstab – viele Leichen und ein Koffer voller Dollar. Moss nimmt sich den Koffer und wird fortan gejagt. Unter den Jägern befindet sich auch Anton Chigurh (Javier Bardem), der sich als äußerst hartnäckig herausstellt. Eine blutige Hetzjagd beginnt.

Der Film ist eine schräge Mischung aus brillanter Action, abgrundtiefem Humor und philosophischen Einlagen. Für letztere ist hauptsächlich Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) verantwortlich. Er versucht Licht ins Dunkel zu bringen, ergeht sich aber meist in sarkastischen Sprüchen und philosophischer Sinnsuche. Man könnte fast behaupten, jeder Satz sei ein Lacher, wenn nicht selbiger einem im Halse stecken bleiben würde beim Grübeln über die tiefere Bedeutung des Gesagten.

no_country_for_old_men

Bedeutung. Sinn. Bei den Coens hat für gewöhnlich alles einen Sinn. Grundlage schaffen eine penible Vorbereitung, großes Hintergrundwissen und eine präzise Vorstellung, wie eine Szene auszusehen hat. Die bildliche Umsetzung lag wiederum bei Roger Deakins, der völlig zurecht neben seiner Arbeit für Die Ermordung des Jesse James … auch für seine fantastischen Bilder in No Country For Old Men eine Oscarnominierung erhielt. Die Verfolgungsjagden sind äußerst spannend inszeniert. Zuweilen geht es sehr brutal und blutig zu. Die Coens schaffen es aber hervorragend, die Balance zwischen Action, zynischem Humor und Philosophie zu halten. Neben vielen Filmzitaten finden sie auch hier ihren so eigenen und typischen Stil.

Ein typisches Merkmal in Coen-Filmen ist stets auch die leichte Überzeichnung der Figuren. Besonders faszinierend in No Country For Old Men ist die Figur des Psychopathen Anton Chigurh. Dieser Irre ist ein wandelndes Pulverfass, bei dem selbst ein normales Gespräch mit einem Tankwart zur Zerreißprobe wird. Aus diesem stoisch blickenden Mann mit Märchenprinz-Frisur kann die Gewalt ganz unvermittelt herausbrechen. Er bleibt mit seinen seltsamen Prinzipien stets mysteriös und Bardem versteht es ausgezeichnet, ihn nicht der Lächerlichkeit preiszugeben.

noc2.jpg

Die Coens spielen mit den Erwartungen des Zuschauers. Werden sie anfangs noch großherzig erfüllt, wird der Seher gegen Ende an der Nase herumgeführt. Höhepunkt dieses Spiels bildet der Schluss, den man so sicher nicht erwartet hätte. Neben Witz, Action, Suspense und Bildgewalt setzen die Coen also auch auf Verwirrung, aus der in den meisten Fälle ein Sinn erwächst, da sie zum Nachdenken anregt.

Nach dem etwas schwächeren Ladykillers ist No Country For Old Men nun das sehnlich erhoffte Meisterwerk. Dieser brillante Neo-Western versammelt die Stärken seiner Macher: den Humor aus The Big Lebowski, die Bildgewalt aus Millers Crossing, die Brutalität aus Fargo oder Blood Simple und das Verschrobene aus O Brother, Where Art Thou?. No Country For Old Men ist ein cineastischer Hochgenuss par excellence!

10/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)