Archiv für Deutsche Filmakademie

Deutscher Filmpreis 2008 – Die Gala

Posted in Cinemanie, Geschwätzigkeit with tags , , , , , , , , , , , , on Samstag, 26. April 2008 by mediensucht

Gestern wurde in Berlin mit einer festlichen Gala der Deutsche Filmpreis 2008 (Lola) vergeben. Durch den Abend führte Barbara Schöneberger. Großer Gewinner war Fatih Akin mit seinem Drama Auf der anderen Seite. „Überschattet“ wurde auch diese Veranstaltung durch die Zänkereien zwischen der Deutschen Filmakademie und Til Schweiger, der wohl einfach zu blöd war, seinen an den Kinokassen sehr erfolgreichen Film Keinohrhasen für die Nominierung bei der Akademie regelkonform einzureichen. Schweiger saß mit störrischer bis peinlich berührter Miene im Publikum und wurde „Opfer“ der ein oder anderen spöttischen Bemerkung.

Das Konzept der Gala orientierte sich (wie übrigens auch die Wahlprozedur) an den amerikanischen Oscars. Ein Gastgeber / eine Gastgeberin führt mehr oder minder witzig durch den Abend, bekannte Persönlichkeiten präsentieren als Laudatoren die Gewinner, deren Danksagungen durch ein dudelndes Orchester unterbrochen werden. Nach zwei Jahren Michael „Bully“ Herbig als Showmaster durfte nun also Barbara Schöneberger ans Mikro und präsentierte ihre in verschiedene Kleider gepressten Rundungen. Frau Schöneberger singt jetzt, das weiß inzwischen wahrscheinlich jeder. Trotzdem musste die Dame ihre miserablen Gesangskünste mit dämlich umgetexteten Schlagern auch hier „zum Besten“ geben. Ebenso die Einspieler mit Schöneberger – etwa als „Waldmeisterin“ in Unsere Erde – waren nur peinlich. Repräsentierte sie mit ihrer erbärmlichen Performance eventuell die (bis auf Ausnahmen) schlechte Qualität der deutschen Komödie des letzten Jahres? Immerhin führte sie recht zügig durch den Abend, so dass diese Gala nur halb so lang wie eine Oscarverleihung war. Dass es doch witzig zugehen kann zeigte dann ausgerechnet „Bully“ Herbig, der mit Sissy und der wilde Kaiser einen jener Tiefpunkte 2007 setzte, mit seiner kurzen und humorvollen Laudatio.

Trotz anders lautender Äußerungen von Frau Schöneberger war das deutsche Filmjahr 2007 ein eher schlechtes. Wenn der beste deutsche Film 2007 (der nicht nominierte Black Book von Paul Verhoeven) eigentlich eine ausländische Produktion ist und die immerhin für den Preis der besten weiblichen Hauptrolle nominierte brillante Carice van Houten gar keine Deutsche ist, dann stimmt etwas nicht im Lande Fritz Langs. Im Rahmen dieser Möglichkeiten ist die diesjährige Preisvergabe dennoch als gerechtfertigt zu bezeichnen. Nina Hoss kam zwar in Yella nicht ganz an van Houtens Leistung in Black Book heran, ist aber momentan die wohl beste deutsche Schauspielerin. Abräumer war der Deutschtürke Fatih Akin, der mit seinem Culture-Clash-Drama über Tod und Liebe die Preise für Schnitt, Film, Regie und Drehbuch einheimste und mit seinem Film wohl die meisten Akademiemitglieder begeisterte. Angesichts der Preisflut schwankte Akin in seinen Danksagungen zwischen seiner eigentlichen aufmüpfigen Opposition gegen die Akademie und kindlicher Freude. Prinzessinnenbad als besten Dokumentarfilm auszuzeichnen, gleicht einem Witz – schade für Pepe Danquarts bildgewaltigen Am Limit. Freude dagegen über die Auszeichnung für Armin Völckers Leroy als besten Kinder- und Jugendfilm.

Dass es inzwischen überhaupt eine solche Gala für den deutschen Film gibt, ist lobenswert. Dennoch liegt noch einiges im Argen. Es gibt einige Ansatzpunkte für Reformen. Öffentliche Fördergelder sollten nicht von einer privaten Institution (Deutsche Filmakademie) vergeben werden. Man sollte den Preis und die Vergabe der Gelder trennen. Einige Strukturen innerhalb der Akademie wären auch zu überdenken, vor Allem was den Kontakt zum Zielpublikum betrifft. Das Konzept der eigentlichen Gala geht in die richtige Richtung, auch wenn es noch kleinerer Verbesserungen bedarf. Global gesehen scheint der deutsche Film auf dem richtigen Weg, man sollte sich aber nicht auf den ersten Lorbeeren (letztjährige Oscars) ausruhen.

Seltsam war die TV-Übertragung durch die ARD. Als Karoline Herfurth die Laudatio für die beste männliche Hauptrolle hielt, gab es einen unvermittelten Schnitt und Frau Schöneberger war wieder zu sehen, wie sie eine abgeänderte Ankündigung für Frau Herfurth machte. Die Laudatio schien dann auch eine Variante zu sein. Gab es da technische Probleme (Stromausfall) im Saal oder Fehler in der Ansage? Vielleicht könnte mich einer der Anwesenden mal aufklären …

😉

Lola Visionen (Nachbetrachtung)

Posted in Cinemanie, Geschwätzigkeit with tags , , , , , , , , , , on Mittwoch, 16. April 2008 by mediensucht

Hier der Vollständigkeit halber ein kleiner Rückblick auf die Veranstaltung Lola Visionen im Filmtheater am Friedrichshain vom 16.04.08 (heute):

Trotz geringer Werbemaßnahmen war die diesjährige Podiumsdiskussion der Regisseure der für den Deutschen Filmpreis nominierten Filme im Vergleich zum letzten Jahr recht gut besucht. Das Publikum bestand vorwiegend aus Filmschaffenden. Schade, dass mangels besserer Öffentlichkeitsarbeit der Abend eher den Charakter einer exklusiven Insiderveranstaltung hatte, was ja dem eigentlichen Gedanken dahinter widerstrebt.

Durch den Abend führte wiederum Heike-Melba Fendel, die durch immens lange Fragen mit extremen Verschachtelungen „glänzte“. Obwohl sie am Ende ihrer Frage nicht mehr wusste, worauf sie eigentlich hinaus wollte, gelang es ihr versehentlich erstaunlich gut, für eine interessante Plauderrunde zu sorgen. Da einige Regisseure der in der Hauptkategorie nominierten Filme verhindert waren, gesellten sich zu Robert Thalheim (Am Ende kommen Touristen) und Christian Petzold (Yella) noch die zwei Jugendfilmregisseure Armin Völckers (Leroy) und Anna Justice (Max Minsky und ich) sowie Dokumentarfilmerin Bettina Blümner (Prinzessinnenbad).

Nach der Vorführung kurzer Filmausschnitte ging es anfangs thematisch um die verschiedenen Werdegänge der Regisseure und ihre Beziehung zu den Drehorten ihrer aktuellen Filme. Daraus entwickelte sich eine Diskussion über Schauspielerführung, Drehbuchschreiben, die Zukunft des Films und den Unterschied zwischen Kino- und Fernsehproduktionen. Christian Petzold profilierte sich als selbstbewusster Filmemacher mit eigenen Methoden und Ansichten, die ich interessant fand, wenn ich auch nicht immer einer Meinung mit ihm war. Den Part des schelmischen und unbekümmerten „Witzboldes“, den letztes Jahr Marcus H. Rosenmüller innehatte, übernahm diesmal Armin Völckers, dessen teils schon recht einfache Ansichten mir am ehesten lagen. Ebenfalls sehr sympathisch erschien mir Anne Justice, die sich ordentlich einbrachte und, ihrer filmischen Herkunft bewusst, das Fernsehen verteidigte. Recht schüchtern beantwortete Robert Thalheim die Fragen, er kam mit der seltsamen Art der Fragenstellung durch Frau Fendel nicht sonderlich gut zurecht. Etwas suspekt kam mir Bettina Blümner vor, was aber weniger an ihrer Person als an ihrer Dokumentation lag. Ich bin der Meinung, dass Prinzessinnenbad ein erschreckendes Bild der deutschen Jugend zeigt und die Heldinnen als dumme, asoziale Gören outet. Blümner denkt aber, sie hätte eine Dokumentation über das Erwachsenwerden mit sympathischen Mädchen gedreht. Zudem wirkte sie als einzige Dokumentarfilmerin bisweilen als Fremdkörper in der Runde.

Insgesamt war diese Ausgabe der Lola Visionen wieder eine gerade für Filminteressierte äußerst lohnende Veranstaltung. Der Zuhörer erfuhr interessante Hintergrundinformationen bzw. witzige Insiderdetails und er lernte ganz unterschiedliche Typen von Menschen kennen, die es alle irgendwie zum Film geschafft haben. So war und ist Lola Visionen Information und Inspiration … und damit eigentlich etwas für ein größeres Publikum ;o)

LOLA Festival – LOLA Visionen

Posted in Cinemanie with tags , , , on Donnerstag, 10. April 2008 by mediensucht

Da am 25. April der Deutsche Filmpreis (LOLA) verliehen wird, findet im Vorfeld wieder das LOLA Festival statt, auf dem die für den renommiertesten deutschen Filmpreis nominierten Filme nochmals gezeigt werden. Zudem gibt es am Mittwoch, den 16. April, eine Diskussionsveranstaltung mit den Regisseuren der fünf in der Hauptkategorie nominierten Filme.

Zunächst aber ein paar Worte zum Preis: Den Deutschen Filmpreis gibt es eigentlich schon seit 1951. Er wurde bis 2004 von einer Kommission aus Politikern und Kirchenvertretern bzw. vom Bundesinnenminister vergeben. Erst 2003 wurde die Deutsche Filmakademie gegründet, die nun nach Vorbild der amerikanischen Oscars die Preisträger durch ihre Mitglieder bestimmen lässt. Zunächst werden also aus einer Liste von Einreichungen die Nominierten für die verschiedenen Kategorien bestimmt. Mit einem zweiten geheimen Wahlgang ermittelt man dann die Gewinner der Kategorien. Die Preisevergabe findet am Ende bei einer festlichen Gala statt.

Die Nominierten stehen nun also fest. Vom 16. bis 20. April können die nominierten Filme der Kategorien „Bester Spielfilm“, „Bester Dokumentarfilm“ und „Bester Kinder- und Jugendfilm“ nochmals im Kino gesehen werden. Eine Liste der teilnehmenden Städte und Kinos gibt es hier. Das Programm steht auch fest und kann hier eingesehen werden.

Am 16. April findet im Filmtheater am Friedrichshain in Berlin um 19:30 Uhr die Diskussionsveranstaltung „LOLA Visionen“ statt, an der sich die Regisseure der für den Deutschen Filmpreis nominierten Filme beteiligen werden. Sie stellen ihre Filme vor, sprechen über ihre Arbeit und beantworten Fragen des Publikums. Für nur 5 € ist jeder Filmfan bei der Veranstaltung willkommen!

Die Regisseure bei LOLA Visionen: Bettina Blümner (PRINZESSINNENBAD), Anna Justice (MAX MINSKY UND ICH), Christian Petzold (YELLA), Robert Thalheim (AM ENDE KOMMEN TOURISTEN) und Armin Völckers (LEROY).

Noch ein Tipp für die Presseabteilung der Deutschen Filmakademie: Mit etwas mehr (cleverer) Werbung werden auch die Veranstaltungen um den Filmpreis herum ein Erfolg!
😉