Einmal TV und zurück

Da habe ich mich doch in letzter Zeit einige Male über das TV-Programm brüskiert (ein paar Serien einmal ausgeschlossen), dabei aber keine konkreten Bezüge hergestellt. Wie ist denn nun das deutsche TV-Programm? Was macht es so schlecht (oder so gut?) oder so nichtssagend? Um diese Fragen zumindest versuchsweise zu beantworten, folgt ein kleiner Blick auf das TV-Programm der letzen Tage:

Werktags kommt immer das Gleiche im Flimmerkasten. Die Schemata ähneln sich dabei stark. Wirkliche Unterschiede zwischen den Öffentlichen und den Privaten gibt es erst in den Abendstunden. Vormittags laufen Morgenmagazine und Wiederholungen. Mittags folgen Mittagsmagazine, dann Talk- bzw. Gerichtsshows oder Telenovelas. Der Vorabend besteht fast nur aus Daily Soaps oder Boulevardmagazinen. Der Abend wird meist nach einem Motto gestaltet. Da gibt es bei den Privaten den Comedy-Freitag, den Mystery-Montag oder den Crime-Donnerstag. Entweder laufen dort wöchentliche Serien oder spezielle Filme. Die Öffentlichen versuchen am Abend zumindest entfernt ihrem Sendeauftrag nachzukommen und strahlen vereinzelt Politmagazine oder Wissenssendungen aus. Ältere Zuschauer bedient man mit Volksmusikshows und „Schmalzfilmen“, ob sie es wollen oder nicht.

Überraschend ist für mich, dass dieses hauptsächlich seichte Geflimmer immer noch so viele Zuschauer findet. Ich denke, dass sich die Fernsehkultur in den letzten Jahren verändert hat. Früher saß noch die ganze Familie vor dem Fernseher, die Auswahl an Programmen bzw. Sendungen war noch gering. Man sah konzentriert und interessiert in die Röhre. Heute läuft das TV-Gerät oft nebenbei zur Berieselung (ähnlich dem Radio). Programm, dass man intensiv verfolgen müsste, stört dabei nur. Am Abend wollen die Menschen geistig abschalten, was laut Wissenschaft auch prima funktionieren soll (Lahmlegen einzelner Hirnregionen).

Wie sieht das Programm am Wochenende aus? Am Samstagabend setzten erstaunlich viele Sender auf Show, wie es schon vor 30 Jahren der Fall war. Die Showkonzepte folgen gewissen Trends. So gab es am gestrigen Abend gleich drei Wissensshows zu bewundern. Die Sender wollen sich nicht voneinander absetzen und einen neuen innovativen Kuchen backen, sondern ein Stück vom Vorhandenen abhaben, der immer kleiner wird. Ein seltsames Konzept! Pro7 setzte auch auf Show, ließ mit Stefan Raab aber einen Chaoten ans Werk, der das Talent hat, auf niedrigem Niveau gut zu unterhalten. Er bedient die „niederen“ Instinkte und macht auch keinen Hehl daraus. Man sieht den B-Promis gern beim peinlichen Getue zu. Die auf sportlichen Wettkampf getrimmten Showkämpfe unterschiedlicher Art bieten tatsächlich Stoff für eine sinnfreie Samstagabendunterhaltung. Über Raabs wochentägliches TV-Total verliere ich lieber kein Wort.

Ich sah mir aber dennoch erst mal den Krimi im ZDF an. Handwerklich ordentlich umgesetzt, fehlte es an Spannung, die dem Film durch eine vorhersehbare Geschichte genommen wurde. Schauspielerisch kann man zumindest den öffentlich-rechtlich produzierten Krimis nichts vorwerfen. Auch eine Anke Engelke glänzt in einer ernsteren Rolle. Man merkte dem Krimi seine Bemühungen um Relevanz stark an. Das Thema Altenpflege und Sterbehilfe war doch ziemlich gewollt inszeniert. Insgesamt war der Film aber solide Krimikost.

Dann ging es doch zu Raab. Neben der „niederen“ Faszination, der man auch mal freien Lauf lassen kann und darf, gab es noch echte Abscheu. Die Kommerzialisierung eines solchen Events ist schon penetrant. Selbst auf den halbnackten Körpern wird noch Werbung gemacht. An dämliche Gewinnspiele hat man sich ja leider gewöhnt. Perfekte Abendunterhaltung sieht für mich anders aus. Raabs Shows sind aber ein schönes Abbild der Zeit. Jedem Publikum das, was es verdient.

Ich bleibe lieber bei Filmen im Kino oder auf DVD. Ab und zu eine Serie oder eine interessante Dokumentation im TV dürfen schon mal sein, ansonsten ist TV für mich verzichtbar. Da es heutzutage aber auf Marktanteil und nicht auf absolute Zahlen ankommt, brauchen die Sender solche Menschen wie mich nicht zu fürchten. Die Erziehung eines für Trash und Werbung empfänglichen Publikums läuft … mit Erfolg!

6 Antworten to “Einmal TV und zurück”

  1. Oha, direkt mal eine Komplettanalyse, an die Du Dich da ranwagst… Die Erklärung für die hohen Gesamteinschaltquoten, die dich verwundern, lieferst Du ja schon selbst. Wir Menschen wollen uns abends berieseln lassen. Das kann man schlecht finden, aber es ist einfach so. Daher muss man das einfach tolerieren – solange es zwischendurch eben auch mal qualitativ gute Unterhaltungsangebote gibt.

    Was ich aber nicht so ganz stehen lassen kann, ist dein Abbügeln von Raab. Ja, das Turmspringen ist kommerziell und insgesamt nicht so stark, ähnliches gilt für die Stockcar-Geschichte und auch die Wok-WM ist mittlerweile totgelaufen. Aber was er mit der Show „Schlag den Raab“ abliefert ist wirklich Unterhaltung par Excellence. Natürlich auch hier kein geistig hochgradig anspruchsvolles Produkt, aber eben perfekt inszeniert und es bietet wirklich alles was eine Samstagsabendshow so bieten muss. Dagegen ist z.B. „Wetten dass…“ nur noch ein laues Lüftchen. Und das war ja lange genug das Flaggschiff der Samstagabendunterhaltungsshows.

    Ebenso ist Raab immer dann stark, wenn es um Musik geht, wie beim Bundesvision Song Contest und auch der jetzt Donnerstags laufenden Castingshow, die ebenfalls alles andere als „Trash“ für die „niederen Instinkte“ ist. Werde dazu aber auch bei mir heut abend noch was schreiben.

  2. Naja, hoch intelligente Unterhaltung ist Raab nun nicht. Versteh‘ mich aber nicht falsch! Seinen Shows schreibe ich ja ausdrücklich ihre Daseinsberechtigung zu. TV-Total ist Mist, er versteht es aber mit den Shows gewisse Instinkte des Menschen, die eben auch ihre Berechtigung haben, zu bedienen. Und ich habe das Turmspringen ja selbst bis zum Ende gesehen! Zu „Schlag den Raab“ kann ich mangels Sichtung nichts sagen.

    Ansonsten gebe ich Dir recht! „Wetten, dass …“ ist nur noch peinlich, Gottschalk ein Selbstdarsteller und menschgewordener Altherrenwitz. Und ab und zu mal „Trash für die niederen Instinkte“ ist ausdrücklich erlaubt, nur sollte es kein Vollprogramm werden. Bin auf Deinen Beitrag gespannt … 😉

  3. Gibt keinen großen Beitrag, sondern lediglich eine Sehempfehlung für den kommenden Donnerstag. Also nicht zu hohe Erwartungen. Hab mein Blog-Pensum für heute mit der Quali-Analyse absolviert. =)

    Wie gesagt, schau Dir mal „Schlag den Raab“ an, das lohnt sich wirklich sehr, wie ich finde und bedient eben nicht ausschließlich niedere Instinkte.

  4. Leicht verspätet dann also auch von mir noch die Feststellung, dass Raab mit „Schlag den Raab“ seit Jahren tatsächlich mal wieder eine Show ins Programm gehievt hat, für die ich Samstag abends gerne und bevorzugt zu Hause bleibe, da ich sie nicht verpassen will. Seit langer, langer Zeit mal wieder eine Show, bei der man einfach nur will dass sie so lange anhält wie irgend möglich. Völlig egal, wer da gewinnt. Die Spiele sind toll, die Präsentation ist fantastisch und endlich mal traut sich eine Show mal wieder, so lange zu dauern wie es eben dauert und dann im Ernstfall halt auch wirklich erst nach fünfeinhalb Stunden zu Ende zu sein. Und dabei alles ohne Leerlauf. Ich bin begeistert. Ich mag dabei dann sogar Stefan Raab, denn wenn der mal seinen sportlichen Ehrgeiz herauskehrt kann der mir sogar richtig sympathisch werden.

    Doch doch: Das ist großartig. Vergessen wir aber gerne den ganzen anderen „Ich schare B- und C-Promis um mich herum“-Mist. Außer eventuell der TV Total Poker Nacht. Wenn da, wie bei der letzten Ausgabe, die richtigen Leute mit dabei sind ist das auch wunderbare Unterhaltung zum Mitfiebern.

    Übrigens: Früher war „Wetten dass …“ jene Show, die jetzt „Schlag den Raab“ für mich ist. Aber da stimme ich nun vollends zu: Das ist inzwischen weniger als ein Schatten seiner selbst.

  5. Ich sehe schon, ihr wollt mich bekehren! Ich muss dann wohl doch mal eine „Schlag den Raab“-Show ansehen, schon allein, um irgendwelche Argumente (pro oder contra) anführen zu können! Wenn die wirklich 5 Stunden geht … oh je, und das ohne Bezahlung … 😀

  6. Naja, die ersten (geschätzt) 45 Minuten kann man sich eigentlich sparen, denn da geht es lediglich darum den Gegner für Raab auszuwählen, was mit relativ viel SMS-Versenden und Anrufen verbracht wird. Ist zwar nicht völlig uninteressant, aber wenn man einmal die Präsentation dieser Leute gesehen hat, die Ärzte, Anwälte oder sonstiges sind, dabei gefühlte 30 Hobbys von Leistungssport bis hin zu organischem Basteln haben und in ihrem Urlaub bolivianischen Waisenkindern Integralrechnung beibringen -dann muss man das nicht häufiger anschauen… =) Aber so ca. ab 21 Uhr sollte man dann spätestens einschalten, denn dann gehts halt mit den Wettkämpfen los und die dauern dann zwar bis weit nach Mitternacht, aber das ist wirklich nicht schlimm, denn es ist einfach nur kurzweilig.

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