Archiv für Bryan Fuller

Pushing Daisies

Posted in Serienjunkietum with tags , , , , , , , on Montag, 20. Oktober 2008 by mediensucht

Na gut, ich habe schon einen Artikel über Pushing Daisies geschrieben, der war allerdings einer der ersten Einträge hier auf meinem Blog und ist eher als Kurzkommentar zu sehen anstatt als ausführliche Besprechung. Ja, damals war ich noch jung und brauchte das Geld … na jedenfalls wird das kurze Geschreibsel vor einiger Zeit dieser wunderbaren Serie in keinster Weise gerecht, weshalb ich anlässlich des Serienstarts auf Pro7 nun einen ausführlicheren Text verfasst habe. Man kann für diese Serie ja nicht genug Werbung machen.

Pushing Daisies, was in etwa heißt „sich die Radieschen von unten ansehen“, handelt vom Kuchenbäcker Ned, der im Alter von neun Jahren auf schmerzliche Art und Weise entdeckt, dass er Tote wieder zum Leben erwecken kann, diese erweckten Menschen aber nur eine Minute weiterleben können, ohne dass nicht eine andere Person stirbt. Nachdem Ned so seine Mutter auferstehen lässt, wird wenig später der Vater des Nachbarmädchens Opfer des Sensenmannes. Einen Haken hat die Sache zusätzlich noch: Berührt Ned die Auferweckten ein zweites Mal, sterben sie wieder – für immer!

Ned betreibt also sein „Pie Hole“ mit den leckersten Kuchen, da die Früchte dank seiner Gabe immer frisch sind. Als kleinem Nebenjob hilft Ned dem Privatdetektiv Emerson Cod bei der Suche nach Mördern. Praktisch, wenn man die Toten direkt nach dem Mörder fragen kann, und für die Lösung des Falls die Belohnung einstreichen kann. Doch eines Tages erweckt Ned seine Jugendliebe Charlotte „Chuck“ Charles wieder von den Toten und lässt sie am Leben. Es entwickelt sich eine ganz besondere platonische Liebesbeziehung …

Schöpfer der Serie ist Bryan Fuller, der Pushing Daisies aus einer Idee zu Dead Like Me entwickelte. Wieder sind Tod und ungewöhnliche Beziehungen ein Thema. Fuller, der neben der eben genannten Serie Dead Like Me schon die ebenso wunderbare Serie Wonderfalls entwickelte und an Serien wie Star Trek – Deep Space 9 und Heroes mitschrieb, strotzt nur so von schrägen und skurrilen Ideen. Zudem wurde Barry Sonnenfeld (Men in Black) mit ins Boot geholt, der die Serie mitproduziert und auch den Piloten verfilmte.

Wenn man sich Pushing Daises so ansieht, könnte man denken, man steckt in einem Tim Burton-Film. Die Ausstattung ist opulent, beeindruckende Kulissen, aufwendige Kostüme und technische Tricks, die bewusst mit der Filmgeschichte spielen. Dabei kommt es nicht auf Realismus an, vielmehr auf Detailverliebtheit und entzückenden Spielereien. Manchen ist Pushing Daisies vielleicht zu „süß“, ich erfreue mich jedes Mal wieder an den wunderschönen Bildern, die die Macher immer wieder aus der Trickkiste zaubern.

Zu allem Überfluss wird auch noch eine herzerweichende Liebesgeschichte erzählt. Das zur körperlichen Enthaltsamkeit verdammte Paar findet andere Wege, sich nahe zu kommen. Auch die Kriminalfälle sind meist sehr seltsam, schräg und spannend. Der Humor von Fuller und Co gefällt mir ausgezeichnet. Kein Klamauk, viel dezentes Amüsement mit Herz.

In den Hauptrollen sind die bezaubernde Anna Friel als das Mädchen namens Chuck und Lee Pace als Ned zu sehen. Letzterer hatte schon in Fullers Wonderfalls eine größere Rolle inne. Als findiger Detektiv glänzt Chi McBride mit einem wunderbar trockenen Humor. Ein kleines Highlight in den Nebenrollen ist Kristin Chenoweth als Olive Snook, die unglücklich in Ned verliebt ist und beispielsweise mit herzzerreißenden Gesangseinlagen zu begeistern weiß. Auch die restlichen Figuren sind meist Gebrüder-Coen-artig skurril überzogen dargestellt.

Zum Glück hat der produzierende Sender ABC eine zweite Staffel von Pushing Daisies in Auftrag gegeben. Die Serie ist mit ihrer aufwendigen Produktion keineswegs billig. Ein Kompliment gilt ausnahmsweise auch mal Pro7, die Pushing Daisies einen Primetime-Sendeplatz am Mittwochabend nach Desperate Housewives gaben. Damit sollte einem Erfolg in Deutschland eigentlich nichts im Wege stehen. Allerdings könnte die Serie vielleicht zu speziell sein, um großflächig zu begeistern. In den USA kam Pushing Daisies bei den Krtiker sehr gut an, heimste einige Preise ein. Die erste Staffel konnte sich ordentlicher Quoten erfreuen. Die zweite Staffel läuft gerade eher mäßig an. Ich bin jedenfalls ein Fan von Fullers Serien und damit auch Pushing Daisies. Viel Glück in Deutschland!

Update: 2. Staffel ab 14.1.09, 21:15 Uhr auf ProSieben

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Wonderfalls

Posted in Serienjunkietum with tags , , , , , , , , , , on Donnerstag, 5. Juni 2008 by mediensucht

Dass deutsche TV-Sender mitunter aus unerfindlichen Gründen gute Serien einfach aus dem Programm kicken, sie schlecht bewerben oder auf miesen Programmplätzen verkümmern lassen, weshalb es gerade deutsche Serien derzeit auch so schwer haben, ist dem unerschütterlichen Fernsehzuschauer längst bekannt. Doch selbst im „Mutterland“ der innovativen TV-Serie kommt es zu solch merkwürdigen Erscheinungen. Wie anders ist zu erklären, dass so eine brillante Serie wie Wonderfalls im Jahre 2004 beim großen Sender FOX keine Chance erhielt! Einzig den beherzten Bemühungen der Fans ist es zu verdanken, dass zumindest die erste (und leider auch einzige) Staffel der Serie überhaupt noch dem Zuschauer zugänglich gemacht wurde. Wonderfalls wurde von FOX kaum beworben, auf einem schlechten Sendeplatz verheizt und dann nach nur fünf Folgen abgesetzt. Erst die Fanproteste führten zur Veröffentlichung einer DVD-Box. Inzwischen lief die Serie sogar recht erfolgreich auf dem Sender LOGO.

Erfinder der Show ist – oh Wunder – Bryan Fuller, was schon einige Rückschlüsse auf den Inhalt gibt. Es geht mal wieder, wie auch bei Pushing Daisies oder Dead Like Me, die ebenfalls der Fantasie Fullers entsprangen, wundersam zu. Wonderfalls konzentriert sich dabei auf Schicksalsfragen und das große Thema Liebe. Und wie es bei Fuller so üblich ist, sprüht auch Wonderfalls über voller liebenswerter Details und skurriler Einfälle. „Unfreiwillige“ Heldin der Serie ist Jaye Tyler (verkörpert durch die bezaubernde Caroline Dhavernas), Mitglied einer reichen Familie, die es aber trotz Studiums mangels Antrieb und Leidenschaft nur zur Verkäuferin eines Souvenirshops an den Niagarafällen namens „Wonderfalls“ gebracht hat und in einem Trailerpark wohnt. Ihre gelangweilte und misanthropische Art erinnert etwas an Georgia Lass aus Dead Like Me. Auch Jaye wird durch wundersame Dinge in Ereignisse verwickelt, die sie ins Leben zwingen. Doch nicht dem Tod begegnet Jaye, sondern einem Wachslöwen, der spricht. Bald sprechen auch andere vermeintlich leblose Tiere zu ihr und verlangen von ihr, Dinge zu tun, die eigentlich keinen Sinn ergeben. Widerwillig führt sie die Anweisungen aus, um am Ende verdutzt festzustellen, dass sie mit ihrem Handeln einem Menschen geholfen hat. Doch Jaye kommt mit ihrer Rolle als unfreiwillige Heldin nicht zurecht und hält sich für total verrückt.

Für den geneigten Seher der Serie funktioniert sie gleich auf mehreren Ebenen. Zunächst ist es äußerst amüsant, dem verrückten Treiben zuzuschauen. Auch der Zuschauer weiß zunächst nicht, wohin das Ganze führen soll. Jaye rutscht von einer skurrilen Situation in die nächste. So mutet eine Folge wie ein kleiner Krimi an, bei dem erst am Ende alles aufgeklärt wird. Natürlich gibt es auch hier eine Rahmenhandlung. Jaye verliebt sich in den Barkeeper Eric (Tyron Leitso), der nicht mit der Trennung von seiner Frau Heidi (Jewel Staite) zurecht kommt. Das Zusammenfinden der Beiden wird einerseits durch die seltsamen Befehle der Tiere verhindert, andererseits durch die Angst Jayes, ihre Verrücktheit auf Eric zu projizieren. Auch die Nebencharaktere weisen eine für die Serie typische liebenswerte Verrücktheit auf, die oftmals sehr unterhaltsam ist. Als Bruder ist übrigens schon Lee Pace zu sehen, der später in Pushing Daisies die Rolle von Ned (The Piemaker) übernehmen wird.

Auch hier mal ein paar Worte zur Musik. Die Auswahl des Scores trifft wiederum voll meinen Geschmack. Besonders witzig fand ich den Einsatz von We Used To Be Friends von den Dandy Warhols bei einem Klassentreffen. Genau dieser Song wurde auch als genialer Titelsong für Veronica Mars verwendet. Auch der Titelsong von Wonderfalls (I Wonder Why The Wonderfalls von Andy Partridge) mit einer Textzeile wie „I wonder why the wonder falls on me“ trifft den Inhalt und die Stimmung der Serie ausgezeichnet. Eine Liste der für Wonderfalls verwendeten Songs findet sich hier. Einige Songs wurden allerdings wegen hoher Lizenzkosten auf der DVD-Version ausgetauscht.

Dass ein deutscher Free-TV-Sender die Serie jemals ausstrahlen wird, halte ich für fast unmöglich. Vielleicht gibt es sie mal auf einem Bezahlserienkanal von Premiere zu sehen, wenn man für die Synchronisation zahlen will. Bis dahin sei jedem Interessierten empfohlen, sich die englische Fassung zu Gemüte zu führen (beispielsweise auf DVD). Mir hat`s mal wieder sehr gefallen!

Dead Like Me – So gut wie tot

Posted in Serienjunkietum with tags , , , , , , , , , , on Sonntag, 1. Juni 2008 by mediensucht

Es gibt da so Serien, die sind wie für mich gemacht. Sympathische Charaktere in schrägen Geschichten und bunter Umgebung, dazu eine schöne Portion skurrilen Humors und abgefahrener (positiver) Verrücktheit, umgesetzt mit viel Herz und Liebe zum Detail. Das Alles ist beispielsweise in Pushing Daisies zu finden. Da hier aber Dead Like Me (als deutscher Titel wird bisweilen So gut wie tot genannt) als Überschrift prangt und ich über Pushing Daisies schon schrieb, muss die überschriftgebende Serie auch etwas damit zu tun haben, wonach es bei mir allerdings anfangs gar nicht aussah.

In Dead Like Me (DLM) geht es, wie man sich vielleicht denken kann, vordergründig um den Tod. Die 18-jährige Georgia Lass (die bisweilen zu dünne Ellen Muth) wird von einer nicht ganz verglühten Klobrille der russischen Raumstation MIR erschlagen, wandert aber nicht geradewegs ins Reich der Toten, sondern muss ihr Untotsein als Seelensammlerin fristen. Seelensammler nehmen sich kurz vor dem Tod eines Menschen dessen Seele (damit sie unversehrt bleibt) und geleiten sie weiter ins … nun ja, das wird nie wirklich geklärt. Ihr Job ist es also, die potentiell Sterbenden zu finden, sie zu berühren, um ihre Seele zu nehmen und dieser dann in ihrer Verwirrtheit nach dem Tot zu helfen. Einzige Hinweise auf den Toten geben Post-it-Zettel mit Nachnamen, Ort und anzunehmenden Todeszeitpunkt, die ein gewisser Rube (Mandy Patinkin) verteilt. Damit die Seelensammler ihre Taten ohne größere Probleme ausführen können, sind sie sichtbar (im Gegensatz zu den Seelen) in der Gesellschaft integriert. Für die Lebenden haben sie allerdings ein anderes Erscheinungsbild als vor ihrem Tod.

Erfinder von DLM ist Bryan Fuller, der nicht nur hinter Pushing Daisies steckt, sondern auch die ebenso wunderbare Serie Wonderfalls (dazu später einmal mehr) kreierte. Die Parallelen sind offensichtlich. Wieder geht es um Schicksal und Tod, verpackt in schwarzem Humor und bunten Bildern. Der Mann scheint voller schräger Ideen aus dem Reich der Fantasie zu stecken. Fuller war übrigens auch als Schreiber und Produzent an Serien wie Star Trek – Deep Space 9 bzw. Voyager und Heroes beteiligt. Leider verabschiedete sich Fuller nach fünf Folgen DLM wegen Streits mit der Produktionsfirma MGM. Dennoch hält die Serie ein verdammt hohes Niveau, was die Absetzung nach zwei Staffeln unverständlich macht. Interessanterweise kommt diesen Sommer aber ein Film (direkt auf DVD) heraus, dessen Erfolg (so er denn stattfindet) eine Weiterführung der Serie ermöglichen könnte.

Wie eingangs geschrieben, hatte ich zuerst ein paar Probleme mit DLM. Das lag hauptsächlich an der Hauptfigur Georgia Lass, die mir mit ihrer gelangweilten Art einfach unsympathisch war. Genau das war aber das Konzept und ich gab ihr – wie auch das „Leben“ in der Serie – noch eine Chance. Sie findet nämlich endlich zum Leben … nach dem Tod! Und siehe da, mit der Zeit blüht Georgia auf und gelangt damit auch in mein Herz. Es wäre aber auch ärgerlich gewesen, diese Serie nicht gesehen zu haben, sie ist nämlich schlicht und ergreifend wunderbar gemacht. Die Geschichten gehen ans Herz, die Charaktere sind auf ihre spezielle Art und Weise sympathisch, der Detailreichtum ist großartig. Die allmorgendlichen Treffen mit Rube (dem Zettelverteiler und Ersatzvater für Georgia) finden beispielsweise in einem deutschen Waffelhaus (im Original: Der Waffel Haus) statt. Die schwarze Kellnerin spricht in der deutschen Übersetzung bayrisch! Die Synchronisation ist dann auch insgesamt als gelungen zu bezeichnen, sie verstärkt teilweise sogar. So wirkt Rube in der Synchro mit seiner viel wärmeren Stimme noch väterlicher und Georgia (genannt „George“ – wie auch Charlotte in Pushing Daisies mit „Chuck“ einen Männernamen als Spitznamen hat) noch jünger, gelangweilter oder aufmüpfiger.

Für die Musik ist Stewart Copeland verantwortlich und damit kein Geringerer als der (Ex-) Schlagzeuger von The Police! Er versteht es tatsächlich ausgezeichnet, nicht nur mit Holzstöcken auf fellbespannte Kessel oder Metall einzuhauen, sondern einen unterstützenden Score an unsere Ohren gelangen zu lassen! Dennoch wird im Waffelhaus, wo viele witzige Gespräche zwischen den Seelensammlern (und damit ein nicht unwesentlicher Teil der Handlung) stattfinden, permanent klischeehafte Jodel- und Volksmusik gespielt. Ziemlich skurril sind auch die Art und Weisen, wie die Seelenbefreiten zu Tode kommen. Oft werden die Erwartungen des Zuschauers nicht erfüllt und das Offensichtliche wird zur Nebensache. Dann kommt wieder alles so, wie es kommen musste. Summa summarum: Es wird nie langweilig!

In Deutschland wurde DLM bisher nur auf PREMIERE ausgestrahlt. RTL2 soll angeblich auch Rechte an der Serie haben, hat bisher aber noch nichts gezeigt. Die erste Staffel gibt es gerade sehr günstig bei Amazon.de zu kaufen. Auf den Region2-DVDs des Auslands zur zweiten Staffel soll wohl deutscher Ton enthalten sein, ich hoffe aber auf eine offizielle Veröffentlichung. In jedem Fall gebe ich aber eine dicke Empfehlung, sich diese warmherzige und witzige Serie – ob nun auf Englisch oder auf Deutsch – zu Gemüte zu führen. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn es nach dem Film bald neue Folgen von Dead Like Me geben würde.