Children Of Men

Da ich mit King Kong gerade bei Lieblingsfilmen bin, möchte ich allen, die ihn noch nicht gesehen haben, einen Film aus dem Jahr 2006 empfehlen: Children Of Men

Circus Maximus

children_of_men0.jpgAb und zu – und in letzter Zeit leider viel zu selten – passiert es, dass man aus dem Kino kommt und dieses Gefühl hat, das wohl ein Kind nach seinem ersten Zirkusbesuch haben sollte – zumindest in unserer Klischeevorstellung. Es ist ein Gefühl aus Staunen, teils aus Furcht (vor den Raubtieren etwa), teils aus Entzückung, das gerade eben Dargebotene noch nie zuvor so gesehen zu haben. So ein Gefühl ist in der heutigen Zeit mit ihrer Flut an Eindrücken aus den Massenmedien sicherlich nur noch schwer zu erzeugen, doch ab und zu gibt es Lichtblicke und The Children of Men von Alfonso Cuarón ist einer davon.

Cuarón wirft den Zuschauer augenblicklich ins Geschehen, ohne sich mit langen Erklärungen aufzuhalten. Er präsentiert ihm die wissenswerten Einzelheiten über Zeit, Ort und Lebensumstände der Menschen so nebenbei, gewissermaßen im Vorübergehen (und das ist wörtlich zu nehmen). So ist der Zuschauer sofort in der Geschichte involviert, wird gezwungen auf Details am Rande zu achten, um zu verstehen – eigentlich ein einfacher Trick, um die Konzentration des Zuschauers zu fordern.

Schon die erste Szene mit ihrem kleinen Schockmoment macht dem Zuschauer klar, wir befinden uns in naher Zukunft, die Zeiten sind rau geworden. Die Menschheit ist aus ungeklärten Gründen zeugungsunfähig geworden, das Chaos ist ausgebrochen, nur in England herrscht „dank“ rigoroser Einwanderungspolitik eine vage Ordnung. Theo (Clive Owen) versucht dank einigermaßen geregelter Arbeit mit den Umständen zurecht zu kommen, wird aber mehr oder weniger zufällig mit einer Aufgabe betraut, die quasi lebenswichtig ist – für die ganze Menschheit!

Die (zumindest für mich) schon sehr interessante Geschichte ist bei einem guten Film die eine Sache. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die filmische Umsetzung. Hier setzt Cuarón Maßstäbe. Ich muss zugeben, dass ich eine solch brillante Arbeit seit langem nicht gesehen habe. Cuarón bzw. Bildgenie Emmanuel Lubezki ist mit der Kamera hautnah bei den Protagonisten. Es gibt duzende Szenen, die den Zuschauer direkt am Geschehen teilhaben lassen, ihn aufsaugen. Dabei nervt Cuarón nicht etwa mit übermäßig eingesetzter Wackelkamera, seine Kamera ist vielmehr permanent in Bewegung. Die Einstellungen sind teilweise endlos (ohne Schnitt). Oft ist mir der Mund offen geblieben vor Erstaunen, wie eine Szene wohl so umgesetzt werden konnte. Die Action ist teils hart und überraschend, sie macht einem regelrecht Angst. Insgesamt reiht sich fast eine beeindruckende Szene an die andere.

Fast nebensächlich mutet da die Feststellung an, dass sich auch die Schauspielerleistungen sehen und der Soundtrack hören lassen kann. Clive Owen als gehetzter und zweifelnder Held brilliert zum wiederholten Mal. Die Nebenrollen sind hochkarätig besetzt (Julianne Moore, Michael Caine). Der Score ist immer unterstützend und nie nervend, die eingesetzten Songs bieten kleine psychologische Oasen der Erholung.

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In meiner Schwärmerei bin ich geneigt, mehr vom Inhalt preiszugeben, mir juckt es in den Fingern, einzelne brillante Szenen zu beschreiben. Da dies aber eine einigermaßen spoilerfreie Werbung für den Film sein soll, ende ich mit der Aufforderung: Schaut Euch diesen Film (auf DVD) an und verpasst nicht eines der beeindruckendsten Filmerlebnisse des Jahres 2006! Willkommen im Circus Maximus!

10/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)

4 Antworten to “Children Of Men”

  1. Hey, ich dachte schon, deine „Rohen Ostern“ bleiben da noch ne Woche auf der Poleposition. 😉

    Der Film „Children of Men“ ist mir noch nicht vor die Linse gekommen, dabei spielt Julianne Moore mit, die ich allgemein ziemlich sympathisch finde. … Mal schauen, wann ich es schaffe, den Film genauer unter die Lupe zu nehmen.

    Gruß, Valentine

  2. Meine Begeisterung für „Children of Men“ wird ja eher selten geteilt, umso angenehmer, dass mal hier einer meiner Meinung ist. Ich fand ihn im Detail politisch, klug, das Produktionsdesign zum Hinknien, Kameraführung und Schnitt der Hammer, dabei richtig spannend.

  3. @ Thomas

    Ich persönlich kenne niemanden, dem der Film nicht gefällt. Im Forum von kino.de kam der Film sehr gut an. Er ging nur leider in den Kinos etwas unter und hatte nicht die Zuschauerzahlen, die er verdient hat. Und Lubezki hätte längst einen Oscar bekommen müssen. Er stand übrigens beim neuen Coen-Film BURN AFTER READING hinter der Kamera – DAS WIRD EIN FEST!!!

  4. […] seiner Taten. Der wissenschaftliche Fortschritt wird als Bedrohung angesehen. Ist der Mensch in Children Of Men, dem besten Sciencefictionfilm der letzten Jahre, noch Opfer von selbstverschuldeten […]

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