Once – Independent Pathos

Independent Pathos

Independentfilme sind zumeist „kleine“ Filme: Sie sind mit geringem Geldeinsatz und unter hohem Zeitdruck hergestellt, dafür gehen sie kreativ mit ihren Geschichten um und erzählen, ohne den Hollywood-Erzählmustern zu folgen. (wikipedia)

once.jpgSoweit die Definition aus dem Onlinelexikon. Die Vor- und Nachteile scheinen angesprochen. Ähnlich verhielt es sich tatsächlich mit Once, einer Independentproduktion aus Irland. Das Geld reichte gerade für eine DV-Kamera, der Film wurde in nur zwei Wochen abgedreht. Die Geschichte ist einfach, die Schauspieler unerfahren und dennoch funktioniert der Film und heimste schon auf mehreren Festivals Preise ein.

Ein Straßenmusiker mit Gitarre, der mit der Musik seinen Lebensunterhalt aufbessert und eigentlich Staubsauger repariert, trifft eine Blumenverkäuferin mit Emigrationshintergrund, die nebenbei putzt und damit versucht, ihre Familie zu versorgen. Ihr gefällt seine Straßenmusik. Es stellt sich heraus, dass sie relativ gut Klavier spielen kann, so dass sie schnell zusammenfinden und eine CD aufnehmen wollen. Beide Protagonisten versuchen mit ihrer Musik ihre verflossenen Lieben aufzuarbeiten und kommen sich dabei näher.

Der Film lebt durch seine Musik. Die Lieder im Songwriter-Stil sind einfühlsam und wirken echt. Komponist Glen Hansard übernahm nach der Absage des ursprünglichen Schauspielers die Hauptrolle des Straßenmusikers gleich selbst, was dem Film sehr gut steht. Irischer Charme und die Bodenständigkeit machen ihn ziemlich sympathisch. Ebenso verhält es sich mit seinem Gegenüber. Die tschechische Pianistin wird von Markéta Iglová gespielt, die wahrlich nicht aus dem Model-Katalog entstammt. Da sich beide Schauspieler wohl schon vorher kannten, stimmt die Chemie, was man in jeder Sekunde des Filmes merkt.

Die Liebesgeschichte ist im Vergleich zu den üblichen Hollywoodproduktionen sehr feinsinnig und zurückhaltend inszeniert. Besonders bemerkenswert war für mich die Szene des ersten musikalischen Zusammenspiels der beiden Hauptfiguren. Unterstützt durch die sensible, aber auch kraftvolle Musik öffnen sie ihr Inneres, teilen gemeinsamen Schmerz, finden über diese emotionalen und musikalischen Gemeinsamkeiten zueinander. Eigentlich einfach gemacht, aber sehr wirksam und eindrucksvoll.

Die Bilder wirken dagegen billig. Der Film sieht fast einem Dokumentarfilm ähnlich. Auf Ausleuchtung wurde ganz verzichtet. Es wackelt gewaltig. Schöne Kinobilder sind aber etwas anderes. Manchem mag dieser vermeintlich authentische Stil gefallen, meiner Philosophie entspricht er nicht. Gerade Kinobilder sollten auch Kinobilder sein. Man nimmt schließlich als Musiker auch eine CD auf und beschränkt sich nicht auf eine Audiokassette.

Das Schöne an Independentfilmen ist, dass sie, wie oben schon erwähnt, auf übliche Hollywoodmuster verzichten. Eine Liebesgeschichte lebt also beispielsweise durch die Darsteller oder durch die Musik. Dieses Konzept geht auch weitestgehend auf, nur leider wirkt sich dieser vermeintliche Vorteil zum Ende hin als etwas zu nerviges Detail aus. Die Musik, die doch eigentlich die Geschichte transportieren sollte, stellt sich in den Mittelpunkt. Sie übertönt jede Szene, verkleistert die zuvor so liebevoll inszenierten Nuancen der Beziehung, macht die Liebesgeschichte viel zu pathetisch und schwülstig. Das hat mich dann doch etwas verstört zurückgelassen.

Insgesamt ist Once ein schöner Musiker-Film. Die Geschichte ist liebenswert und ungewöhnlich erzählt, die Atmosphäre stimmt trotz mangelhafter Optik. Leider suhlt sich der Film gegen Ende hin in seiner Unabhängigkeit, vergisst seine Zurückhaltung und wird pathetisch und überzeichnend. Schade!

7/10 Pillen zur Entwöhnung

(auch auf kino.de)

Eine Antwort to “Once – Independent Pathos”

  1. […] Once (John Carney) Ähm, siehe Kritik. […]

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