Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Das filmgewordene Gemälde für alle Sinne

Zur Unterstützung ihrer Familie arbeitet die 17-jährige Griet (Scarlett Johansson) als Magd im kindereichen Haushalt des sensiblen, perfektionistischen Malers Johannes Vermeer (Colin Firth). Dessen Bilder lösen bei Griet Faszination aus. Vermeer ist von Griets nach außen schüchternen, aber aufgeschlossenen Wesen fasziniert. Aus dieser Beziehung entsteht nicht nur das berühmte Gemälde, sie führt auch zu Spannungen im Hause Vermeer …

Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ zählt neben „Ansicht von Delft“ oder „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ zu den bedeutendsten Werken von Jan (Johannes) Vermeer. Der am 31.10.1632 in Delft geborene Maler prägte das Goldene Zeitalter der Niederländischen Malerei entscheidend mit, auch wenn er, wie so viele, erst nach seinem Tod am 15.12.1675 gebührende Anerkennung fand. Über das Leben Vermeers ist wenig bekannt. So gut wie nichts weiß man über das Mädchen mit dem Perlenohrring, was Spekulationen freien Lauf lässt.

Das Drehbuch für den Film stammt von Olivia Hetreed, die den Roman von Tracy Chevalier adaptierte. Die Geschichte ist rein fiktiv (bis auf Grundbausteine wie Familienverhältnisse, historisches Umfeld usw.), könnte aber durchaus so stattgefunden haben. Chevalier hatte ein Poster vom Bild in ihrem Schlafzimmer hängen: Ich lag eines Morgens in meinem Bett, betrachtete das Gesicht des Mädchens und dachte plötzlich: „Was hat Vermeer nur getan, um sie zur selben Zeit so glücklich und traurig aussehen zu lassen?“ Innerhalb von drei Tagen hatte ich die gesamte Story ausgearbeitet. Es war gar nicht anstrengend, ich konnte alles in ihrem Gesicht sehen. Vermeer hatte die ganze Arbeit bereits für mich gemacht. (aus dem Film-Flyer)

Wie schon die Schriftstellerin sich nach dem Bild richtete, benutzten auch die Filmemacher Details dieses Bildes sowie auch andere Bilder von Vermeer als Grundlage für diesen Film. So ist der Film ein einziges „animiertes“ Gemälde Vermeers. Er ist detailgetreu ausgestattet und von Regie-Debütant Peter Webber und Kameramann Eduardo Serra so ausgeleuchtet und in Szene gesetzt, als würde man bei jeder Aufnahme ein Bild von Vermeer betrachten.

Die Handlung und Charakterisierung der Personen wirken oberflächlich betrachtet etwas seicht. Hier liegt die Faszination aber (und das ist das Schöne) im Detail. Die Beziehung zwischen Vermeer und Griet bleibt bis auf einige Berührungen zwar zurückhaltend, es ist aber in jedem Aufeinandertreffen durch die geschickte Inszenierung ein Knistern zu verspüren. Beide Charaktere wachsen durch diese Beziehung. Zu jedem Detail des Bildes wird eine Entstehungsgeschichte erzählt, was keine plumpe Abarbeitung ist, die Bilddetails ergeben sich vielmehr eher zufällig aus der Geschichte heraus. Die Geschichte lebt von den positiven wie auch negativen Spannungen aller handelnden Personen.

Die Charaktere sind ausgezeichnet besetzt, wobei natürlich Fräulein Johannson hervorzuheben ist, die nicht nur durch verblüffende Ähnlichkeit zum Mädchen auf dem Gemälde auffällt, sondern auch durch dezentes, aber tiefgründiges Spiel. Die Lebensumstände des 17. Jahrhunderts werden zwar dargestellt, das Allerübelste aber weggelassen, da es den malerischen Gesamteindruck nur trüben würde. Die anfänglich sehr schöne Musik von Alexander Desplat wirkt gegen Ende hin etwas eindimensional (Kleinigkeit!).

Am Schluss wird ausführlich das Originalgemälde von Vermeer gezeigt. Dies steht nicht im Widerspruch zum Film (man weiß ja, dass es zuvor ein Film war!), sondern ist nochmals, wie schon der Film, eine Hommage an das Können Vermeers und die Schönheit des Bildes. Man spart sich quasi den Museumsbesuch. Der Film ist wunderschönes Kino fürs Auge, besticht durch großen Detailreichtum und schöne Bilder, bietet durch spannende Charaktere und schöne Musik aber auch den anderen Sinnen etwas.

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8 Antworten to “Das Mädchen mit dem Perlenohrring”

  1. Nach dem Hype den ich gehört hatte, war ich vom fertigen Film letztlich enttäuscht. Prätentiös und weitestgehend uninteressant, meiner Ansicht nach. Da schaue ich dann lieber GOYA’S GHOSTS.

  2. Ach schade, das schöne Bild von Natalie Morales im Lederdress ist nach unten verdrängt…

    Stattdessen sehen wir eine Scarlett Johannsen in der Chemo-Therapie… Nuja.

  3. Banausen, Ihr! 😉

    Rudi, ich habe die Kritik damals direkt nach der Filmsichtung geschrieben und habe von einem Hype nichts mitbekommen. Ich wüsste nicht, was ich dem Film vorwerfen sollte. Mir hat er gefallen.

    Hirngabel, im Gegensatz zu manch anderem Blogger liefere ich immerhin Inhalte! :mrgreen:

  4. Jaja, ist ja schon gut. Gibt ja jetzt wieder Inhalte, wo ich jetzt mit LOST durch bin. =)

  5. Mich hat der Film auch nicht überzeugt. Und vorallem am Schluss verstand ich irgendwie nicht, was der Film mir nun sagen sollte… keinen Sinn nix. Ausser dass ein Mann Bilder gemalt hat. Ich muss gestehen, ich habe erst zwei Monate später im Metropolitan Museum gesehen, dass es ja diesen Künster wirklich gegeben haben musste. Ich dachte das sei nur ein Film gewesen, schien dann aber wohl eine wahre Geschichte zu sein 🙂

  6. Clarissa, in erster Linie geht es ja um die mögliche Entstehung eines sehr berühmten Gemäldes. Hinter dieser „Hülle“ ist der Film aber auch ein Beziehungsdrama aus zwei Beobachtungsebenen. Der Maler sucht verzweifelt Inspiration und findet sie ausgerechnet in einer Magd. Die Magd versucht ihren Platz im Leben zu finden und setzt sich dabei über bestehende Konventionen hinweg. Die knisternde Chemie zwischen den Beiden fand ich sehr faszinierend. Am Ende ist der Film natürlich auch ein interessantes Porträt der Zeit und der Mechanismen der Kunstförderung. Also von wegen „nix Sinn“. Es ist Dir natürlich erlaubt, das alles uninteressant zu finden! Ja, so freundlich bin ich … :mrgreen:

  7. also ich habe den Film gesehen und das Buck gelesen und ich muss sagen, der Film drueckt die emotionen und die Handlungen nicht halbsogut aus, wie das Buck. Dieses Buch hat mich echt zum weinen gebracht und es war eine zauberhafte Geschichte, die ich voller Sapnnung bist zum Ende gelesen habe.. Abend für Abend habe ich gelesen, weil ich sonst keien Zeit dafür gefunden habe. Am nächsten Morgen konnte ich kaum aus dem Bett, weil mich dieses Buck stehts wach gehalten hat.
    Der Film ist dagegen wircklich nicht so gut, denn auf viele Details wird nicht eingegangen. Ich persöhnlich war seht enttäuscht.
    Vllt liegt es daran das ich erst 17 bin und das alles ganz anders wahrnehme als andere Menschen, aber ich war wircklich nicht begeistert von diesem Film.
    Wirklich schade, denn es ist eine so schöne und traurige Geschichte mit einen super Happy End!

  8. Maus, ich kenne das Buch nicht. Man darf aber Filme nicht immer an den Büchern messen. Film ist ein anderes Medium, das andere Übertragungsmethoden nutzt. Die eigene Fantasie wird da eher selten getroffen. Ich fand den Film schon sehr stimmungsvoll, auf alle Details kann man schon aus Zeitgründen nicht eingehen. Schade jedenfalls, das Dir der Film nicht zusagte.

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