Archiv für BBC

Extras

Posted in Serienjunkietum with tags , , , , , on Dienstag, 9. September 2008 by mediensucht

Da ich sie schon im Beitrag zu The IT Crowd erwähnt und gelobt habe, hier ein paar ausführlichere Worte zur britischen Comedy-Serie Extras. Extras handelt, wie der Name schon verrät, von Statisten bzw. Komparsen für Filme oder Serien. Als Zuschauer verfolgen wir das („Berufs“-) Leben zweier solcher Extras. Da wäre zum einen der ambitionierte, aber wenig erfolgreiche Andy Millman (Ricky Gervais), der von dem völlig unfähigen Agenten Darren Lamb (Stephen Merchant) betreut wird. Andy will unbedingt ernsthafter Schauspieler werden, bringt es aber nicht einmal zu einer Textrolle als Kleindarsteller. Im Laufe der Serie konzipiert er eine alberne Sitcom, mit der er aber auch nicht wirklich zufrieden ist. Ihm an die Seite gestellt ist Maggie Jacobs (Ashley Jensen), ebenso erfolglose Statistin, die sich aber hauptsächlich für die männlichen Darsteller interessiert und vergeblich nach einer festen Beziehung strebt.

Einerseits ist es natürlich interessant, mal hinter die Kulissen des Films zu schauen und einen kleinen Einblick in die Produktionsmechanismen eines Films zu erhalten. Wenn man selbst mal etwas als Statist gearbeitet hat, kommen einem viele der gezeigten Szenen seltsam bekannt vor. Witzig sind z. B. solche Szenen, wo es um die Unterschiede zwischen Hauptdarstellern und Statisten bei der Essensausgabe geht.

Als roter Faden durch alle 12+1 Folgen zieht sich aber die besondere Fähigkeit der zwei Helden, kein Fettnäpfchen in der Konversation mit Stars und anderen Figuren auszulassen. Es ist einfach köstlich (und manchmal auch schmerzhaft) mit anzusehen, wie sich Maggie und Andy in verschiedenen Situationen selbst „in die Scheiße reiten“ bzw. reden. Dabei geht es – typisch britisch – zum Teil recht deftig zu. Angst vor Tabuthemen gibt es kaum.

Highlight einer jeden Folge ist natürlich der Auftritt eines Stars, der sich mit dem vorhandenen Grundkonstrukt prima in die Geschichten einbauen lässt. Auch die Stars nehmen selten Rücksicht auf ihr Ansehen und lassen sich auf äußerst amüsante Weise durch den Kakao ziehen. Typische Klischees und Marotten, die man den Stars so nachsagt, werden humorvoll ausgekostet. Kate Winslet spielt beispielsweise mit ihrem Oscarversagen, „Harry Potter“ Daniel Radcliffe mimt das versaute Muttersöhnchen. Daneben gab es noch Ben Stiller, Vinnie Jones, Samuel L. Jackson, Patrick Stewart, Orlando Bloom, David Bowie, Chris Martin, Sir Ian McKellen, Clive Owen und Robert de Niro zu sehen.

Leider gibt es von den Extas nur zwei Staffeln a sechs Folgen plus eine Spezial-Weihnachtsfolge als Serienabschluss. Die Erschaffer Gervais und Merchant (die schon mit The Office einen Knaller landeten) widmen sich nun anderen Projekten. Da nützen auch die großen Erfolge im Ausland (Golden Globe, Emmy Award) nichts. Hier in Deutschland lief Extras auf dem Spartenkanal Comedy Central und fand damit nicht das verdiente Publikum. Ich empfehle den DVD-Kauf!

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Doctor Who von Pro7 abgesetzt

Posted in Serienjunkietum with tags , , , , , , , on Mittwoch, 6. Februar 2008 by mediensucht

Eigentlich wollte ich demnächst eine kleine Empfehlung für die Serie Doctor Who geben, musste heute aber lesen, dass ProSieben die Serie nach dem 9.2. und dann 6 Folgen einstellen wird.

Doctor Who ist die Fortsetzung der Kult-Science-Fiction-Serie gleichen Titels der BBC (ab 1963) im Stile von Per Anhalter durch die Galaxis. Doctor Who (ab 2005 gespielt von Christopher Eccleston) reist in einer blauen Telefonzelle mit der jungen Rose (Billie Piper) durch Raum und Zeit. Folge 1 handelte vom ersten Treffen der Beiden. In Folge zwei wohnten sie dem Untergang der Erde in 5 Mrd. Jahren bei. Schriftsteller Charles Dickens war Objekt des Interesses in Folge 3, während Folge 4 wieder in heutiger Zeit spielte und eine Invasion von Außerirdischen abgewehrt werden musste. Nach Folge 5 und 6 am nächsten Samstag ist dann wohl Schluss.

doctor_who.jpg

Mir gefiel die Storyidee, aber auch der äußerst schräge Humor der Serie. Dabei geht die Serie durchaus kritisch mit den jeweiligen Befindlichkeiten der entsprechenden Zeit um. Die Serie ist zudem spannend und liebevoll ausgestattet. Leider fand sie in Deutschland kaum Zuschauer, was wohl auch am unglücklichen Sendeplatz lag. Es ist sehr schade, das zum wiederholten Male eine vielversprechende Serie nach wenigen Folgen abgesetzt wird, aber damit muss man in Deutschland leider leben!

Update (12.02.08): Laut DWDL sucht Pro7 einen neuen Sendeplatz für die Serie. Ich bin gesapnnt!

Update (18.04.08): Die Serie läuft wieder auf Pro7 auf einem anderen Sendeplatz am Sonntag, und das mit besseren Quoten. Da nun aber die DVD schon erhältlich ist, frage ich mich, ob die wirklichen Fan die TV-Ausstrahlung noch verfolgen. Zumindest hat man durch dieses Vermarktungsdurcheinander Potential verschenkt.

Tripods – Die dreibeinigen Herrscher

Posted in Glotzophonie, Serienjunkietum with tags , , , , , , , on Samstag, 2. Februar 2008 by mediensucht

dreibeiner.jpgMitte der 80er Jahre gab es im Kinderfernsehen des ZDF eine Serie, die mich damals ziemlich beeindruckte. Dabei handelte es sich um eine Science-Fiction-Serie der BBC, die für mich den ersten Kontakt zu außerirdischem Leben schaffte. Die nach der Vorlage von John Christopher „Die dreibeinigen Monster“ eigentlich auf drei Staffeln ausgelegte Serie The Tripods wurde wegen zu hoher Produktionskosten nach der zweiten Staffel und insgesamt 25 Folgen eingestellt.

In naher Zukunft herrschen auf der Erde dreibeinige Maschinen. Die Menschheit wurde zum großen Teil vernichtet. Die restlichen Menschen leben in ins Mittelalter zurückgesetzten Dörfern unter einfachen Umständen. Im Alter von 14 Jahren werden sie geweiht. Dabei bekommen sie eine goldene Kappe eingepflanzt, die ihnen Emotionen (u.a. Gewalt) und die Kreativität nimmt. Die zwei Jungen Will und Henry flüchten aus einem englischen Dorf, um in den Alpen auf einen Rest freie Menschen zu treffen. Staffel 1 (Folge 1-13) besteht dann auch hauptsächlich aus dieser Fluchtgeschichte durch England und Frankreich. Das ist zum Teil etwas langatmig. Die Dreibeiner, die an jene aus Krieg der Welten nach H.G. Wells angelehnt sind, sieht man vorerst nur in der Ferne. Schon hier ist die mittelalterliche Welt prächtig ausgestattet. Das unbeholfene Overacting ist irgendwie witzig und sympathisch.

Richtig zur Sache geht es dann in der zweiten Staffel (Folge 14-25). Jetzt kommt zu klassische Science-Fiction: Um in die Stadt der Dreibeiner zu kommen, müssen die Protagonisten einen Wettbewerb gewinnen. In der Stadt treffen sie dann auf seltsame dreibeinige Bioformen, die mit der Menschheit Böses vorhaben. Nun ist das Setting futuristisch und es wird philosophisch. Auch hier ist die Ausstattung fantastisch, was die Serie wohl nochmals verteuert hat. Da es nie zur dritten Staffel kam, endet die letzte Folge mit einem großen Cliffhanger.

 

tripods2.jpg

Aus heutiger Sicht wirkt das Ganze natürlich etwas antik, aber durchaus charmant. Wenn man die erste Staffel erst mal überstanden hat, lohnt sich der Rest auch heute noch. Für einen Heranwachsenden in den 80ern des letzten Jahrhundert war das Alles nicht nur filmisches Neuland, sondern hat auch einen tiefen Eindruck hinterlassen, was für beängstigende Gefühle und auch Faszination so eine Fernsehserie auslösen kann.