James Bond 007 – Ein Quantum Trost

Actionreicher Stillstand

james_bond_007_1Die James Bond-Reihe ist eine der erfolgreichsten Filmreihen überhaupt. Ein James Bond-Film war dabei immer ein Spiegelbild der Zeit, in der er entstand. Politische und gesellschaftliche Verhältnisse fanden sich im Film wieder, James Bond selbst war dabei auch einer Entwicklung unterworfen, gewisse Elemente, die sich in den ersten Filmen etabliert hatten, blieben dagegen immer gleich. Anfang des neuen Jahrtausends war die Figur verbraucht. Man nahm diesem gestriegelten feinen Herrn das Haudraufimage nicht mehr ab. Der Frauenheld war out. Die Geschichten waren nur noch peinlich bis gaga. Es musste etwas geschehen. Zum Glück besann man sich auf die Anfänge von Bond. Mit Daniel Craig fand man einen Schauspieler, der einerseits zeitgemäß wirkte, andererseits dem Ur-Bond eines Sean Connery mit seiner physischen Präsenz wieder näher kam als dessen Nachfolger.

Nach all der vorangegangenen Skepsis war Casino Royale der erfolgreichste Bond aller Zeiten. Das Konzept der Neuerfindung des James Bond ging auf. Essentiell dafür war ein ausgezeichnetes Drehbuch, das uns wieder zu den Anfängen der Figur führen wollte. Wie wurde aus James Bond der frauenverschlingende Geheimagent mit Stil? Die Geschichte verpackte man in ein zeitgemäßes, modernes Umfeld und fesselte den Zuschauer mit atemberaubender Action und intelligenten Dialogen. Ein Bondgirl durfte nicht fehlen, doch gab es diesmal Kontra, was den neuen alten Bond tief beeindruckte. Vesper Lynd stand auf Augenhöhe mit Bond. Es folgte die kurze große Liebe und der schmerzliche Verlust. Darauf sollte nun Ein Quantum Trost aufbauen. Das Feld war bestellt, doch die Ernte fiel kläglich aus.

QUANTUM OF SOLACE

Die Ankündigung, der Film enthalte doppelt so viele Actionszenen wie sein Vorgänger, mutete wie eine Drohung an, war doch die Mischung aus Action und Wort beim Vorgänger noch optimal. Doch der Titel Ein Quantum Trost ließ trotz seiner Ungriffigkeit zumindest inhaltlich einiges erhoffen. Mit Marc Forster wurde zudem ein Regisseur engagiert, der nicht gerade im Actionfilm zu Hause ist. Das Drehbuchteam war das Gleiche wie bei Casino Royale, man durfte also davon ausgehen, dass die Herren wissen, wohin sie mit ihrer Figur wollen. Doch weit gefehlt, gerade das schlechte Drehbuch ist mein Hauptkritikpunkt am Film.

Bond ist leider jede charakterliche Tiefe abhanden gekommen. Er rennt von einer Actionszene zur nächsten. Dass er sauer ist, lässt sich leicht erkennen, wie es jedoch in seinem Inneren aussieht, nur erahnen. Das liegt einerseits am fehlenden Zusammenspiel mit anderen Figuren. Das Hauptbondgirl Olga Kurylenko bleibt äußerst blass, wobei ihr auch wenig Raum zum Glänzen gegeben wird. Der Racheengelhintergrund ist zu offensichtlich und platt. Seltsamerweise hat die mit viel kürzerer Leinwandzeit ausgestattete Gemma Arterton (als Strawberry Fields) viel mehr Präsenz und Ausstrahlung als Kurylenko, ein Tausch wäre wohl interessanter gewesen. Andererseits bietet die Rahmenhandlung viel zu wenig Ansatzpunkte, Bonds Seelenwelt zu erleuchten. Der Bösewicht ist nicht wirklich beeindruckend, sein Kompagnon sogar peinlich. Über die Titelgebende mysteriöse Gesellschaft „Quantum“ erfährt man so gut wie nichts. Woraus Bond seinen Trost gewinnt, bleibt unklar.

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Die Anzahl der Actionszenen ist tatsächlich hoch. Die Action ist schnell und modern gemacht. Wer solche Action bei der Bourne-Trilogie schon nicht mochte, wird hier ebenfalls keinen Gefallen finden. Es wird teils unübersichtlich, der Schrottfaktor ist hoch. Schlecht sieht das Alles nicht aus, mit der Zeit wird es aber ermüdend, weil die Geschichte nicht vorangetragen wird. Der Style des Films ist bond-like gelungen. Schöne Settings und tolle Aufnahmen vermitteln den globalen Charakter, den Bond schon immer hatte. David Arnolds Score ist gewohnt eingängig und atmosphärisch.

Daniel Craig müht sich, findet im actionlastigen Drehbuch aber keinen Raum, seiner Figur Tiefe zu vermitteln. Die Actionszenen meistert er gewohnt eindrucksvoll, es fehlen aber die zwischenmenschlichen Momente. Einige Dialoge sind wiederum großartig geschrieben, oftmals springt der Funke aber nicht über. Gerade das Zusammenspiel mit Kurylenko ist ernüchternd. Gesagt wird meist das Offensichtliche. Über den Einfluss von Marc Forster auf diese Missstände kann man streiten. Man kann ihm zumindest vorwerfen, nichts gegen das miese Drehbuch getan zu haben.

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Ein Quantum Trost bedeutet Stillstand, wenn nicht sogar Rückschritt. Gute neue Elemente aus Casino Royale wurden wieder verworfen. Die Stärken des Vorgängers wurden verwischt, die Gewichtung der Filmelemente ist eine Falsche. Ordentliche Action ist schön und gut, sie darf in einem Bondfilm aber nie die Oberhand gewinnen bzw. die eigentliche Geschichte überdecken. Ich hoffe, dass der nun eingeschlagene Weg nochmals überdacht und zurück zu den Stärken eines Casino Royale gefunden wird. Dieser Bond ist zwar ziemlich überflüssig, richtet damit aber keinen Schaden an, der nicht wieder gekittet werden könnte. „James Bond will return“ ist damit nicht Drohung, sondern lässt auf Besserung hoffen.

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12 Antworten to “James Bond 007 – Ein Quantum Trost”

  1. Sehr schöne und fundierte Kritik, die genau die Schwächen dieses verunglückten Bond-Abenteuers aufdeckt.
    Immerhin brachte uns das „Werk“ das beste Bond Titelstück aller Zeiten – leider wurde auch dieses mit dem schlechtesten Vorspann überhaupt unterlegt, was die Qualität des Stückes zwar nicht mildern, die Freude es im Film zu sehen aber sehr wohl trüben kann!

  2. Lange nicht gesehen hier auf meinem Blog, Herr Dorfmann! Vielen Dank für die lobenden Worte! Beim Titelstück gehen unsere Meinungen aber auseinander: Ich find den Song vom letzten Bond besser. Bei Whites Stück habe ich gerade ein paar Probleme mit dem Refrain. Die Darbietung des Refrains gefällt mir nicht! Ansonsten ein sehr kraftvolles Stück!

  3. So ein Blödsinn…

    Sach ma, kannst Du mir mal kurz die Adresse von Nadeshas Blog geben? Find den nicht wirklich.

  4. So ein Blödsinn…

    Genau, so ein blödsinniger Film! :mrgreen:

    Ich habe die gute Nadesha mal in meine Blogroll aufgenommen. Schau mal unter Queen N`s Rockbar. Ist aber auch nicht so einfach, die Adresse!

  5. Über die Titelgebende mysteriöse Gesellschaft “Quantum” erfährt man so gut wie nichts. Woraus Bond seinen Trost gewinnt, bleibt unklar.

    Für mich fanden sich genügend Anhaltspunkte zu beiden „Fragestellungen“. Aber Bond spaltet eben immer gerne das Fanlager 😀

  6. @mesuc
    Merci! Das ist mal echt kein Titel zum ebenso merken.
    Und nein, kein blödsinniger Film. Aber das erwähnte ich ja schon mehrfach…

    @Rudi
    Ging mir genauso. Muss ja auch nicht haarklein mit Organigramm erklärt werden. Das Grundkonzept der Firma und die ungefähre Zielrichtung von Quantum wurden ausreichend erklärt für meinen Geschmack.
    Kann die größtenteils harsche Kritik wenig nachvollziehen.

  7. hirngabel, natürlich kein blödsinniger Film, im Vergleich zu CASINO ROYALE aber ein enttäuschender Film.

    Jungs, die Erklärungen waren schon vorhanden, über das Wort „ausreichend“ kann man aber diskutieren. Ich hätte da schon gern ein Handout vor dem Film bekommen … nee, aber ein bisschen mehr Tiefe als in einem B-Movie wäre nicht schlecht gewesen. Da ist ja diesbezüglich in FRINGE mehr los!

  8. Sehr gute Kritik!
    Actionszenen sollten zumindest ein bisschen motiviert sein, vor allem dürfen sie den Fluss der Handlung nicht fühlbar stören. Und ob solch ein schneller Schnitt und solch eine beinah unkontrollierte Kamera von Vorteil sind, bezweifle ich. Man kann es auch übertreiben! Regie, Kamera, Drehbuch, Schauspieler – alles ließ zu wünschen übrig bei diesem Bond, der nächste kann nur besser werden.

  9. Danke! Die Frage ist, ob man die Fehler erkennt. Die Besucherzahlen sehen ja nicht schlecht aus und der Verkauf der DVD wird auch gut laufen, denke ich. Das könnte dazu verleiten, so weiter zu machen. Ein besseres Drehbuch muss her und ein Regisseur, der die Akzente an anderer Stelle setzt.

  10. […] degradierte Bondgirls, eine langweilige, uninspirierte Handlung, wenig Tiefgang. Sehr, sehr schade! Siehe Kritik. […]

  11. […] Bond – Ein Quantum Trost Der Film wird leider auch beim zweiten Sehen nicht besser. Ärgerlich! […]

  12. […] gehen. Kinofilmserien sind eher selten. In den letzten Jahren gab es davon eigentlich nur zwei. James Bond steht schon seit den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts in über 20 Filmen seinen Mann. Ende der […]

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