Archiv für September, 2008

Serienkommentare

Posted in Serienjunkietum with tags , on Dienstag, 30. September 2008 by mediensucht

Die Herbstsaison hat begonnen. In den USA laufen die neuen Folgen der nächsten Staffeln vieler Serien an, in Deutschland beginnt man mit den Folgen der letzten Staffeln bzw. startet direkt neu. Hier mal ein paar Kommentare zu einigen Serien, die ich aktuell verfolge bzw. kürzlich durch habe:

Californication – 2. Season
Californication geht genauso witzig weiter, wie Staffel 1 aufgehört hat. Ob Duchovny damit seine Sexsucht heilen kann? Zumindest hat er in der ersten Folge ordentlich in die Weichteile bekommen. 8-9/10

Chuck – 2. Season
Chuck macht mit der zweiten Staffel da weiter, wo er mit der ersten Staffel aufgehört hat – brillante, spannende und witzige Unterhaltung auf höchstem Niveau: klare 10/10

Dexter – 3. Season
Kaum Neuigkeiten, Dexter hat aber dennoch wenig von seiner Faszination verloren. Da verzeiht man kleinere Macken. 7/10

Dr. House – 4. Staffel (D)
House MD bleibt sich hauptsächlich treu, die kleinen Änderungen (Teamsuche) bringen noch etwas frischen Wind in die Serie. Immer noch sehr gut! 9/10

Eureka – 2. Staffel (D)
Für mich eine klare Steigerung zur ersten Staffel Eureka, die schon nicht schlecht war. Die Geschichten sind interessanter und vor Allem emotionaler. Nun bei ca. 7-8/10

Fringe – 1. Season
Die neue Serie von Lost-Erfinder J.J. Abrams kann nicht so richtig überzeugen. Fringe ist eine Art modernes Akte X mit wenig Neuem. Die ersten paar Folgen waren leider nur leidlich unterhaltsam. Bisher nur 4/10.

Heroes – 3. Season
Weiß nicht so recht, was ich vom Beginn der dritten Staffel Heroes halten soll. Einige gute Ansätze, aber auch viel Negatives. Die Peter-Nathan-Geschichte gefällt mir gar nicht, ebenso wie die neuen Bösewichter. Mal sehen, ob die Helden noch die Kurve kriegen. 5/10 für die Dritte bisher.

The Middleman – 1. Season
Tolles Finale der ersten Staffel und schon ist The Middleman eine meiner Lieblingsserien überhaupt. Durchgängig hohes Niveau mittels schräger Storys und Einfälle, alles mit viel Humor wunderbar altmodisch in Szene gesetzt. 10/10

Prison Break – 3. Season
Der erste Teil der dritten Staffel von Prison Break gefällt mir bisher gar nicht. Wirkt nur noch wie ein Abklatsch der ersten beiden Staffeln. 4/10

Samantha Who? – 1. Staffel (D)
Gefällt mir bisher sehr gut. Eine sympathisch aufgedrehte Christina Applegate überzeugt als (fast) Alleinunterhalterin! 8/10

Scrubs – 7. Staffel (D)
Seit Jahren auf höchstem Niveau. Genau meine Art von abgedrehtem Humor. 10/10

Vorfreude auf die zweite Staffel von Pushing Daisies!

TV-Tipps: Californication & Dexter

Posted in Glotzophonie with tags , , , , on Montag, 29. September 2008 by mediensucht

Ab heute Abend 22:15 Uhr laufen auf RTL 2 die Serien Californication und Dexter. In Californication spielt David Duchovny einen nicht mehr ganz so erfolgreichen Schriftsteller in der Midlife-Crisis, der sich in Sex und Alkohol flüchtet . Ab 22:55 Uhr mordet dann Dexter (Michael C. Hall) in Serie und darf seine Taten als polizeilicher Forensiker gleich wieder vertuschen. Bei diesen zwei freundlichen Psychopathen ist für gute Unterhaltung garantiert! Mal sehen, wie lange sie durchahlten …

Der Baader-Meinhof-Komplex

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , , , , , , on Sonntag, 28. September 2008 by mediensucht

Leerer Bombast

Aus den Studentenunruhen Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts entwickelten sich verschiedene revolutionäre Gruppen, die teils auch gewalttätige Aktionen durchführten. Die schillerndste Gruppe war die Rote Armee Fraktion, die mit ihren drei Generationen über fast drei Jahrzehnte Terror und Tod über Deutschland brachte. Bis heute sind einige Morde ungeklärt und noch einige Mitglieder auf der Flucht. Die Aktionen der RAF führten nicht nur zu politischen Krisen, sondern zwang Deutschland auch zu Maßnahmen, die die Rechte der Bürger einschränkten. Die Geschichte der RAF ist eine Geschichte über Zukunftsangst, Ungerechtigkeit, Maßlosigkeit, Selbstüberschätzung und politische Fehler. Eine Auseinandersetzung mit ihr lohnt in jedem Fall.

Wie schon mit Der Untergang bietet uns Produzent und Drehbuchautor Bernd Eichinger nun wieder eine relativ meinungs- und wertungsfreie Geschichtsstunde, die zwar inszenatorisch eine Reihe guter Ansätze bietet, insgesamt aber an ihrem fehlenden Ziel scheitert. Der Baader-Meinhof-Komplex (nach der gleichnamigen Vorlage von Stefan Aust) ist leider auch nur eine Aneinanderreihung historischer Ereignisse im spielfilmhaften Dokumentarstil, die zu kaum einer Zeit wirklich fesseln kann. Trotz der Fokussierung auf die erste Generation der RAF wollen Eichinger und Regisseur Uli Edel so viele historische Ereignisse und Personen unterbringen, wie nur möglich. Dabei verlieren sie den Fokus auf ihre titelgebenden Hauptfiguren und machen sie damit zu leeren Marionetten eines Actionfilms.

Dabei fing alles so wunderbar an. Die ersten Szenen um die Studentenunruhen beim Schahbesuch 1967 in Berlin und der Tötung Benno Ohnesorgs sind äußerst intensiv und kraftvoll inszeniert und lassen eine Ahnung aufkommen, was die jungen Studenten dazu bewegte, sich politisch zu engagieren und auf der Straße gegen den Staat zu protestieren. Doch neben den Hauptakteuren der Baader-Meinhof-Bande treten immer mehr Akteure in Erscheinung. Statt sich auf die Führung der Gruppe zu konzentrieren, geht der Fokus auf Nebencharaktere, selbst die sind hier hochgradig besetzt. Alexandra Maria Lara beispielsweise hat einen Kurzauftritt als Petra Schelm und lenkt so von den Hauptrollen ab. Bruno Ganz (BKA-Chef Horst Herold) gesteht man seine Rolle als Gegenspieler der Baader-Meinhof-Gruppe wiederum nicht zu.

Trotz der zweieinhalb Stunden Filmlänge bleibt kaum Ruhe und Konzentration auf das Wesentliche. Vielmehr wird im Mittelteil von einem historischen Ereignis zum nächsten gehetzt. Erst am Ende kann man erahnen, was der Film einmal hätte werden können. Die Geschehnisse rund um den Stammheimprozess besitzen in der Inszenierung wieder etwas mehr psychologische Tiefe. Hier können sich die Schauspieler ausleben, was ab und zu im Overacting gipfelt, nach der filmischen Hast zuvor aber positiv auffällt. Doch auch hier lassen die immer wieder eingebundenen Dokumentarschnipsel kaum Atmosphäre aufkommen. Die Kraft der Selbstzerstörung in der Gruppe lässt sich nur erahnen.

Die Verfilmung geschichtlicher Ereignisse birgt immer Risiken. Auf der einen Seite will man historisch korrekt sein, auf der anderen Seite aber auch ein gewisses Maß an Unterhaltung bieten. Dazu bedarf es einer Fokussierung auf eine begrenzte Anzahl von Personen, mit denen eine Geschichte erzählt wird. Daran scheitert Der Baader-Meinhof-Komplex leider. Der Film beschränkt sich auf die bombastische Inszenierung vieler Ereignisse. Erklärungen oder zumindest ein Versuch, das Handeln auch nur einer handelnden Person nachvollziehbar zu machen, fehlen fast vollständig. Ohne Vorwissen wird das Verständnis des Filmes noch schwerer. Somit ist er als Unterrichtsmaterial ebenso wenig zu gebrauchen. Einzig einige gut inszenierte Einzelszenen und die schauspielerischen Leistungen (besonders Johanna Wokalek als Gudrun Ensslin) können überzeugen. Für einen Oscar (Der Baader-Meinhof-Komplex ist deutscher Kandidat) wird das wohl kaum reichen. Obwohl …!

Übrigens: Da ich kein Journalist bin und ganz normal ins Kino gehe, bin ich auch an keinen Boykott gebunden. Dennoch verurteile ich das Verhalten des Verleihs gegenüber der schreibenden Zunft!

Pushing Daisies: Deutscher Starttermin

Posted in Glotzophonie, Serienjunkietum with tags , on Freitag, 26. September 2008 by mediensucht

Man glaubt es kaum, nun scheint es endlich auch in Deutschland loszugehen: Der offizielle Starttermin für die erste Staffel von Pushing Daisies ist Mittwoch, der 22. Oktober 2008, 21:15 Uhr auf Pro7. Damit entwickelt sich der Mittwoch zu meinem ganz persönlichen Serienabend. Nach Pushing Daisies mache ich nämlich gleich weiter mit Samantha Who und Scrubs. Eine feine Sache!

Drei Wochen zuvor – am 1. Oktober – beginnt übrigens die zweite Staffel von Pushing Daisies in den USA. Ich bin gespannt (und eigentlich guter Dinge), ob das hohe Niveau gehalten werden kann. In jedem Fall ein spannender Kampf um die Positionen in meiner diesjährigen Lieblingsserien-Top3 (mit Chuck und The Middleman).

Zweiklassengesellschaft bei PAYBACK

Posted in Geschwätzigkeit with tags , , , , on Mittwoch, 17. September 2008 by mediensucht

Nach meinem Umzug nach Wolfsburg änderten sich auch meine Einkaufsgewohnheiten. In Ermangelung eines KAUFLANDs in der Nähe musste ich für den Großeinkauf auf das schlampige und teurere REAL umsteigen. REAL gehört zu den Partnern des PAYBACK-Systems, mit dem die Kunden Punkte sammeln können, die sie dann gegen Geld oder Prämien einlösen können. Da ich nun schon in dem Laden einkaufen muss, sammle ich doch auch gleich Punkte, dachte ich – aber denkste! Mein Anmeldeversuch ging gründlich daneben.

Einige Tage nach meiner Anmeldung erhielt ich nämlich ein Schreiben, das ich als PAYBACK-Kunde nicht infrage komme. Die haben meine Finanzen durchleuchtet und mich als unwürdig abgestempelt. Interessanterweise scheint der Verein etwas veraltete Daten von mir abgerufen zu haben, da es momentan schon wesentlich besser um meine Finanzen steht. Da stellen sich dem interessierten Bürger doch folgende Fragen: Will PAYBACK einen Elite-Club für Reiche etablieren? Ist das Geld der ärmeren Bevölkerung weniger wert? Was können Firmen eigentlich NICHT von meinen persönlichen Daten in Erfahrung bringen? Was ist eigentlich los in diesem Land?

Als Antwort auf das Ablehnungsschreiben habe ich einen Brief verfasst, in dem ich kundtat, der indirekten Aufforderung nachzukommen, nicht bei PAYBACK-Partnern einzukaufen. Da käme ja rein theoretisch mit Einkauf in Supermärkten, Drogerien, Kaufhäusern und Tankstellen einiges an Ausgaben bzw. Punkten zusammen. Natürlich fällt es mir leicht, diese Einrichtungen zu meiden und auf die Konkurrenz umzusteigen. Auswahl gibt es bekanntlich genug. Was bleibt ist dennoch die Verwunderung über ein immer unmenschlicheres Deutschland …

Nachtrag: Ich habe inzwischen eine normale Payback-Karte ohne ursprünglich bestellte Zahlfunktion (Plus) bekommen, wovon im Ablehnungsschreiben kein Wort zu lesen war. Ein Kommunikationsproblem gibt es also auch noch. Mein „Boykott“ wird durchgehalten …

Extras

Posted in Serienjunkietum with tags , , , , , on Dienstag, 9. September 2008 by mediensucht

Da ich sie schon im Beitrag zu The IT Crowd erwähnt und gelobt habe, hier ein paar ausführlichere Worte zur britischen Comedy-Serie Extras. Extras handelt, wie der Name schon verrät, von Statisten bzw. Komparsen für Filme oder Serien. Als Zuschauer verfolgen wir das („Berufs“-) Leben zweier solcher Extras. Da wäre zum einen der ambitionierte, aber wenig erfolgreiche Andy Millman (Ricky Gervais), der von dem völlig unfähigen Agenten Darren Lamb (Stephen Merchant) betreut wird. Andy will unbedingt ernsthafter Schauspieler werden, bringt es aber nicht einmal zu einer Textrolle als Kleindarsteller. Im Laufe der Serie konzipiert er eine alberne Sitcom, mit der er aber auch nicht wirklich zufrieden ist. Ihm an die Seite gestellt ist Maggie Jacobs (Ashley Jensen), ebenso erfolglose Statistin, die sich aber hauptsächlich für die männlichen Darsteller interessiert und vergeblich nach einer festen Beziehung strebt.

Einerseits ist es natürlich interessant, mal hinter die Kulissen des Films zu schauen und einen kleinen Einblick in die Produktionsmechanismen eines Films zu erhalten. Wenn man selbst mal etwas als Statist gearbeitet hat, kommen einem viele der gezeigten Szenen seltsam bekannt vor. Witzig sind z. B. solche Szenen, wo es um die Unterschiede zwischen Hauptdarstellern und Statisten bei der Essensausgabe geht.

Als roter Faden durch alle 12+1 Folgen zieht sich aber die besondere Fähigkeit der zwei Helden, kein Fettnäpfchen in der Konversation mit Stars und anderen Figuren auszulassen. Es ist einfach köstlich (und manchmal auch schmerzhaft) mit anzusehen, wie sich Maggie und Andy in verschiedenen Situationen selbst „in die Scheiße reiten“ bzw. reden. Dabei geht es – typisch britisch – zum Teil recht deftig zu. Angst vor Tabuthemen gibt es kaum.

Highlight einer jeden Folge ist natürlich der Auftritt eines Stars, der sich mit dem vorhandenen Grundkonstrukt prima in die Geschichten einbauen lässt. Auch die Stars nehmen selten Rücksicht auf ihr Ansehen und lassen sich auf äußerst amüsante Weise durch den Kakao ziehen. Typische Klischees und Marotten, die man den Stars so nachsagt, werden humorvoll ausgekostet. Kate Winslet spielt beispielsweise mit ihrem Oscarversagen, „Harry Potter“ Daniel Radcliffe mimt das versaute Muttersöhnchen. Daneben gab es noch Ben Stiller, Vinnie Jones, Samuel L. Jackson, Patrick Stewart, Orlando Bloom, David Bowie, Chris Martin, Sir Ian McKellen, Clive Owen und Robert de Niro zu sehen.

Leider gibt es von den Extas nur zwei Staffeln a sechs Folgen plus eine Spezial-Weihnachtsfolge als Serienabschluss. Die Erschaffer Gervais und Merchant (die schon mit The Office einen Knaller landeten) widmen sich nun anderen Projekten. Da nützen auch die großen Erfolge im Ausland (Golden Globe, Emmy Award) nichts. Hier in Deutschland lief Extras auf dem Spartenkanal Comedy Central und fand damit nicht das verdiente Publikum. Ich empfehle den DVD-Kauf!

The IT Crowd

Posted in Serienjunkietum with tags , , , , , , , , on Freitag, 5. September 2008 by mediensucht

Einige englische Serien unterscheiden sich doch sehr von ihren amerikanischen Schwestern. Man hält sich weniger an Konventionen, riskiert auch mal inhaltlich eine dicke Lippe. Zudem weiß der Engländer, wann Schluss sein muss. Bei EXTRAS beispielsweise, war nach nur zwei mal sechs erfolgreichen Folgen Schicht im Schacht. Erfinder und Hauptakteur Rick Gervais widmet sich neuen Projekten. Für EXTRAS ist das natürlich sehr schade, hätte man sich doch mehr solch witziger Geschichten um das Komparsenpaar gewünscht, bei denen sich so einige Hollywoodgrößen selbst auf den Arm nahmen.

Kurz aber heftig ging es bisher auch bei The IT Crowd zu. Die ebenfalls zwei mal sechs Folgen hatten es in sich. Hier besteht allerdings die Hoffnung auf die Fortsetzung mit einer dritten Staffel. Angeblich beginnen die Dreharbeiten im Herbst diesen Jahres. Die bisherigen Folgen wurden bei Channel 4 in Großbritannien ausgestrahlt und waren gleichzeitig kostenlos im Netz verfügbar. In Deutschland gab es keine eigene Ausstrahlung, vielmehr versuchte man, die Serie einfach zu kopieren (Das iTeam). Nach zwei ausgestrahlten Folgen war nach einiger Kritik Schluss mit lustig.

Wie der Titel der Serie schon vermuten lässt, geht es um die IT-Abteilung (IT=Informationstechnik) eines Londoner Unternehmens. Sie besteht aus den zwei Mitarbeitern Maurice Moss und Roy und deren Leiterin Jen Barber, die sich mit völlig überzogenen Angaben in ihrer Bewerbung die Stelle erschlichen hat. Roy und Moss sind Computernerds aus dem Bilderbuch, während Jen keinen Schimmer von IT hat. Alle drei Schauspieler sind Idealbesetzungen für ihre Rolle – allen voran Richard Ayoade als Moss. Sein überdeutliches, aber dennoch irgendwie geeiertes Englisch ist einfach köstlich. Zudem ist er wohl der einzige Träger eines gescheitelten Afros auf der Welt. Aber auch sein Kompagnon Chris O`Dowd als Roy mit seinem irischen Akzent und seinen irren Blicken weiß zu amüsieren. Katherine Parkinson als Jen deckt so ziemlich alle Frauenklischees ab. Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Besonders erwähnenswert hier ist Chriss Morris als egozentrischer Unternehmenschef Denholm Reynholm.

Bei The IT Crowd wird kaum ein Klischee ausgelassen. Die zwei Computerfreaks sitzen meist gelangweilt in ihrem Kellerbüro oder vergnügen sich mit absurden Spielchen. Der ordentliche Umgang mit Frauen ist für sie ein Buch mit sieben Siegeln, weshalb sie mit Jen durchaus ihre Probleme haben. Die Abteilung wird vom Rest der Firma kaum be- bzw. geachtet, was Roy und Moss ziemlich frustriert. Die Geschichten sind durchweg überaus witzig geschrieben und streifen oftmals die Grenze des „guten Geschmacks“. Höhepunkt in dieser Beziehung ist sicher die Folge „Moss and the German“ aus der zweiten Staffel, die ohne Rücksicht auf Verluste die Filmindustrie und den Kannibalismus durch den Kakao zieht. Auch die Deutschen bekommen ordentlich ihr Fett weg. Solche Grenzaustestungen sind genau nach meinem Geschmack und auch nur von der Insel so zu erwarten.

Nach EXTRAS gibt es also wieder eine „Mini“-Serie von der Insel, die sich wunderbar von der restlichen Serienwelt abhebt. Der typische englische Humor, die hervorragenden Schauspieler und die amüsant geschriebenen Geschichten garantieren beste Unterhaltung. Mir als Werktätigem in ähnlichem Berufsfeld hat die Serie natürlich besonders Spaß gemacht: „IT – Have you tried turning it off and on again?“ ;o)

Kurzkommentare – August 2008

Posted in Cinemanie with tags , , on Donnerstag, 4. September 2008 by mediensucht

Wie man an der immensen Beitragszahl auf meinem Blog im August schon sehen kann (haha), hatte ich wenig Zeit für Freizeitaktivitäten. Besonders gelitten hat die Zahl meiner Kinogänge. Ich war sage und schreibe nur ein einziges Mal im Monat August im Kino. Dieser Kinobesuch war allerdings hochkarätig:

The Dark Knight
Nolan entfernt sich immer weiter von einer klassischen Comicverfilmung. Viele Comicelemente treten in den Hintergrund. Hauptaugenmerk liegt auf den Charakteren und ihrem Umgang miteinander. Der Film ist fast perfekt gemacht, das Drehbuch hervorragend. Nur ab und zu fehlte mir etwas mehr emotionale Tiefe. Ledger ist beängstigend gut, der restliche Cast ebenfalls ausgezeichnet, nur Gyllenhaal bleibt überraschend blass. Insgesamt ein großartiger Film! 9/10

TV-Tipp: aktuelle Serienstarts auf Pro7

Posted in Glotzophonie with tags , , , , , on Mittwoch, 3. September 2008 by mediensucht

So langsam kommt auch in Deutschland der Serien-Herbst ins Rollen. Deshalb möchte ich hier kurz auf einige interessante Serien-Starts hinweisen:
Schon am heutigen Abend geht es um 22:15 Uhr auf Pro7 mit Samantha Who los. Die Serie habe ich selbst zwar noch nicht gesehen, wenn man aber dem Kollegen hirngabel Glauben schenken kann (bei Serien ist das des Öfteren der Fall), dann lohnt sich diese Comedy-Serie mit Christina Applegate auf jeden Fall.

Danach geht es dann mit der siebten Staffel von Scrubs weiter. Ich habe nach dem regelmäßigen Schauen der ersten Staffeln von Scrubs leider irgendwann mal den „Faden verloren“ und diese ausgezeichnete Serie mit Zach Braff (Garden State) nicht mehr verfolgt. Da zuvor aber Samantha Who fest eingeplant ist, lohnt sich sicher ein längeres Verweilen bei Pro7.
Am übernächsten Samstag (13.9.08) um 14:10 Uhr startet dann endlich How I Met Your Mother auf Pro7. Diesen legitimen Friends-Nachfolger habe ich schon in einer eigenen Review ausführlich gewürdigt, weshalb hier nur auf den deutschen Starttermin hingewiesen sei.
Zum Thema Pushing Daisies ist bisher leider nichts auf prosieben.de zu finden …

Mathilde – Eine große Liebe

Posted in Cinemanie with tags , , , , , , , , , , , , on Montag, 1. September 2008 by mediensucht

Es gibt so Dinge im Filmbusiness, auf die kann man sich verlassen. Wenn man beispielsweise in einen M. Night Shyamalan-Film geht, weiß man (meistens), was man zu erwarten hat. Auch die Franzosen haben einen solchen Regisseur. Die Rede ist von Jean-Pierre Jeunet, der mit Filmen wie DELICATESSEN oder AMÉLIE bewiesen hat, dass er nicht nur durch wunderbare Optik, sondern auch durch interessante Geschichten und nette Skurrilitäten überzeugen kann.

Jeunet nimmt sich mit Mathilde – Eine große Liebe eines Themas an, das lange Zeit in Frankreich ein Tabuthema war – dem 1. Weltkrieg. Noch dazu geht es um fünf Soldaten, die sich selbst verstümmelten, um den Kriegsqualen zu entkommen und zur Strafe als Kanonenfutter zwischen die Fronten geworfen wurden. Dabei hatte Jeunet diesmal dank Warner mit 57 Millionen Dollar ein für europäische Verhältnisse exorbitantes Budget zur Verfügung und konnte somit aus dem Vollen schöpfen.

Bei MATHILDE handelt es sich nicht etwa um ein reines Liebesdrama, wie man aus dem vielleicht unglücklichen deutschen Titel ableiten könnte. Nein, wir haben es hier eher mit einem Liebeskrimi mit historischem Hintergrund zu tun. Mathilde (Audrey Tautou) glaubt zwei Jahre nach Ende des Krieges nicht an den Tod ihres Verlobten Manech (Gaspard Ulliel), der einer der fünf Obengenannten war, und stellt Nachforschungen an. Dabei deckt sie geheime Wahrheiten auf und wird immer wieder zwischen Hoffnung und Enttäuschung hin- und hergerissen.

Der von Jeunet gewählte Blickwinkel macht es nötig, viel mit Rückblenden zu arbeiten, wenn es um Kriegsereignisse, aber auch um Jugend- und Liebeserinnerungen von Mathilde geht. Diese Sichtweise mit der Möglichkeit, die Wahrheit tröpfchenweise zu servieren, ist für einen Krimi natürlich sehr zuträglich. Mir war die Story aber beim ersten Sehen teilweise zu verzwickt. Dies mache ich aber nicht Jeunet zum Vorwurf, sondern mir selbst, da ich mit den vielen französischen Namen und Männern mit Schnauzern nicht immer zurecht kam! Französischkönner oder Franzosen sind hier klar im Vorteil ;o)

Audrey Tautou als Mathilde ist mal wieder bezaubernd. Sie weiß jede Gefühlsregung glaubhaft zu übermitteln. Ob es nun Traurigkeit oder Freude ist, man fühlt immer mit. Nichtsdestotrotz nimmt man ihr auch den unbändigen Willen ab, nicht an den Tod ihres Geliebten zu glauben und mit Nachdruck nach der Wahrheit zu suchen. Ab und zu kommt auch (vielleicht beabsichtigt) die Amélie zum Vorschein, wenn es etwa um eine kleine Macke von Mathilde geht…

Jeunet und Kameramann Bruno Delbonnel liefern umwerfende Bilder und somit Kino vom Feinsten! Dabei schweifen sie fast nie in den Kitsch ab. Vielmehr geben sie mit Farbgebung und Bildkomposition einen historischen Touch, ohne dabei distanziert zu wirken. Jeunet versteht es die Grauen des Krieges glaubhaft zu zeigen und sie der ländlichen Idylle Frankreichs gegenüberzustellen. Bei den Kriegsaufnahmen nimmt er keine Rücksicht auf das Gemüt der Filmseher und zeigt schonungslos, aber nicht ohne eine gewisse Ästhetik, wie schrecklich Krieg ist. An die Eröffnungsszene eines PRIVATE RYAN will er aber nicht heranreichen, was dem Film auch nicht zuträglich gewesen wäre.

Das Budget ließ zu, dass man 20 Hektar Land zu Schützengräben umbauen konnte, aber auch die Bilder aus dem Computer wurden perfekt umgesetzt. Bezaubernd auch die Musik von Angelo Badalamenti, dem Hofkomponisten von David Lynch. Kostüm und Ausstattung ließen, wie schon angedeutet, keine Wünsche offen. Ein handwerklich perfekter Film. MATHILDE fesselt aber auch durch eine spannende Geschichte, kleinen Skurrilitäten am Rande und guten Schauspielern (eine kleine Nebenrolle wurde mit Jodie Foster besetzt).

Jeunet liefet mit Un long dimanche de fiançailles (so der Originaltitel) wiederum ein kleines Meisterwerk ab. Liebhaber des großen epischen Bilderkinos werden ebenso befriedigt wie Krimiliebhaber. Ich war und bin immer noch begeistert, da der Film sogar nach mehrmaligem Sehen noch wächst. Auf Jean-Pierre Jeunet kann man sich eben verlassen ;o)