Archiv für Berlin

The Raconteurs live in Berlin

Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , , , on Freitag, 4. Juli 2008 by mediensucht

Jack White war in den letzten Wochen in jedermanns Ohren. Beim Einmarsch der Mannschaften bei der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz wurde jedes Mal der Song Seven Nation Army von den White Stripes angespielt. Er regte dermaßen zum Mitgrölen an, dass er auch während eines Spiels noch mehrfach intoniert wurde. Neudeutsch wird er deshalb nur noch mit „Naaa na na na na naaa naaa“ betitelt. Mit den White Stripes scheint es allerdings zu Ende zu gehen, da Whites Ex-Frau und „Schwester“ Meg ihre Angstzustände nicht in den Griff bekommt. Schon 2005 gründete Jack mit ein paar Freunden, die auch schon auf eine eigene Musikkarriere verweisen konnten, The Raconteurs quasi als Feierabendband, um seinem, wie es scheint, unbändigen Drang nach Songwriting und Liveauftritten nachzukommen.

Vorgestern baten die Raconteurs also zu ihrem einzigen Deutschlandkonzert der aktuellen Tour nach Berlin. Huxleys Neue Welt war mit ca. 1500 Zuschauern/-hörern nahezu ausverkauft. Damit komme ich auch gleich zum Negativen des Konzerts. Das Huxleys bietet zwar als mit Stuck verzierter alter Veranstaltungssaal ein schönes Ambiente, die parallelen Wände und die breite Fensterfront sind aber eher schlecht für die Akustik. Der Tontechniker verstand es nicht, mit dem Raum zu arbeiten. Überhaupt ist sein Werk als schlecht zu bezeichnen. Die Instrumente schienen auf ein White Stripes-Konzert eingestellt zu sein, wo es ja darauf ankommt, mit einer begrenzten Anzahl an Instrumenten (2) ein Maximum an (Raum-) Klang zu erzeugen. Hier versuchten sich nun die fünf Instrumente gegenseitig zu übertönen, was zu einem akustischen Durcheinander ohne Differenzierung führte. Es gab Übersteuern und Verzerrungen, die es dem Zuschauer nicht einfach machten, das Konzert vollends zu genießen. Die Lightshow kann man ebenfalls als uninspiriert bezeichnen. Immerhin war das Bühnenbild nett

Nun aber zum positiven Rest: Jack White steckte voller Kraft. Ihm machte es sichtlich Spaß, mit einer ganzen Band (die vier Raconteurs wurden noch durch einen Keyboarder ergänzt) zu spielen und nicht als Alleinunterhalter gegen die begrenzten Möglichkeiten seiner Schlagzeugerin anzuspielen. Den Gesang teilte er sich mit Brendan Benson fast brüderlich zu etwa gleichen Teilen, wobei sich die melodiöse Country-Stimme von Benson und die schrillere Rockstimme Whites prima ergänzten. Überhaupt klappte das Zusammenspiel der ziemlich gegenteiligen Gestalten ausgezeichnet. Hier der hagere, blondgelockte Bluesrocker, dort der kräftige, hochgewachsene und in Schwarz gekleidete Garagenrocker. Musikalisch ging es live eher in Richtung White Stripes. Die sanften Bluesnummern der Alben wurden kaum gespielt oder so verrockt, dass sie ins härte Konzertkonzept passten. Höhepunkt war sicherlich die erste Single der Band Steady, As She Goes etwa in der Mitte des Konzerts, bei der der Saalboden vom Hüpfen der Massen erbebte. Nach intensiven und guten 85 Minuten inklusive einiger Zugaben war dann Schluss. Wäre die schlechte Akustik nicht gewesen, hätte man von einem großartigen Konzert sprechen können. So ergibt sich nur das Gesamturteil „gut“. Es bleibt zudem die Erkenntnis, dass es mit Jack White wohl auch ohne die White Stripes erfolgreich weitergeht.

Anmerkung: Die Vorgruppe Earthbend aus Finsterwalde konnte man sich anhören, sie hinterließ aber keinen tieferen Eindruck.

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Rotes Rathaus gar nicht rot!

Posted in Sucht des Tages with tags , , , , , , on Donnerstag, 22. Mai 2008 by mediensucht

Ein Wahrzeichen Berlins ist das Rote Rathaus, in dem Berliner Senat und Bürgermeister sitzen. Ein gutes Motiv für Band 2 des neuen Berliner Telefonbuchs, dachte man sich bei der Telekom. Also mal schnell ein Bild davon herausgekramt und einen dynamischen jungen Mann mit Notebook davor platziert. Dass das Rathaus auf dem Bild gar nicht rot war, ist wohl niemandem beim zuständigen TVG Verlag in Frankfurt am Main aufgefallen, weshalb der Druckauftrag für stolze 700 000 Exemplare auch ohne Beanstandung heraus ging. Ausgerechnet das Wahrzeichen der bayrischen Landeshauptstadt München – das Neue (und gar nicht rote) Rathaus am Münchner Marienplatz – ziert nun das Telefonbuch des ehemaligen Erzfeindes (Stichwort: Saupreißn). Ich möchte niemandem Absicht unterstellen, dieser Scherz ist aber gelungen! Auf Band 1 des Berliner Telefonbuches ist übrigens tatsächlich ein in der Hauptstadt stehendes Gebäude abgebildet – der Hauptbahnhof!

via Tagesspiegel

Lenny Kravitz live in Berlin

Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , on Freitag, 29. Februar 2008 by mediensucht

lennyk1.jpg Anfang Februar brachte Lenny Kravitz ein Album namens „It Is Time For A Love Revolution“ heraus. Es wurde von der Kritik eher mäßig angenommen. Der ewig gleiche Vorwurf: Kaum Entwicklung! Meine Entgegnung darauf: Warum? Kravitz spielt in seiner Sparte seit Jahren auf höchstem Niveau. Seine Texte waren schon immer eher naiv bis belanglos, darauf kam es aber nie an. Musikalisch ist Kravitz weiterhin top. Blues-Rock vom Feinsten! Lenny Kravitz war Lenny Kravitz ist Lenny Kravitz! Und das bleibt hoffentlich auch so!

Laut Gerüchteküche steckt Herr Kravitz nach einem Hänger durch den Tod seines Vaters 2005 wieder voller Energie, so dass er ganze zwei Jahre auf Tour gehen will. Es bleibt natürlich abzuwarten, ob es letztendlich wirklich zwei Jahre werden, gestern gab Kravitz zumindest ein kurzfristig angesetztes Konzert (das erste der neuen Tour) in der Berliner Columbiahalle, obwohl er die letzte Zeit im Krankenbett zubringen musste. Er scheint aber so heiß zu sein, sich auf der Bühne zu produzieren, dass er unbedingt in Berlin spielen wollte.

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Eine Vorband gab es, aus welchen Gründen auch immer, nicht! Mit großem Jubel betrat Kravitz die Bühne und rockte gleich ordentlich los. Die erste halbe Stunde bestand dann auch nur aus waschechten Rocksongs und es ging zügig vorwärts. Kravitz erzählte zwar etwas von einer gemütlichen Jamsession, dazu sollte es aber erst später kommen. Etwas wundersam war, dass Kravitz hauptsächlich alte Songs wie Mr. Cab Driver spielte. Vom neuen Album gab es nur I’ll Be Waiting zu hören, der allerdings in der Maxi-Maxi-Version. Der Tour-Titel The Love Revolution war dennoch gerechtfertigt, da Kravitz nicht müde wurde seine Botschaft der „Love-Revolution“ zu verkünden, aber das kennt man ja schon länger.

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Kurz vor Ende des Konzertes wurde dann wie üblich Let Love Rule in einer megalangen Variante gespielt und jetzt kam es tatsächlich zur Jamsession. Es wurde mächtig gejammt. Mit der Stimme von Kravitz ging es aber bergab, so richtig fit war er wohl noch nicht. So durfte das Publikum den Meister noch einige Zeit am Schlagzeug bewundern, auf das er gekonnt einschlug. Das war dann also der Beweis, dass Kravitz wirklich jedes Instrument auf seinen jüngeren Alben selbst einspielte. Als Zugabe wurde traditionell Are You Gonna Go MY Way? gerockt, für mehr als knapp 100 Minuten Konzert reichte die Kondition von Kravitz leider nicht. Trotz kleiner Mängel war es wieder einmal ein klasse Lenny Kravitz-Konzert. Ich hoffe doch sehr, Mr. Kravitz schaut im Sommer nochmals in der Hauptstadt vorbei …

Jimmy Eat World (live)

Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , , , on Freitag, 1. Februar 2008 by mediensucht

Neulich … nein, überneulich ist mir beim Zusammenstellen des Jahressamplers 2007 aufgefallen, dass mich Jimmy Eat World schon eine Weile begleiten und immer wieder wunderbare Alternative Rocksongs zu möglichen Samplern beisteuern. Wenn man die Alben so durchhört, gibt es da sicher auch Ausfälle, insgesamt lässt sich aber doch eine gewisse Konstanz in der Qualität erkennen, die schon relativ hoch ist. Warum also nicht den Besuch eines Konzert der Band wagen? Live klingt vieles ja noch besser.

Gestern war es dann also soweit. Jimmy Eat World machten auf ihrer Tour in Berlin halt (Huxleys Neue Welt). Zum wiederholten Mal in letzter Zeit hinterließ eine Vorband einen äußerst positiven Eindruck. SPARKADIA aus Australien spielten eine knappe halbe Stunde gut hörbaren Alternative Rock mit erkennbarem eigenen Stil, was heutzutage eher eine Seltenheit ist. Die drei Herren mit Dame sollte man im Auge bzw. Ohr behalten.

Nach zügigem Umbau betraten dann die vier Herren aus Arizona (USA) die Bühne und präsentierten ein musikalisch abwechslungsreiches Programm. Als angebliche Vertreter des Emo (emotional Hardcore) gab gerade Frontmann Jim Adkins alles und zeigte sich tatsächlich heftig emotional. Nach schon kurzer Zeit war er so durchnässt, dass man ihn mit einem Wasserfall hätte verwechseln können. Mit bis zum Ende klarer Rockstimme schmetterte er sich durch softere und harte Stücke aus dem neuen Album Chase This Light und einigen ausgewählten älteren Stücken.

An Show wurde bis auf ein paar nette Lichteffekte nichts geboten, was man bei dem Preis eigentlich auch nicht verlangen konnte. Nach einer knappen Stunde war das Hauptprogramm durch. Der Beifall und die Zugabenrufe waren für Berliner Verhältnisse ziemlich verhalten. Haben Jimmy Eat World vielleicht gar nicht so viele Hardcore-Fans und bestand das Publikum eher aus vielen „gemäßigten“ Fans? Eine Zugabe gab es dennoch und die bestand aus immerhin fünf zusätzlichen Songs. Da als letztes Stück dann doch noch The Middle gerockt wurde, war ich vollends zufrieden. Ich war sogar noch zusätzlich froh, dass es ein eher kürzeres Konzert war, weil ich deshalb noch die letzte Tram vor dem Streikbeginn der BVG bekam und nicht Stunden im Regen nach Hause laufen musste.

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Es war übrigens mein erstes Konzert, auf dem Rauchverbot herrschte. Einige Trottel hielten sich zwar nicht daran, mit den vereinzelten Schwaden wurde die gute Klimaanlage aber fertig. Schön also, dass man nach einem Konzert keine Kopfschmerzen mehr haben muss und nicht völlig verqualmt nach Hause kommt. Ebenso schien die bessere Luft während der Tour den Stimmen der Künstler gut zu bekommen. Die klangen bis zum Ende gut. Ich bin froh über das Rauchverbot!

Es werde Licht!

Posted in Geschwätzigkeit, Videomanie with tags , , , on Freitag, 21. Dezember 2007 by mediensucht

Neulich … nein, überneulich gab es eine Aktion von sogenannten Umweltschützern, die zum 5-minütigen Lichtausschalten aufforderte. Über den Sinn solcher Aktionen kann man streiten, witzig fand ich aber, dass gerade die Haushalte mit einer 10’000 Watt-Weihnachtsbeleuchtung an Fenstern und Balkon für 5 Minuten das Licht ausmachten.

Schöner sind doch in der Weihnachtszeit Beleuchtungsideen, die sich vom ewigen Flimmeroverflow abheben. In Berlin-Pankow hat man sich für eine vielbefahrene, eigentlich hässliche Einkaufsstraße etwas einfallen lassen und leuchtende Geschenkpakete in die kahlen Bäume gehängt. Das finde ich sehr schön!

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Die Amerikaner haben wahrscheinlich kein Wort „dezent“ im Wortschatz. Anders kann man Folgendes nicht erklären:

Noch mehr auf der Seite der Holdmans.

Die Fantastischen Vier – live in Berlin (Hangar 2)

Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , on Samstag, 1. Dezember 2007 by mediensucht

Es gibt Bands, bei denen kann man mit einem Konzertbesuch nichts falsch machen. Man weiß genau, dass man gut unterhalten wird. Genauso ist es bei den Fantastischen Vier. Sie sind nicht nur die „Erfinder“ des deutschen HipHop, sie haben es auch geschafft, über Jahre erfolgreich zu bleiben. Dabei setzen sie sich erfrischend vom aktuellen Pöbel-Rap von Prekariatsproleten wie Sido oder Bushido ab (ein paar Seitenhiebe dürfen freilich nicht fehlen). Intelligente Texte paaren sich mit ausgefeilten Musikunterlagen und sympathischen Sprechgesangsstimmen.

Besser als die Longplayer der Fantas waren schon immer die Konzerte. Der Einsatz von „echten“ Instrumenten zahlt sich auch bei HipHop-Musik aus. Ein hämmerndes Schlagzeug, ein wummernder Zupfbass und eine echte Stromgitarre klingen einfach besser als die Konserve. Die Fantas selbst hüpfen auf der Bühne herum, als würden sie nicht älter. Gute Laune vom ersten Lied an. Das Publikum der aktuellen Stadt ist sowieso immer das Beste. Zu Berlin merkt man aber dennoch eine besondere Beziehung. Die Fantas waren hier schon sehr früh beliebt und hatten Erfolg. Michi Beck ist sogar vom Ländle in die Hauptstadt gezogen, was er auch extra erwähnte.

Fantakarte

Während die Alben auf hohem Niveau stagnieren, werden die Fantas live immer besser. Das mag nicht zuletzt an der immer ausgereifteren Bühnentechnik liegen, die selbst dem langjährigen Konzertbesucher noch Überraschungen bietet. Faszinierend waren beispielsweise sieben riesige Lampenschirme über der Bühne, deren Unterseite zum Publikum gedreht werden konnte und als Projektionsfläche für beidruckende Bilder und Filme fungierten. Für die ersten Zugaben wurde die Beleuchtungsanlage über dem Publikum herunter gelassen, die sich nun als Minibühne entpuppte. Plötzlich standen die Zuschauer in den hinteren Reihen „ganz vorn“. Eine einfache, aber schöne Idee!

An Sound wurde alles herausgeholt, was der umgebaute Flugzeughangar 2 des Flughafens Tempelhof hergab. Als akustische Zerreißprobe diente „Krieger“ von Thomas D, das die Lautsprecheranlage fast zum Explodieren brachte. Das Programm bestand aus Hits der 16 Jahre und Stücken der neuen Platte. Als Zugaben gab es dann auch die obligatorischen „Tag am Meer“ und „Populär“. Schön war zudem das von der letzten Tour schon bekannte „Oldie“-Intermezzo, bei dem Michi Beck an den Turntables sein Können zeigen durfte und den Ursprüngen der Fantas gefrönt wurde. Die Fantastischen Vier live in Berlin – ein lohnender Besuch!

Eine neue Eiszeit

Posted in Sucht des Tages with tags , , on Samstag, 10. November 2007 by mediensucht

Es schneit. Heute. In Berlin! Damit steht eindeutig fest: Die nächste Eiszeit kommt! Packt Eure Sachen und marschiert in Richtung Süden! Bringt Euch in Sicherheit, bevor alles verloren ist!

Schnee

So, ich mache mir erstmal einen Kaffee … 😀