Garden State

Wo wir gerade bei Lieblingsfilmen sind … sind wir nicht? Trotzdem: Einer meiner Lieblingsfilme ist Garden State von Zach Braff. Der ist nämlich total schön (nicht Braff, sondern der Film!). Um es aber mal mit ein paar mehr Worten zu schreiben (Spoilerwarnung):

Wow! Man ist überrascht und fasziniert, was aus diesem Typen, der bei SCRUBS eher naiv trottelig daherkommt, an Genialität entspringt. Zach Braff hat mit Garden State einen Coming of Age-Film gedreht, der äußerst komplex und dennoch so herzlich leicht inszeniert ist. Genaugenommen ist es eher ein Coming to Life-Film, der aber durchaus auch als Appell an die Jugend zu sehen ist, endlich erwachsen zu werden und zu LEBEN. Braff spricht so viele Themen an und wirft so viele Fragen auf, die man sich in jungen Jahren selbst gestellt hat und sich vielleicht sogar jetzt noch stellt. Doch nie wird ein mahnender Zeigefinger erhoben. Braff lässt durch seine Geschichte und die intelligenten Dialoge seine Figuren und nicht zuletzt sich selbst als Hauptfigur sprechen. Keine Szene ist sinnlos oder gar langweilig. Der Film strahlt am Ende eine emotionale Wärme aus, die zu Herzen geht. Fantastisch!

Es geht um den jungen Mann Andrew Largeman (Zach Braff), der von seinem bisherigen Leben desillusioniert ist und eher dahinvegetiert. Als arbeitsloser Schauspieler muss er im Chinarestaurant kellnern. Eines Tages bekommt er vom Vater (Ian Holm) den Anruf, seine Mutter sei gestorben, doch selbst auf der Beerdigung bleibt er seltsam unbeteiligt. Seine alte Heimat hat sich ihm entfremdet. Plötzlich schneit Samantha (Natalie Portman) in sein Leben …

Zach Braff ist schon ein kleines Wunderkind! In seinem Alter solche Filme herauszuhauen, wo soll das noch hinführen? Die Story könnte man als einfach, aber genial bezeichnen. Über die Gesamtlänge des Filmes entblättert sich allmählich Andrews bisheriges Leben wie ein Puzzle, das langsam Sinn ergibt und ebenso langsam zu der Selbsterkenntnis führt, die notwendig ist, erwachsen zu werden und zum Leben zu finden. Eigentlich klassisch angelegt, hilft ihm beim Erkenntnisgewinn eine fremder Mensch, der unerwartet anders ist, ein Augenöffner. Samantha gewinnt durch ihre Offenherzigkeit sein Vertrauen, ihr kann er sich öffnen, Dinge aussprechen, die er selbst seinen Eltern nicht anvertrauen konnte/wollte. Dieses neue Selbstvertrauen hilft ihm, am Ende auch mit seinem Vater ein reinigendes Gespräch zu führen. Während wir am Anfang noch einen deprimierten Kellner in einem Chinarestaurant sehen, der sich von den Gästen schikanieren lässt, sehen wir am Ende einen lebensfrohen jungen Mann, der sich traut, ein neues Leben anzufangen.

Braff hat es auch handwerklich drauf. Hier kommen ihm wahrscheinlich seine vielen und frühen Dreherfahrungen zu Gute. Mit 14 debütierte er an der Seite von Gwyneth Paltrow im TV. Mit Woody Allen drehte er MANHATTAN MURDER MYSTERY. Collin Farrell ist sein Freund. Er muss wohl öfter genauer aufgepasst haben. Alles ist wunderbar in Szene gesetzt, ein gutes Spiel mit Kamerawinkeln und Licht. Der Einsatz der Musik und der Musiktexte ist immer treffend. Der Soundtrack ist einer der besten der letzten Jahre. Braff habe ich übrigens meinen ersten Kontakt mit den Shins zu verdanken, die hier gleich zwei Songs zum Soundtrack beisteuerten. Interessant auch, dass Braff die weibliche Hauptrolle (un-)eigennütziger Weise mit seiner Traumfrau besetzte, die hier auch großartig und fein akzentuiert spielt.

Ich war beim ersten Sehen (es sind ein paar Sichtungen dazugekommen) tief beeindruckt und hätte nicht gedacht, dass mir so ein Coming of Age-Film beim ersten Sehen so vollständig zusagen könnte. Ein fantastischer Film eines jungen Mannes mit hervorragenden Zukunftsaussichten. Man kann nur auf Weiteres gespannt sein.

10/10 Pillen zur Entwöhnung

(ähnlich auch bei kino.de)

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4 Antworten to “Garden State”

  1. Collin Farrell ist sein Freund.

    Inwieweit ihm das handwerklich geholfen hat, kann ich nicht sagen. Aber es gibt sicher schlechtere Wege sein Regiedebüt zu feiern, als mit GARDEN STATE. Schöner Film, schöner Soundtrack, schöne Hauptdarstellerin. 🙂

  2. Rudi, jaja! Das Esquire-Bild hinter „Traumfrau“ kanntest Du sicher schon … 😉

  3. […] ist wohl der ideale Kinsey. Auch die Nebenrollen sind stark besetzt, allen voran Peter Sarsgaard (Garden State), der “vollen” Körpereinsatz zeigt und Laura Linney als Kinseys Frau, die als ruhiger […]

  4. […] Schlafprobleme hat und die Zeit anhalten kann. Hat mich atmosphärisch etwas an den wunderbaren Garden State erinnert. Es gab viele tolle Kameraeinstellungen und skurille Storyeinfälle. Eine äußerst […]

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