Persepolis

Eine Geschichte aus 1000 und einer Höllennacht

Persepolis war die Hauptstadt des antiken Perserreiches. Der Film Persepolis ist aber die Geschichte eines Mädchens bzw. einer jungen Frau im Iran seit den 1970er Jahren. Dabei handelt es sich um die Autobiografie von Marjane Satrapi, die ihre Lebensgeschichte Anfang der 2000er Jahre als Comic veröffentlichte. Mit einer sehr kindlichen Bebilderung erzählte sie über ihre harte Jugend in der Zeit der Islamischen Revolution und setzte einfache Schwarz/Weiß-Bilder gegen dramatischen Inhalt. 2004 wurde ihr Werk zum Comic des Jahres gewählt.

In diesem Jahr erscheint nun der Film zum Comic. Zusammen mit Vincent Paronnaud setzte Satrapi ihr Comic in bewegte Bilder um. Dabei blieben sie nah an der Vorlage, nicht ohne die Möglichkeiten des Mediums Film für sich auszunutzen. Mir war gar nicht bewusst, wie beindruckend Schwarz/Weiß-Bilder in bewegtem 2D aussehen können. Erst erinnern die Sequenzen an Kinderfilme wie Heidi oder Wicki, um dann mit düsteren Einstellungen die Ernsthaftigkeit der damaligen Situation klar zu machen. Alles ist in Bewegung, die Perspektiven wechseln, mit Licht und Schatten wird wunderbar gespielt. Damit hebt sich der Film klar vom Comic ab und bekommt noch eine viel höhere Dimension.

Die Geschichte an sich ist überaus tragisch. Die kleine Marji wächst mit ihren liberalen Eltern in den 1970er Jahren in Teheran auf. Trotz aller Hoffnung nach dem Schahsturz wird das Land von den neuen Herrschern in den nächsten Abgrund geführt. Das Exil in Wien lässt Marji ihre Herkunft nur kurz vergessen. Sie findet sich nicht wirklich zurecht in dieser anderen Welt. Satrapi schildert bemerkenswert schonungslos die Verhältnisse, ohne einen Anspruch auf eine wahrhafte historische Einordnung zu haben. Vielmehr erzählt sie aus der Sicht eines kleinen Mädchens bzw. einer jungen Frau.

Beachtlich bei all der Dramatik ist, dass der Humor nicht vergessen wurde. Immer wieder bricht die Erzählweise aus, um dem Gräuel mit Übertreibung, Sarkasmus und munterem Witz etwas entgegen zu setzen. Das Timing ist gut, auch besinnliche Elemente haben ihren Platz. Die Geschichte wird interessant oder unterhaltsam erzählt. Gegen Ende verliert der Film etwas an Tempo, was den hervorragenden Gesamteindruck jedoch nicht trübt.

Satrapi ist mit Persepolis ein bemerkenswerter Film gelungen, der gegensätzliche Elemente gekonnt zusammenbringt, gut unterhält und dennoch ein spannendes und interessantes Bild vom Iran zeichnet, das hoffentlich einerseits zu mehr Verständnis führt, aber andererseits auch die Notwendigkeit von politischem Handeln klar macht.

8/10 Pillen zur Entwöhnung

(ebenfalls veröffentlicht auf kino.de)

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