Archiv für Rock

The Subways live in Köln

Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , , , , , , on Freitag, 14. November 2008 by mediensucht

The Subways, sollte sie noch jemand nicht kennen, sind eine junge Band aus Hertfordshire in England. Die zwei Jungs mit Mädel machen erfrischenden Alternative Rock. Das erste Album veröffentlichten die Drei 2005 im zarten Teeniealter. Young For Eternitiy ließ nicht nur Musikfans aufhorchen, auch die Werbeindustrie bediente sich an der kraftvollen Musik beispielsweise für Kampagnen von Rimmel, The Sun oder Stirb Langsam 4. Dieses Jahr erschien das zweite Album All Or Nothing, das erfolgreich wie auch qualitativ an das Debüt anschließen konnte.

Ein Konzert der Subways ist meist recht kurz, aber heftig. Sänger und Leadgitarrist Billy Lunn, Bruder und Schlagzeuger Josh Morgan und die Bassistin Charlotte Cooper verausgaben sich immer voll und ganz. Die Subways allein zu sehen, würde gerade bei den günstigen Konzertticketpreisen von unter 20 € schon reichen. Es gab aber noch zwei Bands zusätzlich zu sehen. Als Support waren in der Live Music Hall Blackmarket und Twin Atlantic angekündigt.

blackmarket

Blackmarket hinterließen einen guten Eindruck. Die Indie-Rock-Songs der Jungs aus Arizona (USA) waren wunderbar rockig und eingängig. Auch abseits der Bühne stellten sich Blackmarket als umgängliche Typen heraus, die auch mal ein Schwätzchen mit den Fans riskieren. Kleine Story am Rande: Ein paar Freunde von mir besuchten gleich drei Konzerte der Subways, was Blackmarket nicht verborgen blieb. Vor dem Konzert in Köln wurden sich auch prompt von Blackmarket angesprochen. Normalerweise ist das ja eher umgekehrt. Sogar die Setlist wurde leicht geändert, damit bei den Dauergästen keine Langeweile aufkommt.

Twin Atlantic enttäuschte dagegen. Die Band aus Glasgow sah nicht nur optisch scheiße aus, sie wusste auch nicht, was sie eigentlich für Musik spielen wollte. Mit sehr viel Wohlwollen könnte man ihren Output mit dem von System Of A Down vergleichen. Gute Ansätze waren immerhin vorhanden, doch sobald man ein Konzept erkannte, ging es wieder in eine andere Richtung oder es wurde einfach nur übel laut. Naja, ich stelle den Auftritt von Twin Atlantic mal als misslungenes Experiment dahin.

the_subways1

Nach dem Lärm wurde dem Publikum dann endlich gezeigt, wie man richtig gut laut ist. Die Subways betraten energiegeladen die Bühne. Der Opener Kalifornia war gleich der optimale Einstieg, um die Vorband vergessen zu machen. Dann ging es gute 70 Minuten zur Sache. Bassistin Charlotte machte den Flummi und hüpfte, wenn sie mal nicht ihre süße Stimme ertönen ließ, quer über die Bühne. Billy kam gleich ohne T-Shirt auf die Bühne, wohlwissend, dass ein Shirt bei so viel schweißtreibender Arbeit nur lästig wird. Er sang durchgehend kraftvoll und ließ seine Klampfe melodisch kreischen. Schlagzeuger Josh neuerdings mit kurzen Haaren malträtierte sein Schlaginstrument ohne Nachlass.

Auch im Publikum ging es ab. Es wurde fleißig mitgesungen und – was ich als eine Unsitte empfinde – ordentlich gepogt. Warum beschränkt man sich nicht auf`s Hüpfen, Springen oder ausgelassen Tanzen? Neuerdings muss man wohl noch eine Woche nach einem Konzert körperlich spüren (und sehen), dass man es besucht hat. Ganz vorne rechts direkt vor Charlotte, ging es noch einigermaßen gesittet zu, und bei dem Anblick und der klasse Musik kann einen eh nichts die Seele trüben. Auf Billys „fucking crazy“-Skala gab es für`s Kölner Publikum nach anfänglicher 9 dann doch eine 10.

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Die Songauswahl war gut, eine schöne Mischung aus beiden Alben der Subways. Ruhigere Lieder waren allerdings kaum vertreten. So waren die gut 70 Minuten schnell vorbei. Am Ende machte Billy noch seinen obligatorischen Stagedive und schaffte es auf den Händen des Publikums bis zur gegenüberliegenden Bar. Nach dem Konzert signierte Billy dann noch fleißig CDs und T-Shirts, ließ sich mit Fans fotografieren und plauderte mit seinen Anhängern. Es ist schon faszinierend, dass diese „Bühnensau“ nach dem Konzert so nett und umgänglich ist. Sehr sympathisch! Ich freue mich schon auf`s nächste Konzert, wann auch immer. An einem neuen Album wird laut Billy schon gearbeitet …

Kula Shaker

Posted in Beschallungsabhängigkeit with tags , , , , , , on Donnerstag, 25. Oktober 2007 by mediensucht

Kennt noch jemand Kula Shaker? Die waren Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts eine der angesagtesten Bands in Großbritannien. Der Name Kula Shaker bezieht sich angeblich auf einen indischen Fürsten aus dem neunten Jahrhundert namens „Kula Sekhara“. So war die Musik der Gruppe auch eine Mischung aus Britrock und indischen Einflüssen, die mir sehr gefiel. Meine erste bewusste Erfahrung mit Kula Shaker war deren Song „Mystical Machine Gun“ vom zweiten Album Peasants, Pigs & Astronauts und ich arbeitete mich quasi zum erfolgreicheren Debutalbum K zurück. Nach dem zweiten Album war allerdings schon Schluss mit Shaken, weil sich Frontmann Crispian Mills neuen Projekten widmete. Die Überraschung war nicht gering als für dieses Jahr ein neues Album und gleich noch eine Tour angekündigt war. Dann also nix wie hin!

Konzertkarte Kula Shaker

Gesagt, getan, und für einen Preis von 17,50€ wurde einem ordentlich was geboten. Die Vorband The Say Highs als Nachfolger von Simon & Garfunkel trällerten eingängige, aber nicht unbedingt stimmungsgeladene Songs daher. 3 Stimmen zu 3 Akustikgitarren konnte man sich anhören. Für den Sound von Kula Shaker war das kleine Lido in Berlin aber etwas zu beengt (der Saal war übrigens mal ein Kino). Besonders Jay Darlington an den Orgeln kämpfte vergeblich gegen die engen Wände an. Dennoch war der Sound besser, als ich erwartet hatte, da mir Freunde, die Kula Shaker einmal als Vorband sahen, von üblem Klang berichteten. Wenn man die Songs kennt, freut man sich umso mehr, dass man sie live erleben kann. Die großen Hits wurden gespielt, auf „Mystical Machine Gun“ musste ich allerdings verzichten.

Für Crispian Mills war die Bühne zu klein. Er gab sich, wie seine Bandkollegen auch, gutgelaunt und hüpfte auf der Bühne herum, als hätte er Knallfrösche verschluckt. Seinen Podiumsplatz dürfte er recht sauber hinterlassen haben, da er bei den Gitarrensoli regelmäßig Ganzkörperbodenkontakt hatte. Die gute Stimmung übertrug sich auf’s Publikum, das gegen Ende des Konzerts zum Geburtstagsständchen für Bassist Alonza Bevan anstimmte. Nach 80 Minuten inkl. Zugaben war dann Schluss. Ich war insgesamt äußerst zufrieden. Tolle Musik, prima Preis-Leistungsverhältnis!