Hugh Laurie – Der Waffenhändler (Bockmist)

Kennt jemand noch diese altmodischen rechteckigen Dinger aus toten Pflanzen, die mit geordneten Mustern aus schwarzer Farbe befüllt sind? Diese teils unhandlichen Aufschichtungen von gepresstem und gebleichtem Holz? Ja, genau: Vor noch kurzer Zeit benutzte man das gute alte deutsche Wort „Bücher“ dafür. Heute gibt es dagegen „E-Books“, die man auf „Kindles“ liest, oder eben Blogs, auf denen Leute wie ich ihren Senf zu allem möglichen loswerden. Seltsamerweise gibt es auf diesem Blog auch eine „Literatur“-Kategorie (Lesewut), die ein ziemlich armseeliges Dasein fristet. Um mal wieder etwas Frischtext ist diese Rubrik zu bringen, schreibe ich heute mal über den ausgezeichneten Roman Der Waffenhändler von Hugh Laurie.

bockmist3Stand da gerade „Hugh Laurie“? DER Hugh Laurie? Schreibt Dr. House jetzt etwa auch noch? Richtig: DER Hugh Laurie ist gemeint, genau der, der die Hauptrolle des Gregory House in der erfolgreichen US-Serie Dr. House spielt. Und der Mann schreibt nicht „neuerdings“, sondern schrieb seinen Roman schon Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Der am 11. Juni 1959 im englischen Oxford geborene Laurie ist ein Multitalent. Neben seiner musikalischen Begabung, die er beispielsweise in House oder in der aus weiteren Serienschauspielern bestehenden Band from TV auslebt, besitzt Laurie auch ein ausgezeichnetes schreiberisches Talent, das bisher leider nur in seinem einzigen Roman The Gun Seller zum Vorschein kam.

Der Waffenhändler handelt von einem Engländer, der als Mann für’s Grobe in einen ganz besonderen Fall von politischer Kriminalität verstrickt wird. Wie der intelligente Leser sicher schon erahnt hat, spielen Waffen dabei keine unwichtige Rolle. Wer glaubt, es handelt sich dabei um ein staubtrockenes Thema, der irrt. Laurie verstrickt clever verschiedene Stilelemente und zaubert einen zwar äußerst politischen Roman aus der Feder, der aber auch spannend, unterhaltsam, überraschend und sehr witzig ist. Die Geschichte ist bis zum Ende hin mitreißend geschrieben. Laurie baut extrem viele Überraschungsmomente in seine Story ein, so dass nie Langeweile aufkommt. Zudem ist sie sehr flott geschrieben. Laurie benutzt eine sehr umgangssprachliche Ausdrucksweise, spielt dabei aber mit der Sprache so gekonnt, dass schon allein das Lesen des Textes Spaß macht. Ein Lob gilt hier wohl auch dem Übersetzer ins Deutsche. Einige Redewendungen hören sich doch sehr landeseigen deutsch an, bockmist2passen aber prima in den Zusammenhang.

Neben einer kleine Liebesgeschichte ist das Hauptthema äußerst brisant. Dabei ist Laurie erstaunlich nah an den politischen Themen der heutigen Zeit und bewies damit schon Mitte der 90er ein Gespür für die Themen der Zukunft. Sein Szenario könnte aktueller nicht sein. Es geht um Geschäftemacherei, politischen Irrsinn und Terrorismus. Das Alles ist verpackt in einem actionreichen Szenario, das auch aus einem James-Bond-Film stammen könnte. Man merkt Laurie dabei die Nähe zum Filmgeschäft an. Er verliert sich weniger in Beschreibungen von Landschaften und Räumen, sondern unterhält mit flotten Dialogen oder auch mal mit der direkten Ansprache an den Leser. Ich könnte mir das Buch/die Geschichte auch sehr gut als Film vorstellen.

bockmist1In Deutschland ist der Roman erstmals im Jahre 1999 bei Haffmans unter dem Titel Der Waffenhändler erschienen. Mit dem Erfolg der Fernsehserie Dr. House beim Proletensender RTL dachte man sich beim Heyne-Verlag, man müsse das Buch in der neuen Auflage „Bockmist“ nennen und eine Unterhose auf quietsch-grünem Cover präsentieren. Egal, wie das Buch nun heißt und wie es aussieht, ich empfehle die Lektüre hiermit ausdrücklich! Laurie schreibt wohl angeblich gerade an einem neuen Buch. Ich freue mich drauf.

m101

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3 Antworten to “Hugh Laurie – Der Waffenhändler (Bockmist)”

  1. Wie es gibt Bücher? Was´n das? Aber Scherz beiseite, ich habe letztens sogar zwei Leute in der Bahn gesehen, die unabhängig voneinander in einem Buch lasen. (Also jeder in einem eigenen selbstverständlich). Das Buch werde ich mir dann mal kaufen, der Trend zum Zweitbuch neben dem Diercke-Weltatlas aus der Schule soll sich auch bei mir durchsetzen. (Wobei das Cover ein wenig so aussieht, wie eine missglückte Antwort auf Feuchtgebiete von Madame Roche und Drecksau von Irvine Welsh – ersteres interessierte mich nicht und letzteres ist inhaltlich sehr gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich drauf einlässt, ziemlich abgefahren – Wollte mal meine Streetcredibility zeigen und ein wenig Jugendjargon verwenden).
    Danke für den Tipp
    Bonifatius
    (By the way gab es mal auf Comedy Central eine englische Serie in der Hugh Laurie einen Arzt spielte – ohne hinken, dafür mit Familie. Leider habe ich dn Titel vergessen)
    Ein weiterer Gruß, Bonifatius

  2. Hallo Bonifatius, das Buch von Roche kenne ich auch, vielleicht schreibe ich noch drüber. Ich finde es zwar überbewertet, es ist aber recht unterhaltsam und sagt so einiges über die Schreiberin aus. Wenn man will, kann man darin auch mehr sehen als Körperflüssigkeiten.
    Die Serie, die Du meinst, könnte „Blackadder“ mit Rowan „Mr. Bean“ Atkinson sein. Laurie hat aber noch in ein paar mehr Serien mitgespielt.
    Gruß zurück ;o)

  3. Die Serie hieß „Dr. Slippery“ und war nicht sonderlich amüsant. Aber Hugh Laurie spielte ab und zu wunderbar Klavier.
    Die Bewertung für „Der Waffenhändler“ unterstreiche ich voll und ganz.

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