Bundesvision Song Contest 2009 – Meine Bilanz

vision1Als Konkurrenz zum Ausscheid für den Eurovisions Song Contest hat Stefan Raab einst seinen Bundesvision Song Contest ins Leben gerufen, bei dem für jedes Bundesland Künstler in den Wettbewerb gehen, über deren Abschneiden dann das Publikum entscheidet. Leider folgt dieser Wettbewerb den gleichen Gesetzen wie der Konkurrent: Der Künstler mit den meisten Fans gewinnt. Hier mein kleiner Überblick in der Reihenfolge des Auftritts:

Hessen: Fräulein Wunder – Sternradio (Platz 6)
Fräuleinwunder ist eine weitere Band a la Juli oder Silbermond im Emo-Style, die musikalisch nicht viel zu bieten hat. Zumindest optisch gibt es einige Reize, wobei ich mich frage, wieso ausgerechnet die 80er wieder Einzug in die Jugendmode halten. Platz 6 zeigt, dass diese Kombination doch einigen Zuschauern gefallen haben muss.

Saarland: P:Lot – Mein Name ist (Platz 14)
Die durchaus sympathischen Jungs aus dem Saarland hatten u.a. an der geringen Größe ihres Bundeslandes, ihrer geringen Fanzahl und der bekannteren Konkurrenz zu leiden. Der Song war gar nicht so schlecht, wenn er auch etwas besser hätte vorgetragen werden können. An der Livestimme muss der Sänger noch arbeiten. Platz 14 ist weit unter Wert.

Mecklenburg-Vorpommern: Marteria – Zum König geboren (Platz 13)
Musikalisch auf dem Gebiet besser als der eintönige Peter Fox, die Live-Darbietung von Marsimoto war aber unter aller Sau. Auch textlich war der Song wenig einfallsreich. Zurecht auf den hinteren Plätzen.

Sachsen-Anhalt: Angela’s Park – Generation Monoton (Platz 16)
1. Platz für den kürzesten Rock, letzter Platz beim Contest. Ganz so schlecht war das nicht, was Angela’s Park da ablieferten, leider aber viel zu Mia und zu monoton in der Aussage. Verzichtbar.

Nordrhein-Westfalen: Rage – Gib dich nie auf (Platz 3)
Respekt! Auf so einen Contest eine Metalband zu schicken und mit ihr einen 3. Platz abzustauben … Hut ab! Ehrlicher Metal und eine große Fangruppe waren wohl auch nicht unbeteiligt am Erfolg. Eine kleine Überraschung.

Thüringen: Chapeau Claque – Pandora – Kiss Miss Tragedy (Platz 7)
Noch mal eine Mia-Kopie mit verschwurbelten Texten und langweiliger Musik, Platz 7 ist wohl die reine Übertreibung.

Brandenburg: Sven van Thom – Jaqueline (Ich hab Berlin gekauft) (Platz 9)
Sicher der schrägste Auftritt des Abends (Flowin Immo zählt hier nicht). Der Sänger von Beatplanet kommt auch solo mit witzigem Text und skurrilem Auftritt daher. Musikalisch ist das Ganze gewöhnungsbedürftig, am Ende aber immer noch besser als der Einheitbrei von Peter Fox. Die Platzierung im Mittelfeld geht in Ordnung.

Bayern: Claudia Koreck – I wui dass Du woasst (Platz 10)
Das sympathische Madel aus Bayern traut sich mit bayrischem Dialekt und Songwriter-Rock in den Wettbewerb. Der erstaunlich kraftvolle Auftritt reicht aber nur für Platz 10.

Schleswig-Holstein: Ruben Cossani – Bis auf letzte Nacht (Platz 8 )
Ruben Cossani wandeln auf den Spuren von Beatplanet und präsentieren ebenfalls 60er-Jahre-Beatmusik, doch bei Weitem nicht so originell und virtuos wie ihre Vorgänger. Dem Aufritt fehlt es an Kraft und Witz. Schade eigentlich.

Niedersachsen: Fotos – Du fehlst mir (Platz 15)
Die Fotos haben schon bessere Stücke gemacht. Dieser etwas nach The Cure klingende Song ist nicht nur inhaltlich relativ nichtssagend, auch musikalisch ziemlicher Britpop-Einheitsbrei. Ein verdienter vorletzter Platz.

Bremen: Flowin IMMO et les Freaqz – Urlaub am Attersee (Platz 11)
Dieser Gagaauftritt war eigentlich nur peinlich. So viel gute Musik scheint tatsächlich nicht aus Bremen zu kommen. Ein kläglicher Versuch, sich musikalisch an den Fantastischen Vier zu orientieren, dazu noch eine Verhunzung österreicherischer Landschaft und ein alberner Auftritt. Der letzte Platz wäre verdient gewesen.

Rheinland-Pfalz: Pascal Finkenauer – Unter Grund (Platz 12)
Mmh, so viel lässt sich zu Pascal Finkenauer nicht sagen. Ein Allerweltsauftritt mit einem Allerweltssong. Finkenhauer würde „gern den Tag vergessen“, ich habe seinen Auftritt schon vergessen.

Sachsen: Polarkreis 18 – The Colour of Snow (Platz 2)
Das ist also die Musik unserer Zeit. Ein bisschen Kraftwerk, ein bisschen Erasure und immerhin etwas deutscher Text. Dazu noch ein durchgestylter Auftritt, der beim Publikum super ankam. Meine Sache ist das nicht unbedingt, aber sei’s drum. Die große Fangemeinde reicht für Platz 2.

Baden-Württemberg: Cassandra Steen – Darum leben wir (Platz 4)
Uninspirierter Soulpop, bedeutungssschwanger und pathetisch vorgetragen. Ich fand’s langweilig, weshalb ich auch die gute Platzierung nicht so recht verstehe. Wenn man sich allerdings die deutschen Charts so anschaut, muss man sich nicht wundern.

Hamburg: Olli Schulz – Mach den Bibo (Platz 5)
Sehr witziges Intro (Vorstellungstrailer), sein Lied ist aber nur mit einigen Promille wirklich gut. Ein typischer Partysong, der so ganz ohne Party ziemlich dämlich wirkt. Dennoch gab’s mit Platz 5 ein erstaunlich gutes Ergebnis.

Berlin: Peter Fox – Schwarz zu blau (Platz 1)
Hier zeigt sich, dass sich Raabs Wettbewerb auch nicht großartig von seinem „Vorbild“ (Eurovisions Contest) unterscheidet. Hier zählt nicht musikalische Qualität, sondern schlicht die größte Fangemeinde. Ja, ich weiß, ein Haufen Leute steht auf diese inzwischen ziemlich eintönige Dancehall-HipHop-Musik. Ich finde aber, dass Peter Fox seit einiger Zeit stark abbaut. Die Seeed-Alben werden immer schlechter und auf seinem Soloprojekt klingt ein Song wie der andere. Hier ist also festzustellen: Peter Fox hat mehr Fans als Polarkreis 18, die mehr Fans als Rage haben.

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Anmerkung: Ich sah die Veranstaltung im Internet ohne nervende Werbung und unnötiger Unterbrechnungen.

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15 Antworten to “Bundesvision Song Contest 2009 – Meine Bilanz”

  1. Danke für die Zusammenfassung,
    bin echt mit allen deinen Kommentaren einverstanden.
    Lg

  2. Ebenfalls ein Danke von mir für die Zusammenfassung.
    Zu den Kommentaren, kann ich nicht viel sagen, da ich die Show leider nicht sehen konnte, aber zu deinem Abschlusssatz bei Peter Fox
    „Hier ist also festzustellen: Peter Fox hat mehr Fans als Polarkreis 18, die mehr Fans als Rage haben.“
    und dem, wo du den Vergleich mit dem Eurovision Song Contest heranziehst, kann ich nur eins sagen.
    Das ist doch vollkomen klar, dass der gewinnt der die größte Anzahl an Fans (vor solch einer Show), da ja nur die Zuschauer abstimmen und keine Unabhängige Jury.
    Ich persönlich hätte mir aber auch einen anderen Sieger gewünscht. egal.
    LG

  3. Danke für die Zustimmung! Ich vergleiche solche Veranstaltungen gerne mit den Oscars (hier auf dem Blog geht’s ja auch mal um Filme). Man weiß vorher genau, wie das Ganze ablaufen wird, ärgert sich dann jedes Mal wieder, dass seine eigenen Wünsche nicht beachtet werden und schaut sich das Schauspiel doch jedes Jahr wieder an. Raabs Veranstaltung hat den Vorteil, dass man doch ab und zu ein paar neue Künstler sieht/hört, die einem gefallen könnten. Insofern ist mir der Sieger auch egal. Aber ein bisschen künstliche Aufregung hat noch keiner „Kritik“ geschadet ;o)

  4. Seh das im großen und ganzen ähnlich ^^
    Letztendlich hät ichs nur geschaut, um zu wissen, wer jetzt gewinnt: Polarkreis 18 oder Peter Fox?
    Wobei der Peter mir dann doch irgendwie lieber war als die Dresdner…
    Danke nochmal für die Zusammenfassung, auch ich hatte leider doch sinnvolleres zu tun =P

  5. Danke für die Zusammenfassung. Ich persönlich fand ja Bremen am besten, auch wenn die bei dir mal gar nicht gut wegkamen 😉 Gruß Spank

  6. hach, danke für das freundliche Beatplanet-Lob 😉
    Ich saß übrigens direkt vor den jeweiligen Bands quasi in der 1. Reihe 😉
    Flowin Immo fand ich eigentlich auch ganz lustig, besser auf jedenfall als dieses pseudo-gedankenschwere Zeuch von Cassandra Steen, Chapeau claque, Pascal Finkenauer. Da hatte ich echt Mühe, nicht zu gelangweilt zu gucken 😉
    Den Bibo fand ich auch unerträglich, v.a. sein „Ballett“ von Selbstdarstellern. So fand ich die Kommentare von Schulz großartig („kaltes Medienschwein“ 😉 Ich schwöre, wenn jemand aus Brandenburg diesen Song gemacht hätte, wärs der 23. Platz geworden. Rage fand ich ganz putzig, v.a. dieser riesige Sänger mit seinem kleinen Spielzeugbass. Was mich genervt hat war die fehlende Grammatik („Geeeb dich nicht auf!“). argh. Werf doch mal. Fress oder sterb. Les mal vor. Gruselig.
    Noja, aber es war doch ganz nett, und Ruben Cossani haben mir v.a. wegen des schönen Cembalo-Sounds gefallen.

  7. Tja, und was sagt uns das alles ?
    Musik hat etwas mit Geschmak, Gefühl etc. zu tun und da gibt es nun mal keine objektiven Kriterien. Da kann man noch so sauer sein, weil sein Favorit(in) mit Füßen getreten wurde, aber so hart ist die Welt.
    Wen die Hypothese stimmt, dass der gewinnt, der die meisten Fans hat, was ist daran denn so problematisch ? Soll der/die gewinnen, der die wenigsten Fans hat ?
    Sicher soll der Gewinnen der den RICHTIGEN Fan hat!
    Also ich fand es zwar von Peter Fox etwas dick aufgetragen eine solche Performance zu machen, aber dass sich bei ihm alles auf seiner Platte gleich anhört …
    Ich vermute, die mediensüchtigen Menschen unter 30, die so was wie Stille das letzte mal kurz nach ihrer Befruchtung erfahren haben, scheinen garnicht mehr in der Lage zu sein differenziert zu hören.

    Ich bin heute früh um 1/2 sechs zur Arbeit durch Kreuzberg, unweit der Kotze am Kotti geschwebt, und habe Peter Fox gehört (… müde Gestalten im Neonlicht …).
    Da war ich richtig wach !
    Insgesamt erstaunlich gute Musik an diesem Abend und der beste Song hat gewonnen!

    (Negativ: das ewige Gegrinse von diesem Raab und die affektierte Lustigkeit der Dudelsendermoderatoren – Schade, dass die nur dann normal wie ein Mensch reagieren, wenn echte Schweinereien passieren … Immerhin war das die erste Fernsehshow, die ich seit so zwei, drei Jahren mir angeschaut habe,)

  8. Babsi, hab ich mir doch fast gedacht, dass Du da wieder mitmüschst (das Wort ist extra für Dich), und sei es, im Publikum als kreischender Fan … ich stelle mit das mal eben vor: :mrgreen:

    yakini, „unter 30“? :mrgreen:
    Ich habe übrigens nicht behauptet, dass es irgendwie „falsch“ ist, dass der gewinnt, der die meisten Fans hat. Ich zeigte mich nur verwundert: über den heutigen Musikgeschmack der Teens, über die gleichen Mechanismen wie beim Eurovisions Contest, über das Abschneiden verschiedener Künstler etc.. Klar sind die Texte von Fox nicht dumm, ich kann mir sein Album nur nicht ganz anhören, da mir die musikalische Abwechslung fehlt. Geht mir ganz persönlich so. Und hier drüber steht ja auch „Meine Bilanz“.
    Schönes Erlebnis übrigens am Kotti. Das hat der Peter textlich schon gut eingefangen ;o)

  9. ich als kreischender Fan? Ich glaube, du hast ein ganz falsches Bild von mir 😉 Ich stand eher etwas befangen neben den ganzen schreienden Kindern und kam mir sehr sehr alt vor *g

  10. Hm, also so ganz kann ich der Kritik an Peter Fox bzw. „Stadtaffe“ nicht zustimmen. Aber das bleibt Geschmackssache…
    Allerdings bin ich bei den anderen Kommentaren umso mehr zum Konsens gewillt!

  11. Ich finde solche Sendungen total trashig.

  12. Warscheinlich hat „Peter Fox“ mehr Fans als „Polarkreis 18“ und diese
    mehr Fans als „Rage“. Aber diese Fans sind nicht aus einer Höhle gesprungen, sondern Ergebniss guter Ideen (Geschmackssache) und harter Arbeit.
    Ich empfehle, sich mal selbst auf eine Bühne zu stellen (egal ob Musik, Comedy etc.) und zu versuchen ein Publikum zu begeistern.
    Wer das versucht hat, darf nochmal schreiben und ich wette die Komentare fallen anders aus.

  13. Dieter, dieses Argument ist ja so abgedroschen wie der 12. Blodienenwitz von hinten. Als wenn ein Filmkritiker einen Film selbst gemacht haben muss, als wenn ein Buchkritiker selbst Buchautor sein muss. Wenn ich in einen Laden gehe und etwas reklamiere, dessen Qualität nicht stimmt, will ich vom Verkäufer bestimmt nicht hören, ich solle es doch selbst herstellen.

    Alles, was ich auf auf mein Blog stelle, ist selbstverständlich meine höchst persönliche Meinung und extrem subjektiv. Geschmäcker sind verschieden und ich werde mich garantiert nicht irgendeiner Mehrheit anpassen. In diesem Sinne: Ruhig Blut beim Lesen ;o)

  14. ich hab das schon versucht 😉
    im übrigen sind solche siege oft erkauft, callcenter mieten und so.
    da können noch so viele für Angelas Park anrufen, in der Masse stichts trotzdem nicht raus.

  15. […] ist die Veranstaltung von Raab zumindest musikalisch […]

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