Just A Kiss (Ae Fond Kiss)

Da mir gerade wieder die Zeit fehlt, hier eine ältere Kritik zu Just A Kiss:

Mit der Moralkeule

kiss11Pakistani Casim Khan (Atta Yaqub) ist DJ in Glasgow. Seine Familie hängt trotz jahrzehntelagem Fernsein der Heimat sehr an den alten Traditionen. Casim soll in wenigen Wochen eine Cousine, die er noch nicht kennt, heiraten und mit ihr in einen neuen Anbau des Familienwohnsitzes ziehen. Doch er lernt die Lehrerin Roisin Hanlon (Eva Birthistle) kennen, die an einer katholischen Schule Musik lehrt und Casims Schwester Tahara (Shabana Bhaksh) unterrichtet. Casim hat nun neue Pläne und kommt in Konflikt mit seiner konservativen muslimischen Familie. Auch Roisin bekommt trotz Fachkompetenz Ärger mit den Institutionen auf Grund ihrer nicht-katholischen Lebensweise …

Regisseur Ken Loach lässt in Just A Kiss zwei unterschiedliche Kulturen aufeinanderprallen. Wie etwa auch in Kick It Like Beckham wird uns eine Einwandererfamilie aus dem mittleren Osten (diesmal Pakistan) näher gebracht, die mit Identitätsproblemen zu kämpfen hat. Die ältere Generation ist noch sehr mit den alten Traditionen verhaftet. Die jüngere, in Schottland geborene Generation gerät auf Grund der neuen westlichen Einflüsse in Konflikt mit den Eltern. Auf der anderen, der urbritischen Seite steht der konservative Katholizismus.

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Schon in der ersten Szene will uns Loach die Probleme der Einwandererkinder verdeutlichen. Er lässt Tahara einen Vortrag über ihre Probleme mit ihren Klassenkameraden halten. So wie hier legt er seinen Protagonisten den ganzen Film lang belehrende Worte in den Mund, um seine Botschaft zu verdeutlichen. Darunter leiden teilweise Logik und Dialogklima. Diese Moralkeule wird bis zum Ende des Filmes immer größer. Anfangs versucht Loach die mittelasiatische Leichtigkeit, die eben Kick It Like Beckham trotz aller Probleme so ausgezeichnet hat, zu übernehmen. In einer recht witzigen Szene beispielsweise durchschreitet das Familienoberhaupt beim Abgehen der Anbauabmessungen die Blumenbeete. Diese Lockerheit wird später leider von jener Moralkeule völlig zerschlagen.

Das Thema „eine Liebe zwischen zwei Kulturen“ ist nicht neu und Ken Loach kann ihm leider auch keine neuen Aspekte abgewinnen. Der Film ist recht konventionell und vorhersehbar. Vielleicht hätte Loach etwas mehr wagen sollen, wie es beispielsweise Fatih Akin mit Gegen die Wand gemacht hat. Anzurechnen ist Loach, dass er dem muslimischen Konflikt einen katholischen gegenüberstellt und so auch die traditionelle Verbohrtheit dieser Religionsgruppe aufzeigt. Vielleicht wollte er als Nichtpakistani aber nur nicht mit Einseitigkeit anecken.

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Am Ende siegt natürlich die Liebe über festgebackene Traditionen ohne dass die Liebenden wie bei Romeo und Julia sterben. Loach lässt seine Figuren viele Vorurteile ausleben und die zwei Verliebten dagegen ankämpfen. Mir brachte der Film nichts Neues, ich denke aber schon, dass Leute, die bisher noch keinen Film aus diesem Umfeld gesehen haben (Monsoon Wedding, Kick It Like Beckham, …), durchaus etwas über die nahe, aber fremde Kultur lernen können. Und das kann in Anbetracht der aktuellen Lage (in Deutschland gibt es immer mehr Inder und Pakistani – deren Musik wird populärer – man geht bei ihnen essen) nicht schaden.

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