The Miracle of „frak“

Im freien Fernsehen der Vereinigten Staaten von Amerika darf man nicht „fuck” sagen, sonst wird gnadenlos gepiept. Jeder Amerikaner (und vor allem jedes amerikanische Kind) weiß natürlich, was an Stelle des Pieptons eigentlich zu hören war, und ist sich der Bedeutung auch bewusst. Im Englischen bzw. Amerikanischen wird „fuck“ für gewöhnlich als burleske Steigerungsform benutzt, wie es bei uns im Deutschen etwa mit „verdammt“ der Fall ist. Während wir Deutschen damit eine Art religiöse Überhöhung nutzen, geht es bei den Amis im Ursprung schlicht und einfach um Sex („fuck“ = „ficken“).

Um eine Pieporgie zu vermeiden, aber dennoch keine geschwollene Sprache zu benutzen, habe sich findige Serienautoren Ersatz für das verbotene „fuck“ ausgedacht. In der Sciencefiction-Serie Battlestar Galactica (übrigens schon im Original von 1978) sagt man dank des Serienerfinders Glen A. Larson (z.B. auch verantwortlich für Ein Colt für alle Fälle oder Knight Rider) nun also „frak“ statt „fuck“ und verwendet es gern und oft. Und – oh, Wunder – die Zensoren der Networks haben nichts dagegen. Es geht also nicht um die Bedeutung eines Wortes, sondern nur um das Wort selbst. Mal wieder ein typischer Fall von Doppelmoral a la MTV, wo zwar Gewalt in jeder Form und menschenverachtendes Material schon nachmittags gezeigt wird, aber jeder blanke Busen verdeckt und jedes „fuck“ weggepiept wird.

Diese seltsame Einstellung gegenüber den Varianten von „fuck“ trug auch in anderen Serien ihre Blüten. In The Middleman wurde „fuck“ durch das niedliche „fooey“ ersetzt, wobei es hier eher um den Witz des Wortes ging, denn gepiept wird trotzdem fleißig. In der britischen Sciencefiction-Serie Red Dwarf benutzte man fröhlich „smeg“, um seinen Aussagen mehr Kraft zu verleihen. Es hat wohl niemand gemerkt, dass „smeg“ von „Smegma“ abgeleitet wurde und damit „fuck“ in nichts nachsteht. Überhaupt sind Sciencefiction-Autoren sehr kreativ in dieser Beziehung. Für Farscape wurde „frell“ erfunden, die Coneheads benutzten „mebs“, Mork vom Ork „shazbot“.

Da in den USA immer noch viele Konservative und gar Kreationisten das Sagen haben, werden wir auch in Zukunft noch mit einigen schönen Wortschöpfungen rechnen können, die am Ende nur Eines bedeuten: FUCK!

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5 Antworten to “The Miracle of „frak“”

  1. Richtig bescheuert wirds aber bei Serien wie „The Shield“. Ich liebe die Serie, aber sie gehört keinesfalls in Kinderhänden, ist sie doch recht brutal und realistisch in Szene gesetzt. Es gibt sogar Folgen, in denen man verbrannte Leichen oder abgetrennte Gliedmaßen sieht. Dennoch ist in bisher keiner einzigen Folge das Wort „Fuck“ vorgekommen.

    Auch bei Nip/Tuck finde ich das ein wenig befremdlich, das gerade Christian Troy in den ersten Staffeln sich von einer Fraue zur nächsten vögelt, man aber diese nie nackt sieht, weil sowas ja auch unmoralisch wäre.

    Deswegen sind meine Lieblingsserien auch meist bei HBO oder Showtime. Nicht wegen dem Wort „Fuck“ oder freigelegten Brüsten, sondern weil sie einfach ehrlicher sind und nicht aalglatt fürs Free-TV inszeniert worden sind. Was wäre ein The Wire ohne den Slang, ein Weeds ohne Drogenverherrlichung, Ein Oz ohne Gewalt oder ein Dexter ohne seine moralisch fragwürdigen Gelüste?

  2. :mrgreen: Ich stelle mir gerade vor, wie Californication auf ABC Family laufen würde: Piiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeppp!!!

  3. Da ich gerade meine Urlaubsplanung mache und über diesen Link hier kam, musste ich an diesen Eintrag von Dir denken. Passt irgendwie ganz gut dazu.

    Und darüber hinaus ist das hier auch ein absoluter Klassiker zum Thema Zensur.

  4. Witziger Text ;o) Aber „feck“ geht doch gar nicht! Da gibt es in der Tat bessere Alternativen, die nach etwas klingen.

    Die erste Staffel der Sopranos habe ich übrigens damals im ZDF gesehen und irgendwann wegen des schrägen Sendeplatzes aufgegeben. Ich muss die mal nachholen, vielleicht gibt ja die DVDs mal billig …

  5. Hab die ersten beiden Staffeln auf DVD bei mir im Fernsehschränkchen stehen. Steht definitiv auf der Liste fürs sommerliche Nachholprogramm ganz oben.

    Ja, die Texte auf der Seite sind fast alle sehr großartig geschrieben.

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