Dead Like Me – So gut wie tot

Es gibt da so Serien, die sind wie für mich gemacht. Sympathische Charaktere in schrägen Geschichten und bunter Umgebung, dazu eine schöne Portion skurrilen Humors und abgefahrener (positiver) Verrücktheit, umgesetzt mit viel Herz und Liebe zum Detail. Das Alles ist beispielsweise in Pushing Daisies zu finden. Da hier aber Dead Like Me (als deutscher Titel wird bisweilen So gut wie tot genannt) als Überschrift prangt und ich über Pushing Daisies schon schrieb, muss die überschriftgebende Serie auch etwas damit zu tun haben, wonach es bei mir allerdings anfangs gar nicht aussah.

In Dead Like Me (DLM) geht es, wie man sich vielleicht denken kann, vordergründig um den Tod. Die 18-jährige Georgia Lass (die bisweilen zu dünne Ellen Muth) wird von einer nicht ganz verglühten Klobrille der russischen Raumstation MIR erschlagen, wandert aber nicht geradewegs ins Reich der Toten, sondern muss ihr Untotsein als Seelensammlerin fristen. Seelensammler nehmen sich kurz vor dem Tod eines Menschen dessen Seele (damit sie unversehrt bleibt) und geleiten sie weiter ins … nun ja, das wird nie wirklich geklärt. Ihr Job ist es also, die potentiell Sterbenden zu finden, sie zu berühren, um ihre Seele zu nehmen und dieser dann in ihrer Verwirrtheit nach dem Tot zu helfen. Einzige Hinweise auf den Toten geben Post-it-Zettel mit Nachnamen, Ort und anzunehmenden Todeszeitpunkt, die ein gewisser Rube (Mandy Patinkin) verteilt. Damit die Seelensammler ihre Taten ohne größere Probleme ausführen können, sind sie sichtbar (im Gegensatz zu den Seelen) in der Gesellschaft integriert. Für die Lebenden haben sie allerdings ein anderes Erscheinungsbild als vor ihrem Tod.

Erfinder von DLM ist Bryan Fuller, der nicht nur hinter Pushing Daisies steckt, sondern auch die ebenso wunderbare Serie Wonderfalls (dazu später einmal mehr) kreierte. Die Parallelen sind offensichtlich. Wieder geht es um Schicksal und Tod, verpackt in schwarzem Humor und bunten Bildern. Der Mann scheint voller schräger Ideen aus dem Reich der Fantasie zu stecken. Fuller war übrigens auch als Schreiber und Produzent an Serien wie Star Trek – Deep Space 9 bzw. Voyager und Heroes beteiligt. Leider verabschiedete sich Fuller nach fünf Folgen DLM wegen Streits mit der Produktionsfirma MGM. Dennoch hält die Serie ein verdammt hohes Niveau, was die Absetzung nach zwei Staffeln unverständlich macht. Interessanterweise kommt diesen Sommer aber ein Film (direkt auf DVD) heraus, dessen Erfolg (so er denn stattfindet) eine Weiterführung der Serie ermöglichen könnte.

Wie eingangs geschrieben, hatte ich zuerst ein paar Probleme mit DLM. Das lag hauptsächlich an der Hauptfigur Georgia Lass, die mir mit ihrer gelangweilten Art einfach unsympathisch war. Genau das war aber das Konzept und ich gab ihr – wie auch das „Leben“ in der Serie – noch eine Chance. Sie findet nämlich endlich zum Leben … nach dem Tod! Und siehe da, mit der Zeit blüht Georgia auf und gelangt damit auch in mein Herz. Es wäre aber auch ärgerlich gewesen, diese Serie nicht gesehen zu haben, sie ist nämlich schlicht und ergreifend wunderbar gemacht. Die Geschichten gehen ans Herz, die Charaktere sind auf ihre spezielle Art und Weise sympathisch, der Detailreichtum ist großartig. Die allmorgendlichen Treffen mit Rube (dem Zettelverteiler und Ersatzvater für Georgia) finden beispielsweise in einem deutschen Waffelhaus (im Original: Der Waffel Haus) statt. Die schwarze Kellnerin spricht in der deutschen Übersetzung bayrisch! Die Synchronisation ist dann auch insgesamt als gelungen zu bezeichnen, sie verstärkt teilweise sogar. So wirkt Rube in der Synchro mit seiner viel wärmeren Stimme noch väterlicher und Georgia (genannt „George“ – wie auch Charlotte in Pushing Daisies mit „Chuck“ einen Männernamen als Spitznamen hat) noch jünger, gelangweilter oder aufmüpfiger.

Für die Musik ist Stewart Copeland verantwortlich und damit kein Geringerer als der (Ex-) Schlagzeuger von The Police! Er versteht es tatsächlich ausgezeichnet, nicht nur mit Holzstöcken auf fellbespannte Kessel oder Metall einzuhauen, sondern einen unterstützenden Score an unsere Ohren gelangen zu lassen! Dennoch wird im Waffelhaus, wo viele witzige Gespräche zwischen den Seelensammlern (und damit ein nicht unwesentlicher Teil der Handlung) stattfinden, permanent klischeehafte Jodel- und Volksmusik gespielt. Ziemlich skurril sind auch die Art und Weisen, wie die Seelenbefreiten zu Tode kommen. Oft werden die Erwartungen des Zuschauers nicht erfüllt und das Offensichtliche wird zur Nebensache. Dann kommt wieder alles so, wie es kommen musste. Summa summarum: Es wird nie langweilig!

In Deutschland wurde DLM bisher nur auf PREMIERE ausgestrahlt. RTL2 soll angeblich auch Rechte an der Serie haben, hat bisher aber noch nichts gezeigt. Die erste Staffel gibt es gerade sehr günstig bei Amazon.de zu kaufen. Auf den Region2-DVDs des Auslands zur zweiten Staffel soll wohl deutscher Ton enthalten sein, ich hoffe aber auf eine offizielle Veröffentlichung. In jedem Fall gebe ich aber eine dicke Empfehlung, sich diese warmherzige und witzige Serie – ob nun auf Englisch oder auf Deutsch – zu Gemüte zu führen. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn es nach dem Film bald neue Folgen von Dead Like Me geben würde.

8 Antworten to “Dead Like Me – So gut wie tot”

  1. Hmm, sollte der Serie vielleicht doch noch mal eine Chance geben. Vor allem, da ich mittlerweile ja auch „Pushing Daisies“ und das wirklich wunderbare und viel zu früh verschiedene „Wonderfalls“ (bitte um baldigen Review! ;-)) gesehen habe. Damals hab ich DLM nach ca. 6-7 Folgen irgendwie aufgegeben… Die war zwar gut, aber konnte mich irgendwie nicht packen… Sollte ich wohl mal wieder ändern, so den Sommer über, wenn ich mit meiner LOST-Aufholaktion fertig bin (immerhin schon bei S01E08… *hust*)

  2. Die ersten Folgen sind vielleicht beim ersten Sehen etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn man aber weiß, wie der Hase läuft, geht der Rest weg, wie heiße Semmeln! Da ist das Schnitzel paniert und der Drops gelutscht! :mrgreen:

  3. […] einige Rückschlüsse auf den Inhalt gibt. Es geht mal wieder, wie auch bei Pushing Daisies oder Dead Like Me, die ebenfalls der Fantasie Fullers entsprangen, wundersam zu. Wonderfalls konzentriert sich dabei […]

  4. Die beste Serie die ich seit Monaten gesehen habe (oder waren das Jahre)
    Nun versuche ich verzweifelt raus zu finden wann es weiter geht, im Momet laufen auf PREMIERE die Wiederholungen.

  5. @ ameexx

    Momentan gibt es nur zwei Staffeln und einen aktuellen Film von DLM. Mehr wurde nicht produziert. Vom Erfolg des Films hängt die Produktion von weiteren Serienfolgen ab.

  6. ich weiß ein bisschen spät aber wo oder wann gibt es denn den film???

  7. Das Release wurde leider auf 2009 verschoben! Der Film scheint aber fertig zu sein. Ellen Muth hat auch schon den Kommentar für die DVD eingesprochen. Die wird es dann sicher bei Amazon und Co geben.

  8. […] der Serie ist Bryan Fuller, der Pushing Daisies aus einer Idee zu Dead Like Me entwickelte. Wieder sind Tod und ungewöhnliche Beziehungen ein Thema. Fuller, der neben der eben […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: