Deutscher Filmpreis 2008 – Die Gala

Gestern wurde in Berlin mit einer festlichen Gala der Deutsche Filmpreis 2008 (Lola) vergeben. Durch den Abend führte Barbara Schöneberger. Großer Gewinner war Fatih Akin mit seinem Drama Auf der anderen Seite. „Überschattet“ wurde auch diese Veranstaltung durch die Zänkereien zwischen der Deutschen Filmakademie und Til Schweiger, der wohl einfach zu blöd war, seinen an den Kinokassen sehr erfolgreichen Film Keinohrhasen für die Nominierung bei der Akademie regelkonform einzureichen. Schweiger saß mit störrischer bis peinlich berührter Miene im Publikum und wurde „Opfer“ der ein oder anderen spöttischen Bemerkung.

Das Konzept der Gala orientierte sich (wie übrigens auch die Wahlprozedur) an den amerikanischen Oscars. Ein Gastgeber / eine Gastgeberin führt mehr oder minder witzig durch den Abend, bekannte Persönlichkeiten präsentieren als Laudatoren die Gewinner, deren Danksagungen durch ein dudelndes Orchester unterbrochen werden. Nach zwei Jahren Michael „Bully“ Herbig als Showmaster durfte nun also Barbara Schöneberger ans Mikro und präsentierte ihre in verschiedene Kleider gepressten Rundungen. Frau Schöneberger singt jetzt, das weiß inzwischen wahrscheinlich jeder. Trotzdem musste die Dame ihre miserablen Gesangskünste mit dämlich umgetexteten Schlagern auch hier „zum Besten“ geben. Ebenso die Einspieler mit Schöneberger – etwa als „Waldmeisterin“ in Unsere Erde – waren nur peinlich. Repräsentierte sie mit ihrer erbärmlichen Performance eventuell die (bis auf Ausnahmen) schlechte Qualität der deutschen Komödie des letzten Jahres? Immerhin führte sie recht zügig durch den Abend, so dass diese Gala nur halb so lang wie eine Oscarverleihung war. Dass es doch witzig zugehen kann zeigte dann ausgerechnet „Bully“ Herbig, der mit Sissy und der wilde Kaiser einen jener Tiefpunkte 2007 setzte, mit seiner kurzen und humorvollen Laudatio.

Trotz anders lautender Äußerungen von Frau Schöneberger war das deutsche Filmjahr 2007 ein eher schlechtes. Wenn der beste deutsche Film 2007 (der nicht nominierte Black Book von Paul Verhoeven) eigentlich eine ausländische Produktion ist und die immerhin für den Preis der besten weiblichen Hauptrolle nominierte brillante Carice van Houten gar keine Deutsche ist, dann stimmt etwas nicht im Lande Fritz Langs. Im Rahmen dieser Möglichkeiten ist die diesjährige Preisvergabe dennoch als gerechtfertigt zu bezeichnen. Nina Hoss kam zwar in Yella nicht ganz an van Houtens Leistung in Black Book heran, ist aber momentan die wohl beste deutsche Schauspielerin. Abräumer war der Deutschtürke Fatih Akin, der mit seinem Culture-Clash-Drama über Tod und Liebe die Preise für Schnitt, Film, Regie und Drehbuch einheimste und mit seinem Film wohl die meisten Akademiemitglieder begeisterte. Angesichts der Preisflut schwankte Akin in seinen Danksagungen zwischen seiner eigentlichen aufmüpfigen Opposition gegen die Akademie und kindlicher Freude. Prinzessinnenbad als besten Dokumentarfilm auszuzeichnen, gleicht einem Witz – schade für Pepe Danquarts bildgewaltigen Am Limit. Freude dagegen über die Auszeichnung für Armin Völckers Leroy als besten Kinder- und Jugendfilm.

Dass es inzwischen überhaupt eine solche Gala für den deutschen Film gibt, ist lobenswert. Dennoch liegt noch einiges im Argen. Es gibt einige Ansatzpunkte für Reformen. Öffentliche Fördergelder sollten nicht von einer privaten Institution (Deutsche Filmakademie) vergeben werden. Man sollte den Preis und die Vergabe der Gelder trennen. Einige Strukturen innerhalb der Akademie wären auch zu überdenken, vor Allem was den Kontakt zum Zielpublikum betrifft. Das Konzept der eigentlichen Gala geht in die richtige Richtung, auch wenn es noch kleinerer Verbesserungen bedarf. Global gesehen scheint der deutsche Film auf dem richtigen Weg, man sollte sich aber nicht auf den ersten Lorbeeren (letztjährige Oscars) ausruhen.

Seltsam war die TV-Übertragung durch die ARD. Als Karoline Herfurth die Laudatio für die beste männliche Hauptrolle hielt, gab es einen unvermittelten Schnitt und Frau Schöneberger war wieder zu sehen, wie sie eine abgeänderte Ankündigung für Frau Herfurth machte. Die Laudatio schien dann auch eine Variante zu sein. Gab es da technische Probleme (Stromausfall) im Saal oder Fehler in der Ansage? Vielleicht könnte mich einer der Anwesenden mal aufklären …

😉

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3 Antworten to “Deutscher Filmpreis 2008 – Die Gala”

  1. Et warn Schnittfehler 😉
    Überhaupt wurde ordentlich zusammengekürzt und die Regie hatte meiner Meinung nach was gegen Frau Schöneberger oder war so schlafmützig wie das Publikum. Jedenfalls wurde ständig auf gähnende, oder sich kratzende, oder vor sich hin stierende Leute gezoomt. Die Witzchen waren aber tatsächlich lahm, dafür kann sie ja nur leider nix. (Die Texte waren nicht von ihr)
    Wenn ich auch nochmal meckern darf: völlig fehlbepreist meiner Meinung nach ist Frederick Lau. Bei den besten Filmen auch schade, dass Am Ende kommen Touristen (oder wie Frau Berger meinte: „…kommen DIE Touristen“, aber sie sagte auch schon „Justus von Dohhhanyi“) oder Shoppen völlig leer ausgingen. Irgendwie wurde ich den Gedanken nicht los, dass einige für Akin stimmten, weil dieser ja nun schon den europäischen Filmpreis etc. bekam. Da will man ja nicht provinziell erscheinen und muss den Film dann auch supi finden.
    Naja, er war ja auch nicht total unsupi, aber es gab eben in dem – wirklich schwachen Jahrgang – einige Überraschungen, wie eben „Shoppen“.
    Eklig fand ich wirklich, wie die Branche sich wieder selbst beklatschte. Die wie frisch geliftet wirkende Andrea Sawatzki mit dem „spontanen“ Kommentar „…schlechte Dialoge??? aber doch nicht im deutschen Film!!!“. Würg. Oder das Theater um Til-ich-mach-meinen-eigenen-Filmpreis-Schweiger. Kam für mich rüber wie „schade, dass du zu blöde warst, dich anzumelden, aber du hast einen toTAL schönen film gemacht, wirklich!“ *tätschel*. Dazu sein Blick wie (Zitat einer großen deutschen Zeitung) „im „Roten Baron“ kurz bevor er den Gegner abknallt“.
    Richtig gefreut hab ich mich über Leroy und Ali N. Askin. Gute Entscheidung! Und schön auch der Satz von Frau Schöneberger (wurde glaub ich rausgeschnitten): „ich hätte nie gedacht, dass ich mal eine Filmverleihung moderiere“. Guten Abend.

  2. Ui, meckern ist wohl ansteckend! Habe Deinen Kommentar gern gelesen! 😀

    Wundert mich trotzdem, warum es für Herfurth zwei Ansagen gab …

  3. siehe mein erster satz – schnittfehler. 😉 frau herfurth wurde nur einmal angesagt, insgesamt wurde gar nix wiederholt…

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