Lola Visionen (Nachbetrachtung)

Hier der Vollständigkeit halber ein kleiner Rückblick auf die Veranstaltung Lola Visionen im Filmtheater am Friedrichshain vom 16.04.08 (heute):

Trotz geringer Werbemaßnahmen war die diesjährige Podiumsdiskussion der Regisseure der für den Deutschen Filmpreis nominierten Filme im Vergleich zum letzten Jahr recht gut besucht. Das Publikum bestand vorwiegend aus Filmschaffenden. Schade, dass mangels besserer Öffentlichkeitsarbeit der Abend eher den Charakter einer exklusiven Insiderveranstaltung hatte, was ja dem eigentlichen Gedanken dahinter widerstrebt.

Durch den Abend führte wiederum Heike-Melba Fendel, die durch immens lange Fragen mit extremen Verschachtelungen „glänzte“. Obwohl sie am Ende ihrer Frage nicht mehr wusste, worauf sie eigentlich hinaus wollte, gelang es ihr versehentlich erstaunlich gut, für eine interessante Plauderrunde zu sorgen. Da einige Regisseure der in der Hauptkategorie nominierten Filme verhindert waren, gesellten sich zu Robert Thalheim (Am Ende kommen Touristen) und Christian Petzold (Yella) noch die zwei Jugendfilmregisseure Armin Völckers (Leroy) und Anna Justice (Max Minsky und ich) sowie Dokumentarfilmerin Bettina Blümner (Prinzessinnenbad).

Nach der Vorführung kurzer Filmausschnitte ging es anfangs thematisch um die verschiedenen Werdegänge der Regisseure und ihre Beziehung zu den Drehorten ihrer aktuellen Filme. Daraus entwickelte sich eine Diskussion über Schauspielerführung, Drehbuchschreiben, die Zukunft des Films und den Unterschied zwischen Kino- und Fernsehproduktionen. Christian Petzold profilierte sich als selbstbewusster Filmemacher mit eigenen Methoden und Ansichten, die ich interessant fand, wenn ich auch nicht immer einer Meinung mit ihm war. Den Part des schelmischen und unbekümmerten „Witzboldes“, den letztes Jahr Marcus H. Rosenmüller innehatte, übernahm diesmal Armin Völckers, dessen teils schon recht einfache Ansichten mir am ehesten lagen. Ebenfalls sehr sympathisch erschien mir Anne Justice, die sich ordentlich einbrachte und, ihrer filmischen Herkunft bewusst, das Fernsehen verteidigte. Recht schüchtern beantwortete Robert Thalheim die Fragen, er kam mit der seltsamen Art der Fragenstellung durch Frau Fendel nicht sonderlich gut zurecht. Etwas suspekt kam mir Bettina Blümner vor, was aber weniger an ihrer Person als an ihrer Dokumentation lag. Ich bin der Meinung, dass Prinzessinnenbad ein erschreckendes Bild der deutschen Jugend zeigt und die Heldinnen als dumme, asoziale Gören outet. Blümner denkt aber, sie hätte eine Dokumentation über das Erwachsenwerden mit sympathischen Mädchen gedreht. Zudem wirkte sie als einzige Dokumentarfilmerin bisweilen als Fremdkörper in der Runde.

Insgesamt war diese Ausgabe der Lola Visionen wieder eine gerade für Filminteressierte äußerst lohnende Veranstaltung. Der Zuhörer erfuhr interessante Hintergrundinformationen bzw. witzige Insiderdetails und er lernte ganz unterschiedliche Typen von Menschen kennen, die es alle irgendwie zum Film geschafft haben. So war und ist Lola Visionen Information und Inspiration … und damit eigentlich etwas für ein größeres Publikum ;o)

2 Antworten to “Lola Visionen (Nachbetrachtung)”

  1. Eine gut beobachtete Nachbetrachtung, leider auch was mein Formtief betrifft. Nächstes Mal wieder besser !

    alles Gute

    Heike-Melba Fendel

  2. Danke! Freut mich, dass Sie mit der Kritik umgehen können! Bis zum nächsten Mal! Grüße

    😉

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