Harry Potter – Auftrag erfüllt!

*spoilerfreie Empfehlung *

Alles Kinderkram! Alles nur zuckersüße Zaubererfantasie einer englischen Hausfrau! Ich war doch recht überrascht, als ich mir vor einigen Jahren den ersten Harry Potter-Band von Joanne K. Rowling zur Hand nahm und den Empfehlungen einiger Freunde nachgab. Diese Geschichte über einen kleinen Jungen, der seine seltsamen Fähigkeiten entdeckt und dann auf eine Zaubererschule geschickt wird, ist erstaunlich flott geschrieben, besitzt Herz, Humor und viele interessante Charaktere, ist äußerst kurzweilig und unterhaltsam geschrieben. Das Faszinierende an diesem „Kinderbuch“ ist aber, dass es locker mit einem Kriminalroman mithalten könnte. Harry Potter muss schon im ersten Band ein verzwicktes Rätsel lösen. Spannend spinnt Rowling ein Netz aus Intrigen, Geschichten und Hinweisen. Nach etlichen Wendungen führt sie ihre Helden am Ende eines jeden Buches zu einer Lösung bzw. Offenbarung, die Teil eines großen Ganzen zu sein scheint.

Der erste Band ist insgesamt tatsächlich noch relativ kindgerecht geraten. Der Ton wir spätestens im dritten Band rauer. Später gibt es sogar Tote zu beklagen. Kritische Stimmen behaupten, Rowling würde ihre jungen Leser unter dem Mantel einer Kindergeschichte zu okkultem Handeln verleiten, sie mit übertriebener Härte schockieren. Dem ist aber zu widersprechen. Einerseits wächst Rowlings Publikum mit ihren Büchern. Andererseits kann es nicht schaden, schon Kinder in eine Welt zu führen, die eben nicht aus Zuckerwatte besteht. Ein akzeptabler Weg ist es, dies mittels Fantasy-Literatur zu bewerkstelligen. Mir ist nicht bekannt, dass Grimms Märchen je einem Kind ernsthaft geschadet haben.

Das Konzept der „Detektivgeschichte“ wird von Rowling in den weiteren Bänden beibehalten, das Szenario wird aber zunehmend gefährlicher. Die Zahl der Gegner wächst, es sind Verluste in den eigenen Reihen zu beklagen. Mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ liegt nun der siebte und wahrscheinlich letzte Band vor, in dem die Geschichte ihren wahren Höhepunkt findet. Es ist ein würdiger, wenn nicht sogar perfekter Abschluss geworden. Das Gesamtkonzept der Geschichte wird offengelegt. Faszinierend, wie sie schon vom ersten Band an auf das Ende ausgerichtet war, wie detailreich sie erzählt ist. Fast jede Einzelheit hat einen Sinn, der sich nun am Ende offenbart. Das allerletzte Kapitel (Epilog) ist dann wieder, ohne hier Inhaltliches preiszugeben, „kindgerecht“ und versöhnlich. Rowling ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Sie macht Hoffnung und rückt die wichtigen Werte, deren Mangel in der heutigen Gesellschaft immer größer wird, in den Mittelpunkt.

Ich bin beeindruckt. Bei Harry Potter handelt es sich tatsächlich um große Literatur. Ich gönne Mrs. Rowling ihren Erfolg, die Millionen Fans und freue mich schon auf den angekündigten Kriminalroman. Rowling hat das Rüstzeug für eine bedeutende Schriftstellerin und hat dafür mit Harry Potter schon einen Meilenstein in der Literaturgeschichte gesetzt.

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